Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf den Galapagosinseln


Im Anflug auf Baltra / cueva Cascajo


Abenteuer erlebt nur der, der sie zu erzählen weiß. Henry James

25 Aschehaufen, einige davon zu Bergen vergrößert. Hermann Melville


Santa Cruz

Floreana

Isabela

16th International Symposium on Vulcanospeleology, Galapagos Islands 2014


Rund 1.000 Kilometer sind es vom südamerikanischen Kontinent westwärts. Dann kommt man in das Gebiet der Galapagosinseln im Pazifik. Es beträgt 430 Kilometer in Nordsüd- und 220 Kilometer in Westostrichtung. Der nächste Nachbar ist 720 km entfernt, die Cocosinsel.

 Mehr als 60 Inseln und Inselchen gehören dazu. Sie ragen über den Meeresspiegel bis maximal 1.640 m empor (Volcán Wolf). Die größte Insel heißt Isabela und hat eine Fläche von 4.588 km².

Es gab einige sehr unterschiedliche Theorien, wie die Inseln entstanden sind. Im Augenblick, und das scheint sehr gefestigt zu sein, nachdem die Theorie der Plattentektonik, die auf Alfred Wegener zurückgeht, nicht mehr als "Hirngespinst" abgetan wird, nimmt man an, daß sie durch Hot Spots, das sind "vulkanisch aktive, stationäre (!) Punkte im Erdmantel (APA-Guide, S. 301)" entstanden sind, über die die Platten der Erdkruste, in diesem Falle die Nazca-Platte, langsam hinwegwandern. Ein Vulkan nach dem andern würde von der stetig fließenden Lavaquelle weiterbewegt. Diese Auffassung paßt gut mit den Altersmeßwerten der Inseln zusammen. Die Inseln im Osten sind viel älter als die im Westen, maximal aber ca. 4 Millionen Jahre alt. Die letzten größeren Ausbrüche passierten 2005 beim Vulkan in der Sierra Negra auf Isabela und 2009 mit den Öffnung einer Flankenspalte des Vulkans El Cumbre auf Fernandina.

Mit dem Auftauchen des Gesteins aus dem Pazifik begann eine neue Epoche. Leben siedelte sich darauf an. Zwei Zugangswege gab es, durch die Luft und über das Wasser, einen nicht, den Landweg. Immer wieder ist die Frage aufgeworfen worden, wie es denn die verschiedenen Arten von Schildkröten es geschafft haben, die weite Strecke hinter sich gebracht zu haben. Treibende Baumstämme und gar kleine treibende Landstücke wurden hypothetisch angenommen. Auch viele Pflanzenarten fanden ihren Weg auf die Inseln. War man einmal da, dann ging es darum, für wie lange man es aushielt, als Einzelwesen und als ganze Gattung. Charles Darwins Beobachtungen waren geradezu revolutionär. War vorher das von der Kirche vor allem vertretene Credo, daß Gott im ursprünglichen Schöpfungsakt auch alle Tiere so geschaffen hatte wie sie augenblicklich da waren, änderte sich die Sichtweise schlagartig. "Survival of the fittest" hieß es dann, wer sich am besten anpassen konnte, an das was gerade da war, der hatte die besten Überlebenschancen. Und angepaßt haben sich dort einige Tierarten, z.B. die Meerechsen (Marine iguana), die als einzige ihrer Art auf der Welt ihre Nahrung nun aus dem Meer holen, was alle anderen Echsenarten dieser Erde nicht tun.

Bevor die Inseln von der Menschheit entdeckt worden war, was wohl 1535 eher zufällig durch den Bischof Tomas de Berlanga passierte, entwickelte sich die Natur vollkommen ungestört. Das hat sich gewaltig geändert. Jede Menge gewollter und ungewollter Veränderungen hat es inzwischen gegeben, so daß aus dem paradiesähnlichen Raum ein höchst gefährdeter geworden ist. Seit 1959 sind 97% der Fläche der Inseln zum "Nationalpark" erklärt worden, was aber nicht so viel geholfen hat. Seit 1979 gehören sie zum UNESCO-"Naturerbe der Menschheit", 2007 kamen die Galapagos-Inseln auf die ROTE LISTE des gefährdeten Welterbes, von der sie inzwischen wieder gelöscht worden sind. Ein starker Faktor für die Gefährdungen sind der wachsende Tourismus, der auf der einen Seite zwar Beschäftigungschancen und Wohlstand auf die Inseln bringen, andererseits gewaltige Umweltbelastungen.

Daß es Höhlen auf den Inseln gibt, das ist schon lange bekannt. Unter den ersten Interessenten dafür sind die Piraten und die Waljäger zu nennen, die dort Unterschlupf fanden. Charles Darwin erwähnt bereits 1835 verfaßten Werk  Lavahöhlen (...the volcanic islands are studded by innumerable smaller orifices....steep walled pits and lava tubes with collapsed roofing). Wissenschaftler aus Belgien haben mit der "Mission Scientifique Belge aux Galapagos" 1962 auch mit der wissenschaftlichen Erfassung der Höhlen (Kübler Cave) begonnen. 1970 machte der ungarische Speläologe Denes Balazs weiter und vermaß sowohl die Kübler Cave als auch die Bellavistahöhle. 1975 fand die erste spanische Expedition "Galapagos '75" statt. In der ersten Gesamthöhlenliste von Galapagos, aufgestellt von der französischen Gruppe SSPPO aus dem Jahre 1982 sind 38 Höhlen erfaßt.

