Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Niah Caves, Borneo, Malaysia


Great Cave, Niah NP, Borneo, Malaysia

Painted Cave im Niah NP, Borneo, Malaysia


Rund 100 km von Miri, der "Ölstadt" Sarawaks, entfernt liegen die Höhlen von Niah. Sie befinden sich im gleichnamigen Nationalpark, der eine Fläche von 31,4 km² umfaßt. In ihm ist der aus Miozänkalken (Alter 16 bis 20 Millionen Jahre) aufgebaute Gunong Subis, gerade einmal 394 m hoch. 

Mehrere Höhle gibt es dort. Die Niah Great Cave hat einen Eingang von 170 m Breite und 70 m Höhe. Es gibt noch 6 weitere Eingänge. Die Gesamtganglänge beträgt 3,5 km. In der Höhle nisten die Höhlenschwalben, die Salaganen, und die Nester von ihnen werden seit Jahrhundeten von den Menschen "geerntet". Der Guano aus der Scheiße der Fledermäuse wird auch genutzt als wertvoller Dünger. 

Noch mehr Höhlen können dort besucht werden, z.B. die Kain Hitam, die "Bemalte Höhle". 

Die Höhlen standen auf meiner Liste der Höhlen, die ich im April 2017 besuchen wollte. Wegen der excessiven Beschränkungen, die einem in Mulu auferlegt werden, entschloß ich mich, dort den Aufenthalt zu verkürzen und lieber 4 Tage in Niah zu verbringen. Das war ein Glückstreffer und ich würde das gleich wieder so machen.

Das steht im Kontrast zu einer Meinung, die im LONELY PLANET Führer wiedergegeben wird: Wer vorhat, nach Mulu zu reisen, der kann sich Niah sparen. Sagen und schreiben kann man (fast) alles. Papier ist ja geduldig. Ob das, was da steht, die Druckerschwärze wert ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Ich fand, daß sich der Besuch der Höhlen von Niah auf jeden Fall gelohnt hat, alleine schon als sehr wohltuender Kontrast zu dem überregulierten Nationalpark in Mulu. Das zeigt sich schon an der Organisationsstruktur. 

Hier ist die Forstverwaltung der Verantwortliche und kann es sich leisten, nicht zu schauen, daß möglichst viel mit dem Betrieb verdient wird. Mulu ist an eine private Gesellschaft verpachtet, die schaut, daß möglichst viel Geld damit verdient wird. Das hat sicherlich auch positive Aspekte, wie der Blick auf die Arbeitsplätze und ein zielgruppenorientiertes Angebot. Aber die "Freiheit" ging damit leider baden. Alles ist reguliert, strukturiert und wird auch kontrolliert. 

Ganz anders in Niah. Es ist auch da nicht ganz einfach hinzukommen. Nach meiner Landung in Miri versuchte ich zum Ausgangspunkt des Buses in Richtung Niah zu kommen. Das ist in Asien öfters ein Problem. Denn die Busbahnhöfe wurden an vielen Stellen gebaut, die kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Das private Transportgewerbe hat da seine Finger drin. Man muß da nur den Busbahnhof von Bangkok, Thailand, anschauen, Mochit, oder so einen kleinen Umschlagpunkt wie in Thakek in Laos. Der Busbahnhof in Miri liegt auf genau der anderen Stadtseite wie der Flughafen, so daß man viele Kilometer ziemlich umsonst zurücklegt, ehe man da ankommt, wo man eigentlich hinwill. Bei der Rückfahrt habe ich mir dieses Wissen zu nutze gemacht und bin lange vorher ausgestiegen, nämlich beim Flughafen, den man direkt passiert hat.

Eine freundliche Stadtführerin hielt am Straßenrand, fragte, wo ich hin wolle und brachte mich direkt dorthin, nach einer kleinen Zwischenszene in einer Bank im Stadtzentrum, wo sich wieder die selbe Schauerszene vor dem ATM abspielte, wie an all den anderen Geräten: "rejected"' kam da nur als Antwort auf die Eingabe meiner POSTBANK VISA-Karte in den kleinen Schlitz.
Hat man einmal den Busbahnhof erreicht, dann hat man das Ärgste hinter sich. Ständig fahren luxuriös ausgestattete Busse auf der Route in Richtung Kuching - und das zu einem kaum glaubhaften Preis: 10 Ringit. Dafür bekam ich im Cafe Mulu nicht einmal ein TIGER! Über 100 km wurde ich da kutschiert durch die moderne Landschaft Borneos. Von Natur ist da kaum noch was zu sehen, eher von den vielen Palmenplantagen, die da entstanden sind und nun am Produzieren sind. Die alte Straße wird umgebaut und durch einen vierspurigen Highway ersetzt. Überall Baumaschinen. 

