Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Ardècheschlucht zwischen Chames und Saint-Martin-d'Ardèche, F

 


Kurz nach 1890 soll die Erschließung der Ardècheschlucht von Vallon her begonnen haben. Vorher haben hier wohl dort Zustände geherrscht haben, die uns modernen Menschen ziemlich "paradiesisch" vorgekommen wären. Aber dieser "Fortschritt" hat inzwischen das meiste niedergebügelt und was ist heute noch davon übrig? Schnellstraßen - heute oft schon 3 und 4 und 5spurig x 2 auf der Gegenfahrbahn. Verstopft bis auf die letzte Parklücke, daneben ein Atomkraftwerk, das seine Dampfschwaden überall hin sendet, und das seinen Rückstände auch noch Hunderten von Generationen, die von unserem kurzfristigem Niedrigkostenzurechtrechnungsenergierausch überhaupt nichts außer den Kosten haben, hinterläßt.

Gibt es noch letzte Refugien, wo das noch ein wenig anders ist? Wo es sie noch? gibt, darüber redet keiner mehr. Davon bin ich fast sicher, zumindest bei denen, die sensibel sind für diese schwerwiegende Problematik. Aber da gibt es immer den "Judas"!

Egal, wer heute über diesen Abschnitt der Ardèche schreibt, der enthüllt sicherlich kein Geheimnis. Das ist heute großes Geschäft - die Leute durch diesen ohne Boot nur sehr mühsam begehbaren Abschnitt der Schlucht zu schleusen.

Mühsam ist es besonders deshalb, weil die Fahrstraße, die von Vallon bis nach Chames führt, danach nur noch in Spitzkehren wieder auf die Hochfläche führt und erst wieder ab Saint-Martin der Fluß auch wieder mit dem Fahrzeug erreichbar. Zwischendrin gibt es nur noch Fahrstraßen, die aber für den allgemeinen Verkehr gesperrt sind und nur der Versorgung der verschiedenen Stationen in der Schlucht dienen, z.B. den Nudistencamps.

Ich glaube, daß nicht wenige Menschen, als sie diese Stellen durchfahren haben, sich wie im "Paradies" vorgekommen sind. Die "Natur", wie wir sie mit einem einigermaßer ungestörten "Naturverständnis" empfinden, nämlich, daß das ein Bereich ist, wo eben der "Mensch" sich heraushält und die "Naturkräfte" einfach wirken, hat da ihr Reich. Und das fängt an, daß viele ihre "Hüllen" fallen lassen. Weg mit dem Gwand! Vergeß die Bibel und die "Kirche". Sei du selber! Spür es, wenn du bist, was du grad bist.

Die Antworten auf diese Grundfrage fallen heute überhaupt nicht gleich aus. Gar nicht so wenige beziehen ihre Koordinaten aus der Schlüsselinformation für sie, daß sie nur 3 Stunden und vielleicht 31 Minuten gebraucht haben, um diese Strecke zurück zu legen. Je schneller, desto besser. Stichwort IRONMAN. Der andere macht das in 3 Stunden und 29 Minuten. Super. Beifall!
In Anselm Grüns Engelbüchern hab ich mal vom "Engel der Langsamkeit" gelesen. Der Kern: Je langsamer man etwas macht, desto intensiver wird das Erlebnis. Das konnte ich gut nachvollziehen.

Und deshalb haben wir in den 60er Jahren noch für eine Ardèchedurchquerung wirklich 2 Tage gebraucht. Wir haben uns Zeit gelassen. Sind erst spät losgefahren, als all die schnellen Horden schon weiter waren. Als es richtig still geworden ist auf dem Fluß. Als die vielen Vögel die Tonregie über dem Wasser übernommen hatten. Wir trieben so lange auf dem Fluß dahin, bis es dunkel wurde. Wir waren darauf vorbereitet. In unsern Gummibooten, manche hießen "Tigerhai", waren Schlafsäcke und Liegematten. Kein Thema. Irgendwo war ein Felsdach. Wir schmiegten uns hinein. Ein Traumabend folgte. All das viele "Fortschrittsgetue"! Wofür? Unsere Welt war ganz einfach, sich selbst erklärend und halt doch voller "Geheimnis".

Am nächsten Morgen trieben wir langsam weiter auf dem glücklicherweise nur wenig Wasser führenden Fluß. Die Stromschnellen waren ganz einfach zu "meistern". Nichts Gefährliches war dabei, ein kleiner Kick allenfalls. Wo wir einen Höhle sahen, da hielten wir, krabbelten hinein, so wie wir waren - und nicht immer hatten wir "Badehosen" an!

 

 

 

Literatur:

   

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