Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Höhle der wirbelnden Bäume / Tham Maimoun, Pha Soung, Thakek-Region, Khammouane, Laos


Im Pha Soung, dem "Hohen Berg", im Bergland östlich von Thakek gelegen, liegt hoch in der Felswand auf der Nam Don-Seite, verborgen durch einige hohe Bäume, eine Höhlenöffnung. Den Einheimischen war sie immer schon bekannt, hingekommen ist allerdings nie einer. Sie haben ihr aber schon eine sehr poetische Bezeichnung gegeben. Übersetzt heißt sie die "Höhle der wirbelnden Bäume".

Liviu Valenas hatte sie schon 2016 gesehen und photographiert. Es fehlte nur noch der Ersterforscher. Der fand sich in Gestalt von Peter Lenahan aus New York. Er reiste schon Tage vorher nach Bangkok und besorgte dort die notwendige Kletterausrüstung für so ein Unternehmen. Elektrobohrhammer, Schraubdübel, Karabiner, Seile, Säcke zum Verpacken des Ganzen, am Ende erwarb er sogar noch einen Sackkarren, damit alles überhaupt noch transportiert werden konnte. Und er bezahlte freiwillig auch noch alles!

Bereits am ersten Nachmittag, als wir endlich in Ban Na, unserem Stützpunkt für die nächsten Wochen, im Bergland östlich von Thakek angekommen waren, machten wir eine kleine Wanderung in das Gebiet des Nam Don-Flusses. Von ihm führt eine deutliche lange Senke bis zum Eingang der Tham Khai Nau-Höhle am Fuß der Felswand. Wandert man von dort ein wenig weiter, dann sieht man bereits zwei Wandlöcher, eines deutlich, eines verdeckt. Dorthin richtete Peter sein Interesse.

Es gab noch ein zweites Vorhaben. Peter war gefragt worden, ob er nicht dem Dorf, das unter großen Wasserproblemen leidet, sprich alles Nutzwasser mußte vom 1 km entfernt gelegenen Fluß in großen Plastiktonnen heransgeschafft werden, alles Trinkwasser kaufte man in Plastikflaschen. Der Preis für eine Bohrung betrage 900 Dollar, ob er den Betrag nicht spende? Schließlich sagte er 800 Dollar zu, aber er wolle das Geld nicht einfach so weitergeben. Man müsse schon etwas dafür arbeiten. Er erkundigte sich nach dem dort üblichen Stundenlohn und es ergab sich ein verblüffendes Ergebnis. Er hätte das ganze Dorf eine ganze Woche nur für sich arbeiten lassen können und man wäre immer noch nicht bei dieser Summe. Und was sollten die dann auch tun?

Am Denkhorizont tauchte wieder das unbesuchte Wandloch auf. Am ersten Tag sollten 4 junge Männer helfen, den Zugang zur Wand mit der Machete und ähnlichem Gerät freizuhacken. Die machten das auch, was sich als ziemlich aufwendig herausstellte. Am Tag 2 sollten 2 je 10 m lange Bambusleitern gebaut werden, wobei Peter auch noch das Arbeitsmaterial, die Bambusstangen, kaufen und bezahlen mußte. Abends lagen sie dann tatsächlich da, solide Zimmermannsarbeit war das, allerdings waren die Dinger so groß und schwer, daß man schon 4 Leute brauchte, um sie zu bewegen. An Tag 3 wurden sie mit Hilfe eines Minitraktors zum Ausgangspunkt der Kletterei geschafft. Die jungen Einheimischen stellten sich als sehr geschickte Kletterer heraus, die einfach so die Bäume hochkraxeln konnten, um von dort aus etwas mit Seilen den Bergtransport zu erleichtern. Am Ende stand tatsächlich eine der Leitern an der Wand. Die ersten 10 Meter waren so geschafft. Für den Rest mußte nun die Kletterausrüstung her. Abends bezahlte Peter für die Helfer an den Dorfvorsteher die ausgemachte Geldsumme. Das Erstaunen war allerdings später groß, daß dieser das Geld zum Einkauf von Bier, Typ Bierlao, ausgegeben hatte, das dann als "Freibier für alle" verteilt wurde. Peter machte gute Miene zum seltsamen Spiel und bezahlte noch einmal seine Helfer. Am nächsten Tag unternahmen Peter und Ondrej Kamenar von der slowakischen Forschergruppe einen erfolgreichen Vorstoß. Es waren insgesamt rund 40 Meter, teils überhängende Felswand zu meistern, dann standen die beiden Forscher im Höhleneingang und staunten. Da war tatsächlich eine Höhle, am Ende auf 60 m Länge vermessen, gefüllt auch mit ansehnlichem Sinter und einigen Kristallen. 
Tage später wurde das installierte Seil wieder abgezogen, die Haken stecken noch, die Leiter steht am Fels. Wahrscheinlich wird so schnell keiner mehr kommen, der da hinauf und hinein will.