In Niah Junction mußte ich aussteigen und mich neu orientieren. Um den Hunger zu stillen, ging ich erst einmal in ein hangarähnliches Gebäude voller kleiner Geschäfte und Restaurants. Am Ende landete ich in einem kleinen Foodshop, wo ich meine "vegetables with rice" bekam. Wie würde es weitergehen? Ein Taxifahrer bot sich an, ich fragte nach dem Preis, er meinte 30 Ringits, ich zögerte, ging weiter, der nächste verlangte nur noch 25. Den nahm ich und kam bald darauf im Nationalparkzentrum an. 

Der Unterschied zu Mulu ist frappant. Alles läuft viel viel ruhiger. Eine junge Dame genügte für den Empfang. Ich kaufte für 20 Ringits eine Eintrittskarte, die für den gesamten Zeitraum meines Aufenthalts galt. Ich fragte nach Unterkunft und bekam ein Bett im "ashrama 2" zugewiesen. Das war einer der vielen sehr stilvoll gestalteten Pavillions, die es auf dem Gelände jenseits des Flusses gab. Um in den Park zu gelangen, mußte man erst einmal übersetzen mit einer Fähre, was immer ein 1 Ringit kostete. "Don't pay the ferryman" fiel mir wieder ein, ein Lied von Chris de Burgh. Der freundliche Herr am Ruder hielt sich an die Regel und nahm erst auf der anderen Seite immer den Geldschein an. Ein negativer Unterschied zu Mulu war die Versorgung mit Essen. Es gab zwar eine "canteen", aber die war immer leer, kein Wunder, denn es waren ja praktisch keine Gäste da. So saß ich tagelang morgens und abends alleine in dem weiten Saal und versuchte, etwas auch für mich Essbares zu bekommen. Am Ende war das immer "fried rice with vegetables", aber ich war zufrieden, daß es wenigstens das gab. An Bier war gar nicht zu denken.

 

Beim Höhlenmuseum
> Die "Ashrams" für die Übernachtung

Neben den beiden sehr bekannten Höhlen, der Great Cave und der Painted Cave, gibt es noch mehrere andere Höhlen im Park. Auf MAPS.ME sind noch zwei weitere private Guanohöhlen eingetragen und eine weitere ohne Namensangabe. Tatsächlich gibt es drei leicht zu findende Guanohöhlen, deren Betreten allerdings mit allen Mitteln versucht wird zu verhindern. Es führen massive Stiegenhäuser aus Holz die Wände hinan und sobald man den Eingang zu Gesicht bekommt, da versperrt einem ein massives Eisengitter den Weg, stacheldrahtumwickelt. 

Ich habe bei meinen Streifzügen durch das Gebiet noch mehr Höhlen gefunden, eine Lageangabe dazu zu machen, das ist schlicht nicht möglich. Das Gelände ist viel zu unübersichtlich und austauschbar. Wegen des Mangels genauer Karten läßt sich meist auch nur raten, wo man gewesen ist. Da helfen auch die genialen Bilder von Google-Earth nicht. Man sieht ja hauptsächlich nur, daß alles vom Wald bedeckt ist. Schon die kleine Bäche und Flüsse, die gut der Orietierung dienen könnten, verschwinden unter dem Blätterdach.

Wieviele Höhle es hier wirklich gibt, wer weiß das schon. Es scheint noch nicht viel systematisch hier gearbeitet worden zu sein. Das Wilford-Buch aus dem Jahre 1964 ist noch immer ein Standardwerk darüber, enthält aber auch nur wenig über die vielen anderen Höhlen in diesem Raum.

Mangels brauchbarer Informationen habezwei der von mir besuchten Höhlen die Arbeitstitel "Grafittihöhle" und der anderen "Windhöhle" gegeben. Nirgends war ich der erste, sondern überall waren Spuren von Vorgängern auszumachen. Insbesondere in der Grafittihöhle war das der Fall. Sie liegt direkt bei einem schmalen Pfad, der einem Flußlauf folgt, der sich unterhalb einer hohen überhängenden Felswand entlang schlängelt, und rot-weiß markiert ist. Zuerst ist da nur ein hoher Spalt da, den man aufwärts verfolgen muß. Tageslicht von oben zeigt, daß es noch mehr Eingänge gibt. Man kommt in Horizontalsystem von Gängen, das sich verzweigt. Man sieht, daß manche der Gänge später auch wieder verfüllt worden sind und wieder ausgeräumt wurden. Da ich alleine war, habe ich nur die einfachst zugänglichen Teile besucht. Viele Grafittis "schmückten" die Wände. Vielen Besuchern scheint es am wichtigsten zu sein, seine Intialen in die Wände zu kritzeln. Wer hat das was davon? Das eigenen kleine "Ich", das sich da endlich an einer Felswand ausdrücken darf als Buchstabensalat, den keiner wirklich versteht? Viel verständlicher war die eindeutig erotische inspirierte Zeichnung eines weiblichen Akts mit geöffneten Schenkeln und einem Penis, der sich dort hineinschiebt. Und die Zeichung befindet sich an prominentester Stelle, unübersehbar an der Zugangsstelle zum Horizontalsystem. Müßte man so etwas nicht gleich unter "Kunstschutz" stellen? 

