Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf Borneo, Malaysia


Der erste und der zweite Blick von Flugzeug aus auf Borneo


"Borneo ist ein einziger riesiger Wald." O'Hanlon 20


Landschaft und Höhlen im Gunung Mulu National Park, Borneo, Malaysia

Niah Caves, Borneo


Borneo ist Asiens größte Insel mit einer Grundfläche von 751.936 km². Im Weltmaßstab ist sie die Nummer 3 nach Grönland und Neuguinea.

Drei Staaten haben an ihr Anteil: Brunei und Malaysia und Indonesien, wo sie als Kalimantan bezeichnet. wird.

Die höchste Erhebung ist der Mount Kinabalu mit 4.095 m im Nordosten der Insel.  Er liegt in der langen Bergkette, die sich vom Nordosten der Insel bis zur südwestlichen Spitze erstreckt.

Borneo liegt am Äquator und ist dementsprechend warm-feucht mit einer Durchschnittsemperatur von 27° an den Küsten. Heftige Regenschauer gehen oft herunter und bringen es auf eine Niederschlagsmenge von stellenweise über 5000 mm in den Berggebieten im Jahr (Vergleichswert München 944 mm, Hamburg 800 mm).

Höhlen gibt es auf Borneo an vielen Stellen und sie sind, zumindest den Einheimischen, schon sehr lange bekannt. Vor 40.000 Jahren sollen schon Menschen in den Niah Caves gelebt haben, was bedeutet, daß dort nach heutigem Kenntnisstand dort die früheste Siedlung in Südostasiens gewesen ist. Die dort lebenden Menschen haben schon von Anbeginn an Höhlen aufgesucht. Dort fanden sie Wasser, Nahrung, nicht zuletzt die berühmten "Schwalbennester",  auch Schutz vor dem Wetter, den "Feinden".

Was wir heute als "Höhlenforschung" bezeichnen begann erst spät. 1841 kam ein James Brooke dorthin und errichtete seine Herrschaft. Europäische Forscher wie Posewitz, Everett, Hose und Allard kamen und erforschten einige Höhlen unter ihren speziellen Blickwinkeln, sei es nun ein archäologischer, zoologischer oder geologischer. Ein Markstein war das Werk "The Geology of Sarawak und Sabah Caves" des Engländers G.E. Wilford, das die wesentliche Anregung für künftige Höhlenforschungen in diesem Gebiet lieferte.

Eine klassische Expedition nach Borneo fand 1977-78 statt, als die Royal Geographicla Society ein solches Unternehmen in das Gebiet des Mount Mulu organisierte. Der Erfolg war nicht zu überbieten. Eines der bedeutendsten Höhlengebiete der Erde war damit "gefunden". 

Ein Blick in die Liste der größten Höhlen der Erde (http://www.caverbob.com/wlong.htm)  ergibt im März 2017 folgendes Bild - in Bezug auf Borneo:

8 The Clearwater System (Gua Air Jernih)   Malaysia Sarawak Mulu 133.804 215337 1165 355.1 Hugh St.Lawrence e-mail
20 Benarat Caverns System  (lubang Benerat)  Malaysia Sarawak Mulu 31.484 50669 381 116.0 Tim Allen e-mail
89 Terikan System (Rising, East, West) Malaysia Sarawak Mulu 20.240 32573 0 0.0 Matt Kirby e-mail
124 Green Cathedral/Turtle Cave System Malaysia Sarawak Gunung Buda 16.759 26971 997 304.0 NSS News V62N8P225
172 Black Rock Cave Malaysia Sarawak Mulu 13.981 22500
270 Cloud Cave - Cobra Cave - Bridge Syste Malaysia Sarawak Mulu 10.019 16124 1083 330.0 Matt Kirby e-mail

Im Bundesstaat Sabah an der Nordspitze Borneos gibt es viele schon bekannte Höhlen wie Madai und Baturong. Am bekanntesten dürften die Gomantong Caves wegen ihrer Vogelnester sein.