Die Erforschung der Höhle hat gezeigt, daß es sich durchaus lohnen kann, diese nur sehr schwer erreichbaren Wandlöcher zu erkunden. Sieht man sich in der Gegend um, gibt es noch mehr dieser Öffnungen, aber halt nur einen Peter Lenahan.

Die Geschichte hat noch eine Fortsetzung. Nachdem das Geld für die Bohrung da war, kam tatsächlich ein Lkw mit Bohrausrüstung ins Dorf. Bloß, wo bohren? Ein Hasardspiel. Wir hatten zwar zwei Fachgeologen in unserer Gruppe, aber auch die konnten nicht wirklich helfen. Dazu hätte es erst gründlicher Grunduntersuchungen bedurft, die ja auch einiges an Geld verschlungen hätten. So bohrte man ein erstes Loch auf dem Gelände des Buddhatempels. Die halbe Dorfbevölkerung stand herum und wartete gespannt, was passieren würde. Tatsächlich kam bei ungefährt 18 m Tiefe braungelbe flüssige Brühe aus dem Bohrloch. Das war zwar ein Ergebnis, aber nicht das gewünschte. Zu den besonderen Bedingungen solcher Wasserbohrungen gehört, daß bei Nichterfolg kostenlos eine weitere Bohrung niedergebracht wird. Am nächsten Tag passierte das etwas außerhalb der Dorfgrenze. Da kam auch nach 20 m Bohrtiefe überhaupt nichts Flüssiges aus dem Untergrund. Peter finanzierte eine dritte Bohrung, wiederum auf dem Buddhatempelgelände an anderen Stelle. Das führte dann zum Ziel. Nun hatte man mitten im Dorf einen Nutzwasserquelle.

Peter war ja in früheren Jahren auch schon einmal Installateur gewesen, bevor er ins Computerbusiness eingestiegen war. Diese Fachkenntnisse setzte er nun ein und organisierte den Ausbau des Leitungsnetzes im Dorf. Alle kamen, Kinder, Frauen, Männer, ausgerüstet mit Schaufeln und Hacken, und zogen Gräben für die Aufnahme der blauen Leitungsrohre. Peter fuhr mit dem Kleinbus nach Thakek und besorgte alles - auf eigene Kosten. Dem Dorfvorsteher baute er dann noch einigen Wasserkomfort ein: eine Geschirrspüle wurde für die Frauen in der Küche installiert, und schuf er auch noch ein System aus schwarzen Plastikrohren, die der Gewinnung von warmem Wasser dienten und am Ende uns sogar das Warmduschen erlaubte. Ein Komfortsprung ins 21. Jahrhundert!

Am Ende bedankten sich alle Dorfbewohner mit einem großen Fest für uns. Wir bekamen Freundschaftsbänder um die Arme gebunden, als Männer bekamen als Geschenke Sets aus 2 Eier und Bananen (was das wohl für eine Bedeutung haben sollte?), tranken LaoLao-Schnaps und sanken irgendwann müde auf unser Lager im Buddhatempel. Peter bekam vom Dorfvorsteher einen Spendenquittung für das Finanzamt für die bezahlte Gesamtsumme. Bei seinem Steuersatz bekommt er ja mindestens die Hälfte wieder aus Steuermitteln zurück!

     
      
Die  Bohrung
Graben der Wasserleitung
Dankesfest

Zwei Bilder von Peter aus der Höhle:

 

Literatur:

   

Links:

Pha Soung, Khammouane, Laos

Karst und Höhlen in der Provinz Khammouane, Laos


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