Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen an der Ardèche, F


Cocalière

grotte de Saint-Marcel

Zwischen Vallon und Chames

Zwischen Chames und Schluchtende

Goule de Foussoubie

Baume de Ronze

Höhlen im Ibietal

Chassesacgebiet

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"Ardèche".... ich denke da gleich an Thymian, weißgraue Felswände, das Hellgrün der Büsche und kleinen Bäume, das lautlos hinabfließende Wasser des Flusses und die immer häufiger werdenden Kanuten, die sich für die Strecke von 25 km, wo die Ardèche durch eine der schönsten Landschaften Europas fließt, die "Gorge d'Ardèche", sich immer weniger Zeit zu nehmen scheinen. Wozu hier schnell sein? Was soll der Lohn dafür sein, eine wunderbare Landschaft möglichst schnell zu durcheilen? Um möglichst schnell woanders nach womöglich noch "spektaktuläreren" Schluchten zu suchen, die man dann noch schnell durchrasen will? Was soll das?

Ich gehe eher den anderen Weg heute, sich immer mehr Zeit zu lassen, wenn ich dort bin. Überhaupt einmal wahrzunehmen, was da eigentlich ist. Und da ist ein Gebiet, das sich wirklich nicht viel im Vergleich zur Zeit vor 10.000 oder 20.000 Jahren verändert hat (wenn man es so sehen mag). Unsere Urururur...vorfahren saßen nicht weit von dem Ort, wo wir uns nicht weit davon hinsetzen können (Ausgrabungen haben das gezeigt). Wenn du dann vor deinem Zelt sitzt, ein Lagerfeuer anzündest, die Hitze der Glut spürst, immer wieder etwas Treibholz nachlegst, so weit (?) bist du nicht von den Zuständen damals entfernt, wenn du das so sehen magst (Spülklosett, warme Duschen, Spülbecken, frische Baguette zum Frühstück..., Supermarkt nicht weit).

Jedenfalls kannst du morgens, wenn du die Zelttür öffnest direkt in den Eingang einer "Steinzeithöhle" blicken. 100 m von dir entfernt sind prähistorische Ritzzeichnungen an den Wänden, die du, wenn du ein normaler Mensch bist, zu Lebzeiten allenfalls auf Papier zu sehen bekommen wirst, obwohl sie fast zum Greifen nahe sind. Ist in diesen Zeichnungen eine Botschaft enthalten, die vielleicht an dich gerichtest ist? Du wirst es direkt nie erfahren, denn es sich mindestens 100 "Gelehrte" dazwischen geschalten, die das "permit" haben.

Als ich mit Alfred Schlagbauer Ende April 2000 dort waren haben wir so eine auserwählte Gruppe von "permitholdern" beobachtet, als sie morgens ihr Schlauchboot aufpumpten, es über den Fluß navigierten, es trockenen Fußes wieder verließen, zur Höhle hinaufkletterten, verschwanden... wer weiß wozu..... wohl für "wissenschaftliche Zwecke"...... Wir waren nicht dabei, keine "permitholder", "Touristen" mit einem Herz für Höhlen, aber "right place, right time"...

Ein paar Bilder...

 
 
Die Ardèche bei Hochwasser

Die Goule de Foussoubie bei Hochwasser
 
 
 
 

Im April 2004 waren wir, Alfred Schlagbauer und ich, mal wieder dort. Seit bald 40 Jahren fahre ich immer wieder dorthin, weil die Gegend etwas ganz Besonderes hat, das ich nirgends wo anders so schön finden konnte. Vieles ist gleich geblieben, die Natur vor allem. Vieles hat sich geändert. Der Tourismus hat die Gegend vollkommen im Griff und bewirkt Gutes wie Schlechtes. Besonders verändert die Entdeckung der Chauvethöhle beim Pont d'Arc, dem Wahrzeichen, das Gebiet. Heute ist es unmöglich, in Vallon und Umgebung sich aufzuhalten, ohne daß man darauf gestoßen würde. Vom Museum in einem ehemaligen Supermarkt bis zum beigelegten Foto in vielen Speisekarten, vom Bild der Höhlenlöwen auf Lavendelfläschchen bis zur Flut von Ansichtskarten, die ohne die Höhlenbilder nicht mehr auszukommen scheinen.


Das Museum
   
Am Hauptplatz von Vallon
Das Warenangebot in Vallon
 
 

Es hat bis September 2018 gedauert, bis ich auf dem Rückweg vom Jakobsweg für 2 Tage wieder an die Ardèche kam. Vieles hat sich verändert inzwischen. Der Tourismus blüht, man hat ein großes Tourismuszentrum am Rande des Ortes erbaut mit einem gewaltigen Parkplatz. In die grüne Macchia hinein wurde die große Nachbildung der Chauvethöhle gestellt, die viele neue Besucher anlockt. Lokal an Lokal reiht sich im Ortskern, viele Souveniershops versuchen ihre Ware loszuwerden, verelendet und heruntergekommen sieht es gerade nicht aus. Aber einen kleinen Stich gab es mir schon, als ich beim ehemaligen "hotel du parc" vorbeikam. Die Schrift wurde inzwischen entfernt, man sieht nur noch die alten Befestigungslöcher. Im ehemaligen Empfangsraum des Hotels ist heute eine Bar eingerichtet. Dort wo wir in 70er Jahren in die französische Eßkultur enkulturiert worden sind, da ist leider heute Leere. Da stehen heute Spielautomaten und Slotmaschines herum, aber keinen scheint das noch zu interessieren. 

 

 

 


Literatur:

Weinhold, Maria, Schmitt, Thomas Ardèche und Cevennen, Schelzky & Jeep, Berlin 1997
Roudil, Jean-Louis Préhistoire de l'Ardèche, 1995
Marchand, Thierry Inventaire spéléologique du département de l'Ardèche, Tome 1: Les Gras du Coiron à La Baume, CDS 07, 2001
Balazuc, J. Spéléologie du département de l'Ardèche, 1956
Drouin, Philippe, Marchand, Thierry Speleo Sportive en Ardèche, EDISUD; Aix-en-Provence 1989
Minvielle, P. Grottes et Canyons, Ed. Denoel, Paris 1977
Klingenfuß, Bruno Speleo-Führer Ardèche Canyon, ohne Jahres- und Ortsangabe
Viala, Claude Grottes et caches camisardes, Les Presses du Lanquedoc, Montpellier 2005
Cohen, Claudine La femme des origines, Belin - Herscher, 2003
Arnaud, Judicael, Helck, Rémy Dépollution exemplaire à l'aven de Chazot (Vallon-Pont-d'Arc, Ardèche), Spelunca 120-2010 p 17-20
Audra, Philippe, responsable d'édition Grottes & karsts de France, Karstologia Mémoires, n° 19 2010

 


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