Im angrenzenden Bundesstaat Sarawak mit seiner Hauptstadt Kuching liegen ganz in der Nähe die Bau Caves. Am berühmtesten ist heute der Mulu National Park mit seinen riesigen Höhlen. In der Fortsetzung davon liegt das Gebiet des Gunung Buda. Dort konnte die bislang tiefste Höhle Malaysia gefunden werden, die Gua Kulit Siput mit - 470 m.Von Miri aus, dem Ort, von wo man in Richtung Mulu starten kann, sind auch die Niah Caves erreichbar, die auch ein hochgelobtes Naturwunder darstellen.

In Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneo, wurden inzwischen auch schon viele Höhlen von Expeditonen aus Frankreich, England und weiteren Ländern entdeckt und erforscht. Besonders konzentriert findet man sie in den Meratusbergen an der Südostspitze Borneos und in der Region Sambaliung. 


Typisches Bild für das "moderne Borneo" - kein Naturwald mehr, nur noch Plantagen mit Kokospalmen, außerdem wird im Vordergrund gerade eine vierspurige Autobahn in die Landschaft gebaggert


Malaria

Was bringt man mit von einer Reise in ein fernes Land? Erwünschtes und Nichterwünschtes! Erinnerungen und Erlebnisse. Überraschendes und vielleicht Vernichtendes! Und vieles, das man morgen bessen schon wieder vergißt. Manchmal bringt man auch Dinge mit, von denen man erst einmal keine Ahnung hat und die einen dann, wenigstens für Momente, in den Vorhof des Todes schauen lassen. 

Das ging mir so, als ich nach Borneo gereist bin Anfang April 2017. Spontan entschieden, Flüge schnell gefunden, Reise durchgeführt, gesund wieder heimgekommen. Seltsam prophetisch hatte ich gesagt: Das Wichtigste ist im Grunde, daß ich gesund wieder heimkomme. Zu bescheiden? Gesund wieder auf dem Flughafen stehen, auch wieder gut mit der S-Bahn heimkommen. Die Reisetasche und den Rucksack abstellen - dann ist alles ok?

Äußerlich war alles in Ordnung. Ich verbrachte fast zwei ruhige Wochen. Ich wurde aber immer müder. Bei einem Seminar am Wochenende am Starnberger See wurde das Schlafbedürfnis, die Appetitlosigkeit, die Antriebsschwäche immer größer. Schlafen half einfach nichts. Am Donnerstag danach suchten ich meinen Hausarzt auf, der nahm eine Blutprobe und Stunden später bekam ich seinen Rückruf. Ich solle so schnell als möglich ins Tropeninstitut in München. Starker Verdacht auf Malaria. Ich wurd von Michael Laentzsch, Höhlenforscherfreund und Nachbar, gleich in die Stadt gebracht. 

Eine halbe Stunde später begann die "Schlacht". Mit 4 kleinen Tabletten. RIAMET. Am Ende scheint alles ganz einfach. Schlacht gewonnen. Hoffentlich.

Was ist da abgelaufen. Irgendwo in Borneo hat mich eine weibliche Anopheles-Mücke gestochen. Wo das gewesen ist, darüber kann ich nur spekulieren (im Niah-Nationalpark?). Dabei hat sie mehrere hundert Sporozoiten in mir abgesetzt, die dann im Blutstrom in meine Leber transportiert wurden. Ich wurde zum Wirtstier. Dort drangen sie in mein Lebergewebe ein und reiften zu Leberschizonten heran. Sie mehrten und mehrten sich, bis bis zu 30.000 Merozoiten in mir wohnten. Der "Schizont" löste sich auf und gab all die entstandenen Merozoiten in die Blutbahn frei. 

Was man heute nicht alles weiß! Die Merozoiten heften sich an "Rezeptormoleküle von roten Blutkörperchen", dringen in sie ein und sind dann innerhalb einer "membranbegrenzten, parasitopharen Vakulole" eingeschlossen. Dort reifen sie zu einem "Trophozoiten" und dann zu einem "Schizonten" heran. Immer mehr Schizonten entstehen, daraus werden dann "Merozoiten". Durch ihre große Menge führen sie zum Platzen des "Erythroyten" und zu dessen Verteilung im ganzen Blutplasma. Die Umwandlungszyklen werden regelmäßig, einige Formen entwickeln sich noch weiter zu "Gametozyten", die man dann im Blut wiederfindet. Die sterben aber wieder, wenn nicht wieder eine Anophelesmücke zusticht und sie aufnimmt. Ansonsten sterben sie von selber. 