Auf eine zweite spannende Höhle stieß ich, als ich einmal nicht dem Hauptweg von der Bootsanlagestelle in Richtung Niahhöhlen ganz folgte, sondern dem Abzweiger nach rechts in Richtung "Bukit Kasut" folgte. Das ist einer der wenigen Aussichtspunkte im Park, der erst erklommen sein will. Im obersten Teilstück erleichtern Seile und Leitern den Aufstieg, allerdings war er zum Zeitpunkt meines Besuchs im April 2017 gesperrt, weil durch Unwetter große Verwüstungen angerichtet worden waren und noch nicht alles wieder repariert war. Kurz bevor man sich endgültig von den gebahnten Wegen verabschiedet und es ins nur noch schwierig zu bewältigende Gelände übergeht, kommt ein großes hölzernes Stiegenhaus, das wohl auch zu einer privaten Guanohöhle hochführt. Etwa in der Mitte ist ein Schild, das nach rechts zum Abzweigen auffordert, wenn man zum Aussichtspunkt will. Wenn man beim Stiegenhaus bliebt, dann geht es noch ein wenig nach oben und dann nach links. Da gab es einmal einen kurzen Holzbohlenweg, der allerdings auch schon im Verfall begriffen ist. Folgt man dem bis zum Ende, dann kommt man zu einem weiten Höhlenportal, wo es ziemlich unübersichtlich wird. Überall öffnen sich Löcher ins Schwarze. Ich habe nur eine Stelle untersucht. Nischenförmig ging es nach hinten, dann schlossen sich die Felsen bis auf einen schmale Pforte, aus der kräftiger Wind strich. Ich paßte durch und jenseits davon wurde es gleich wieder größer. Ein hoher spaltenförmiger Gang tat sich auf vor mir. Über einen Sinterrampe galt es abzusteigen, was, wenn man sehr vorsichtig, war, möglich war. Tropfsteingebilde links und rechts, schön farbig. Grafittis an den Wänden - was zeigt, daß schon viele andere hier waren. 10 m weiter ging es noch einmal nach unten, ein Seil zum Festhalten wäre gut gewesen, unten verdoppelte sich die Höhe des Ganges, die dann schon bei 20 m liegen dürfte. Ein Ende war nicht auszumachen, eher das Gegenteil. Das sind die Momente, weshalb ich immer noch in die Höhlen gehe - um dem Unbekannten ein paar Schritte näher zu sein. Einen amtlichen Führer dabei zu haben, der mir alles "erklären" will, der genau schon den Weg kennt, der die Garantie sein soll, daß alles gut und sicher abläuft, das ist genau das nicht, was ich in den Höhlen suche. Das war das genaue Kontrastprogramm zu "Mulu", wo einem jegliche eigene Regung leider verboten wird, wenn sie nicht ins angebotene Konsumprogramm paßt.

Umgebung des Eingangs zur "Grafittihöhle"
"Grafittihöhle"
Private Guanohöhle
Die "Windhöhle"
Schlange oder Wurzel? 

Bevor man drauftritt, empfiehlt es sich kurz diese Frage zu prüfen!

 

Literatur:

Harrison, Tom The Caves of Niah. A History of Prehistory, Sarawak Museum Journal 8, Kuching 1958, 549-595
Harrison, Tom The caves of Niah, Sarawak Museum Journal 2,13/14, 1959, 134-185
Pröstler, Wolfgang Karstgebiete und Höhlen in Sarawak, NHG Mitteilungen, 30, Nürnber 1987, S. 22ff.
Wilford, G.E. The Geology of Sarawak and Sabah Caves, Geological Survey, Borneo Region, Malaysia, 1964

Links:

http://www.abc.net.au/science/slab/niahcave/default.htm
https://www.journeymalaysia.com/MR_niahnationalpark.htm
http://www.borneo.com.au/sarawak/sarawak-tours/myy3
https://www.britannica.com/place/Niah-Cave
http://www.theborneopost.com/2012/03/17/swiftlet-numbers-dwindling-in-niah-caves/
https://www.world-archaeology.com/features/niah-cave-sarawak-borneo.htm
https://ojs.zrc-sazu.si/carsologica/article/viewFile/634/588
http://niahcavemiri.blogspot.de/
https://www.sarawakforestry.com/htm/snp-np-niah.html

Landschaft und Höhlen auf Borneo, Malaysia


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