Inzwischen sind einige auch bekannter geworden und werden touristisch genutzt.

Die folgenden Informationen entstammen u.a. der Webseite: Caves in the Galapagos | USA Today

Die Bellavista Caves liegen in der Nähe von Bellavista, 4 Meilen nördlich von Puerto Ayora auf der Insel Santa Cruz. Die Grundbesitzer verlangen oft einen kleinen Obulus, damit man die auf Privatgrund liegenden Höhlen besuchen darf.

Auf der Insel Floreana liegen die Piratenhöhlen. Die Asilo de la Paz-Höhle befindet sich am Fuße des gleichnamigen Hügels. In der Nähe entspringt eine Quelle, die der Wasserversorgung der Insel dient.

El Mirador ist ein kleiner Lavatunnel in der Nähe von Puerto Ayora, der gerne besucht wird. Durch Deckenlöcher kommt soviel Licht herein, daß man keine eigene Beleuchtung braucht. Weiße Eulen halten sich in der Höhle auf.

Auch Unterwasser kann man, entsprechend ausgerüstet, in Höhlen vordringen. In Las Tintoreras, einer Insel in der Nähe von Puerto Villamil, können Taucher in die auch von Haien aufgesuchte Höhle vordringen. Bei Los Tuneles, das von Puerto Villami mit dem Schiff erreichbar ist, kann man unter Wasser Lavatunnels und Naturbrücken aufsuchen.

Auf der Insel Isabela, 14 km von Puero Villami entfernt, liegt an einem Ökotrail die 355 m lange cueva de Sucre. Man sieht dort einen idealen Ort, um die Touristen über die Flora der Galapagosinseln zu informieren.

In den Triple Volcán auf der Insel Isabela, die tiefste bislang bekannte Kraterhöhle auf den Galapagos-Inseln mit - 101 m, hat der Grundbesitzer verschiedene Besucher schon geführt und ihnen Strickleitern und Handseile zur Überwindung der Steilstufen zur Verfügung gestellt.

Inzwischen haben amerikanische Höhlenforscher die systematische Erfassung der vorhandenen Höhlen wieder aufgenommen. Seit mehreren Jahren finden nun Expeditionen dorthin statt und liefern enorme Ergebnisse. So wurden auf der 2013er Expedition 10 km Höhlenstrecken erforscht und vermessen. Dabei erlebt man immer wieder Überraschungen.

Im März 2014 fand das Symposion der UIS-Vulkanspeläologen dort statt, organisiert von ECUCAVE, der Caving Organization of Ecuador > 16. Internationales Symposium über Vulkanspeläologie.

Anflug über Guayaquil

Erster Blick auf Baltra

     
 
     
 
     
 
     
   
Abends am Hafen
     

Morgens auf dem Fischmarkt
     
 
     
Abends an der Darwin-Forschungsstation
     
 
     
Leguane in der Aufzuchtsstation
     

Literatur:

allgemein:

Fugger, Brigitte, Bittmann, Wolfgang (Text), Stadler, Hubert (Fotographie) Galapagos, Bruckmann, München 2004
Rohrbach, Carmen Inseln aus Feuer und Meer, National Geographic, Frederking & Thaler, München 2003
Tui de Roy Galapagos, Tecklenborg Verlag, Steinfurt 2000
Korneffel, Peter Ecuador Galápagos-Inseln, DUMONT, Ostfildern 2013
Stolt, Matthias Das abenteuerliche Leben der Brüder Angermeyer, Malik National Geographic

speläologisch:

Addison, A. Gálapagos - Caving the Equator, NSS NEWS 69 2011: 8-18
Addison, Aaron, und andere Recent Investigations in the Galapagos Islands, Ecuador, 2013 ICS Proceedings, 2013, p 15ff.
Chabert, Claude, Courbon, Paul Atlas des cavités non calcaires du monde, UIS, 1997
Gallardo, G., Toulkeridis, T. Volcanic Caves of Galapagos and other speleological attractions, Geo-series #2 CGVG-USFQ: 56
Hernández, JJ, Izquierdo, Oromi Contribution to the vulcanospeleogy of the Gálapagos Islands, 6th International Symposium on Vulcanospeleology 1991, Pages 204-220
Middleton, Greg Caving on the Equator - Ecuador '97, Journal of the Sydney Speleological Society, 1998, 43 (5): 111
Séméria, Brigitte, Boutleux, Emmanuel Les tunnels de lave de Galápagos - Un paradis méconnu, Spelunca 126 - 2012, p 37ff
Walker, John Pirate Tunnels of Santa Cruz, DESCENT (116) 1994, p 24

 

Links allgemein:

Links speläologisch:


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