Als "Wirtstier" macht man einiges mit. Typischerweise bekommt man Fieber, Schüttelfrost und Schweißausbrüche. Das steigert sich und ist höchst gefährlich. Bis hin zu "zentralen Komplikationen" und "Koma". "Bewußtseinsstörungen" seien eine typische Komplikation von Malaria tropice, die ich wohl gehabe habe. Die "langsame Eintrübung" des Patienten sei typisch, Lähmungen und Krampfanfälle würden oft auftreten. Entscheidend ist die Zahl der Parasiten, kleine einzellige Lebenwesen", die nur von einem Leben, nehmen, ohne irgend etwas zu geben, ist entscheidend. Die Milz vergrößert sich, weil dort die Trümmer der roten vernutzten Blutkörperchen abgebaut werden müssen, was bis zur Sprengung der Kapsel führen kann. In 10 Prozent der Fälle wird die Lunge miteinbezogen, was bis zu einem Lungenödem führen kann. Wenn die Nieren zu sehr belastet werden, können auch sie versagen. 

Zwischen dem Stich und dem Ausbruch der Krankheit liegt einen Inkubationszeit von "12 bis 18 Tagen", es kann aber auch mehrere Monate dauern. Da hat meine Krankheitsprozeß genau hineingepaßt. 

Tpyischerweise tritt Fieber auf, das ja einen Abwehrprozeß des Körpers gegen die Eindringlinge zeigt. Ich mußte erst einmal nachschauen, was denn die Normaltemperatur eines Menschen sein soll. Beim Messen hatte ich 38 Grad festgestellt. War das schon "Fieber"? Beim Menschen seien das 36,0 bis 27,2 Grad. Im Verlauf der Therapie sank die Temperatur schnell auf 36,5 Grad, dann auch noch weiter herunter. Ich konnte das nur positiv deuten und wie sich jetzt gezeigt hat, war es das ja auch. 

Ich habe es wohl überstanden. Für Momente war das wie ein Blick einen schwarzen Abgrund, der da düster vor mich lag. Ein Angriff durch viele viele Killerzellen, in einer Dimension, die durch uns normale Menschen nicht erreichbar ist, viel viel zu klein dafür. Und eben doch vorhanden. Lauter winzige parasitäre Einzeller, die einfach nur fressen und überleben wollen und mich dazu benützen. wollen. Und mich dabei innerlich "auffressen", meine lebensnotwendigen roten Blutkörperchen "aufessen" und die Reste davon wieder in mein Innensystem "hineinscheißen". Ich, ein großes Höhlensystem in dem sich Dinge abspielen, die an "Starwars" in Innern der Blutbahnen erinnern können. Und wenn sie einmal wirklich "viele" sind, hilft nichts mehr. Dann geht es hinunter. Es gilt, so schnell als möglich, die Zahl der Gegner auf Null zu bringen, ansonsten ist es vorbei mit einem. 
Vielen Dank an das Team im LMU Klinikum. Sie haben wirklich mein Leben gerettet mit der richtigen Handlung am richtigen Ort zur richtigen Zeit. 

Könnte ich so etwas in Zukunft verhindern? Ja, z.B. in dem ich nicht mehr in die Tropen fliege (man liest aber schon davon, daß es in Europa erste Malariaanstreckungsgegeben habt, wieder, in Griechenland). Daß ich die "Malariaprophylaxe" mache wie so viele andere. Denen es dann hundsmiserabel dabei wurde wegen der Nebenwirkungen - und die letztlich dann doch keinen 100igen Schutz haben, weil es den nicht gibt. Man kann dann halt sagen, "Ich habe was getan." Mehr nicht. Mehr Sprühen, nur noch in Moskitozelten schlafen. Das kann alles umsonst sein, irgendwo hockt vielleicht schon die Mücke, die auf einen wartet. Es ist wie so oft, wer dem Unglück immer ausweichen will, der läuft vielleicht dahin, wo es schon lange da ist und man nur noch vorbeizukommen braucht. Wie hat nicht einmal Goethe äußerst treffend formuliert: "Es irrt der Mensch, solang er strebt." Das heute keine dominanate Maxime, da ja gerne verbreitet wird, die Ziele seinen am besten auf geradem Wege zu erreichen, aber, wie auch dieses Beispiel zeigt, früher hat man einmal gesagt: "Das Schicksal nimmt seinen Lauf." Ob wird das nun wollen oder auch nicht.

