Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Slaughter Canyon Cave
Low Guads, New Mexico


Die Slaughter Canyon Cave liegt in den Low Guadelupe Mountains nicht weit von den berühmten Carlsbad Caverns entfernt. Zu einem Besuch muß man sich anmelden und trifft sich dann beim Visitor Center. 2018 kostet der Besuch für Erwachsene 15 Dollars, für Kinder 7,50 Dollars. In eigenen Fahrzeugen fährt man dann in Richtung Washington Ranch und dann weiter bis zum Fuß der Berge. Dort gibt es einen großen Parkplatz, naütrlich ein Klohäuschen, einige Sitzgelegenheiten und eine Informationstafel, sogar mit einem ausgezeichneten Höhlenplan. Ca. 5 km Höhlenstrecken wurden da erfaßt.

Auf einem gut ausgebauten Pfad geht nun 250 Höhenmeter hinauf, schließlich war das mal der Weg von und zur Arbeit von vielen Arbeitern, die um 1900 in der Höhle den Guano herausholten, der später als Düngemitteln von den Farmern verwendet wurde. Die Szenerie ist großartig. Nach der Monotonie der Chihuahawüste gibt es hier weiße lotrechte Felswände. Auch in den gegenüberliegenden Talseite gibt es etliche Höhlen, die allerdings dem Normalpublikum nicht zugänglich gemacht wurden.

Nach rund einer halben Stunde steht man vor den verschlossenen Höhleneingängen, einem großen und einem kleinen. Dem Kenner fällt sofort auf, daß man hier nicht in bei uns leider üblichen Gefängnismethode die Stäbe zum Verschluß angebracht hat, sondern sie verlaufen waagrecht. Das hat seinen guten Grund: Die Fledermäuse konnen so besser ins Innere der Höhle gelangen und werden nicht im Flug blockiert. 

Die Höhle war schon den Indianern bekannt, die in einem versteckten Winkel auch ein paar Malereien zurückgelassen haben. Es geht auf einem Pfad nach unten, der seitlich mit Steinen und Bändern markiert ist. Übertretungen werden nicht geduldet, auch keine Berührungen der Wände. Je weiter man in die Höhle hineinkommt, desto mehr nehmen die Dimensionen zu und werden riesig. Man passiert die alten Guanoabbaustellen, wo, wenn man genau hinschaut, in den Wänden viele viele Fledermäusknöchelchen stecken - ein wertvolles Archiv für Wissenschaftler. Alles was älter als 50 Jahre ist, gilt hier als Antiquität und ist dann geschützt. Manchmal sieht man am Boden eine Stelle markiert, wo man sich frägt, was da denn sein soll. Schaut man genau hin, dann sieht man alte Eisenteile, die zurückgelassen wurden, Fetzen irgendeines Materials - nun alles schutzwürdig. Schließlich erreicht man eine riesige Halle mit ziemlich flachem Boden, den man nur außen herum begehen darf. Mitten durch zieht sich der Rand eines Sinterbeckens, die "Wall of China" genannt. Sie soll sogar in dem Spielfilm "King Salomon's Diamonds" auftauchen. Seitlich geht es über eine mit einem Handseil gesicherte Stelle hinauf, zuim "Clansman", einer wirklich bizarren mehrfarbigen Sinterfigur. Noch ein paar Meter weiter und man in der Halle mit dem "Christmas Tree", gleich daneben steht die riesige "Preussische Pickelhaube", wieder so ein merkwürdiges steinernes Ding. In einem weiteren großen Raum steht schließlich der 110 Fuß hohe "Monarch", 

ein Riese, den selbst mein großes Weitwinkelobjekt kaum mehr fassen konnte. Ein einziger Schritt über die Absperreihe aus Steinen hinaus, das wäre ein Bruch der Regeln gewesen, und für jede Regel gibt es doch Ausnahmen, das hätte aber gereicht, um alles auf einem Bild unterzubringen, sogar noch die Beine von Annie Guiraud. Man hätte ja die Schuhe ausziehen und in Socken auf den Boden treten können oder einen leeren Schleifsack unterlegen. Phantasie und guter Wille wäre halt notwendig gewesen. Um jungfräuliches Terrain handelt es sich ohnehin nicht, da über viele Jahre schließlich für den Broterwerb geschuftet wurde.

Ein Wort noch zum Photographieren in der Höhle. Ich hatte das Glück, mit Philippe Crochet, Annie Guiraud und Kevin Downey unterwegs gewesen zu sein. Anfangs arrangierte Philippe die Szenen, einmal machte das auch Kevin. Philippe war einverstanden, daß ich mich da einfach anhängte und auch Bilder mitschoß. Die goldene Palme gebührt also Philippe, aber alle meine Bilder sind doch ein wenig anders als seine. Er verfügte schließlich über ein noch größeres Weitwinkelobjektiv und hatte etwa beim Monarchenbild kein Problem, alles draufzubringen, ich schon. Dann ist immer der Blickwinkel ein anderer, selbst 1 m kann schon entscheidend sein, wenn z.B. der Gegenblitz hinter dem Modell einem genau in die Linse leuchtet, während beim anderen alles in Ordnung ist. Wenn der Abstand etwas größer wird, dann entsteht sowieso ein eigenes Photo. Die Koordination ist sehr wichtig. Es wurde one - two - three gezählt, wobei ich den Verschluß meiner auf einem Stativ stehenden Kamera bei two öffnete und kurz nach three schloß er sich schon wieder automatisch. Ich hatte auf M gestellt und 2 Sekunden Aufnahmedauer eingestellt. Ein weiteres Thema ist die Blende, die man einstellt und die Empfindlichkeit. Auch da kann man ganz Unterschiedliches einstellen. Für weit Fortgeschrittene ist dann die Farbeinstellung wichtig, die ja in jeder Höhle eine andere ist. Phillippe kennt sich ja auch schon sehr gut aus, ich war schon froh, wenn alles einigermaßen klappte. Es fehlt noch die Einstellung der Entfernung. Automatisch oder manuell - hinterher weiß man es besser. In ein Motiv verbiß sich Philippe förmlich, eine farblich sehr reizvolle Stelle, wo oben gräulicher Sinter dominierte und unten das Braun im Höhlenboden. Nie war er zufrieden, änderte mal die Position und die Beleuchtung des Modells, dann die Ausleuchtung der Höhle. 2 geduldige Helfer wurden hin und her geschickt, noch ein Blitz wurde geholt. Nach etwa einer Stunde war das Bild endlich so, wie es ihm gefiel, dem Perfektionisten. Einfach da dabei zu sein, das ist schon sehr lehrreich und anschaulich, das ist auch das "sharing", das zum Kernbestand des ICPM gehört.

 

     
     
Photos 
Philippe Crochet /
Franz Lindenmayr
Foto
Kevin Downey /
Franz Lindenmayr

 

Abstract

Literatur:

ohne Verfasserangabe The 2018 International Cave Photographers Meeting April 21-29 Carlsbad, New Mexico, USA

Links:

https://www.nps.gov/cave/planyourvisit/slaughter_canyon_cave_tour.htm

https://www.nps.gov/cave/blogs/the-beauty-of-slaughter-canyon-cave.htm

 

Carlsbad Caverns National Park und Umgebung


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