Link zu Malaria:

http://prod.netdoktor.de/krankheiten/malaria/


Literatur allgemein:

Grote, Christian Alter Ort am Fluß, Süddeutsche Zeitung Nr. 6, 9./10. Januar 1982, S. 83
O'Hanlon, Redmond Ins Innere von Borneo, dtv, 5. Auflage 200
Robinson, Daniel et al. Borneo, lonely planet, 3. Auflage 2013

Literatur speläologisch:

Balazs, Dénes Karst Regions in Indonesia, Karszt- A Barlangkutatàs V (1963-67), 1968, 3-61
Chabert, Claude Itineraires indonesiens (4e partie) DEUX ZONES KARSTIQUES DE KALIMANTAN TIMUR; grottes & gouffres 1996 - Juni 1985, p3ff.
Checkley, Dave Eat your heart out Raiders of the Lost Ark, Caves & Caving Summer 1995, p 20ff
Fage, Luc-Henri Bornéo. La mémoire des grottes, Fage éditions, Lyon 2009
Fage, Luc-Henry Les dayaks se cachent pour mourir, Speleo n° 17 1994, p 1ff
Fogg, Pam Mud, sweat and caves, DESCENT (134), 1997, p 24ff
Fogg, Tim Caves of Kalimantan, Caves & Caving Winter 1996, p 17f
Fritsch, Erhard Kalimantan, Höhlenkundliche Mitteilungen Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich 1/1994, S. 10ff.
Krügel, Anton, Raschko, Herbert
Borneo, herausgegeben vom Landesverein für Höhlenkunde in Wien und Niederösterreich, 2006
Meredith, Mike, Woolridge, Jerry, Lyon, Ben Giant Caves of Borneo, Tropical Press, Kuala Lumpur, 1992
ohne Verfasserangabe A LIGHT-WEIGHT CAVING EXPEDITION TO BORNEO, Oxford Univeristy Caving Club, 11-1984, p 50ff
Pröstler, Wolfgang Karstgebiete und Höhlen in Sarawak, NHG Mitteilungen, 30, Nürnber 1987, S. 22ff.
Wilford, G.E.  The Geology of Sarawak and Sabah Caves, Geological Survey, Borneo Region, Malaysia, 1964

 

Links allgemein:

http://www.mymalaysiaparadise.com/borneo

http://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/borneo-und-sumatra/

http://www.pbs.org/edens/borneo/awesome.html

http://www.malaysia-traveller.com/top-sarawak-attractions.html

https://sarawaktourism.com/

www.borneo.com.au

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/MalaysiaSicherheit.html?nn=332636

http://www.geld-abheben-im-ausland.de/geld-abheben-in-malaysia

Links speläologisch:

http://www.searchanddiscovery.com/pdfz/documents/2012/50755hoggmascall/ndx_hoggmascall.pdf.html

http://www.cavesofmalaysia.com/

http://www.pwpconsult.com/buda.site/

http://www.kuchingcaving.com/

http://www.kalimanthrope.com/

http://www.borneo.com.au/sarawak/sarawak-tours/kch6

http://www.etawau.com/PlacesInterest/MadaiCaves.htm

http://www.amazingsabahborneotravel.com/caves/baturong-cave-tingkayu-lake.php

https://sarawaktourism.com/attraction/bau-history-and-caves/

Links speläologisch / photographisch:

Borneo / Photos von Rainer Straub

http://www.philippe-crochet.com/fr/galerie/cavites-du-monde/details/103/mulu-borneo-avril-2013 / Photos von Philippe Crochet

You-Tube-Video:

http://time.com/4160913/china-edible-birds-nests-malaysia-indonesia-asia/



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