Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf

MALTA


Azzurre Window, Irmtraud Pretterer, 2006


Ghar Il-Kbir bei der Clapham Junction / Buskett Gardens
Lochsteine auf Malta


Jahrelang hatte ich an der Berufsschule für Spedition und Touristik in München im Englischunterricht Malta als Fokus für eine Region der Erde genommen, wo es sehr ähnlich wie in England zugeht, "the food is English, they speak like the English, they drive like the English", die aber ein wesentlich sonnigeres Klima aufweist. Jetzt wollte ich es selber auch einmal kennenlernen. Von Bill Cambell, meinem früheren Englischlehrer, hatte ich den Spruch gehört: "You either love it or hate it".

Dann hatte ich vor vielen Jahren einmal im "Erfahrungsfeld der Sinne" von Hugo Kükelhaus, das gerade in Salzburg für einen Sommer sein Domizil aufgeschlagen hatte, den Summstein erlebt.

Der Summstein, nicht mehr in Salzburg, 1998 in Nürnberg Michael in einem dieser ausgehöhlten Steine

 

"Das war ein Erlebnis, da zutiefst in mir Wirkungen hinterlassen hat. Man steckt seinen Kopf in ein Loch und beginnt zu summen. Das vibriert unglaublich und gibt viel, viel zum Spüren. Kükelhaus schreibt in der Erläuterung zu diesem Steinquader, daß es auf Malta ebenfalls solche Steine geben würde, und von da hat er wohl die Anregung gehabt. Allerdings habe ich noch nirgends irgendwo sonst dieses faszinierende Phänomen erwähnt gefunden. Da muß ich wohl selber hin, um mir das anzuschauen.

Und es gibt ein paar Höhlen dort, in der Landschaft, die von den "flat-topped hills" geprägt ist. Groß sind sie nicht, aber mindestens einmal ansehenswert, weil halt auch sie einmalig sind." (Internettext Ende Mai 1999)

7. Mai 1999: Wir sind zurück aus Malta. Froh bin ich, daß wir wieder da sind. Wie schön es doch bei uns ist. Wie grün, wie feucht, wie ruhig, wie gutes Essen es hier gibt, wie es sich hier schön leben läßt.

Ferienziele - Traumziele? Urlaub - die schönste Zeit des Jahres? Nach unserer Maltareise sind solche Fragezeichen nach den Aussagen sehr, sehr angebracht. Lag es am Veranstalter? FTI - Frosch Reisen International. Der Flug war einwandfrei, außer den Aussprache des Piloten von "Malta" - man sagt eher "Molta", nicht "Malta" auf englisch. Keine zwei Stunden später setzten wir schon in Luqa, dem Hauptflughafen, auf. Alles flach rundum. Hellgelbe Farbe überall. Starke Hitze. Reibungslose Abfertigung. Ein Empfangsteam von Frosch erwartete uns, teile die Menge auf die verschiedenen Busse auf und brachte uns zur Unterkunft.

Da fing es dann an. In Buggibba, einem der völlig auswechselbaren Urlaubsorte an der St. Pauls Bay, wurden wir vor dem Hotel Carolina abgeladen. Gebucht hatten wir es ja. Drinnen, angenehme kühle Atmosphäre wegen der leistungsstarken Klimaanlage. Anmeldung, Schlüsselübergabe. Dritter Stock. Zimmer 320. Aus. Dunkelhaft für Urlauber. Zwei "Fenster" öffneten sich nach links und rechts. Nur wenig Licht drang von außen herein. Blick nach draußen? Wir waren gefangen zwischen zwei Lichtschächten, die von weit oben ein bißchen Tageslicht hereinließen.

Blick aus dem Hotelzimmerfenster, mit Blitzlicht aufgehellt

Blick aus dem Hotelfenster nach draußen / in diesem Fall drei Stockwerke nach oben / richtig etwas für Höhlenforscher, aber kaum etwas für sonnenhungrige Urlauber

In dieser Dunkelkammer konnte man es nicht lange aushalten, weshalb wir schnell nach oben aufs Dach zum hoteleigenen Swimmingpool flohen. Von dort hat man einen guten Blick auf die Umgebung. Das Schönste war noch der blaue Streifen des Meers. Überall sonst sah man aber nur Häuser, weiß-gelblich, ein Meer an Fernsehantennen. Das war es. Abends war das Essen auch keine kulinarische Eröffnung. 3 Gänge: "Soup" or "Salad" - Vorspeise, "Potatoes" +... - Hauptspeise, die Nachspeise ließen wir nach 3 Tagen gleich ausfallen, immer das gleiche, "ice" or "pudding".. Meine Kinder wurden zu Stammkunden beim McDonalds unten am Strand. Wenn wir so ein Sonderangebot gebucht gehabt hätten - eine Woche Malta für 299 DM incl. Flug, dann müßte man so etwas wohl hinnehmen, aber so war es ja nicht. Mehr als 2.500 DM hat uns dieser Trip im Reisebüro schon gekostet, wert war er keine Tausend.

Ein Blick vom Dach des Hotels auf die "schöne Umgebung" - das Gesamtbild zeigt zwei Weitwinkelaufnahmen, unmittelbar aneinander gesetzt ... Häuser, Häuser ... da hätte man eine 360°-Aufnahme machen können. Es wäre nicht viel anderes zu sehen gewesen.

Die Republik Malta besteht aus 3 Hauptinseln: Malta, Gozo und Comino. Sie bestehen alle aus Kalkstein, vorwiegend Globerinenkalk, "glatt, gelb, feinkörnig und sehr lösungsfähig" (Leander Tell). Er wird in großem Umfang abgebaut und entweder gleich als Baustein verwendet oder zu Sand verarbeitet, um dann zu Beton weiterverarbeitet zu werden. Ganze Zonen im Südteil von Malta sehen wie eine Kraterlandschaft aus, wo entweder aufgelassene Steinbrüche ein stilles Leben jetzt führen oder in den Gebieten mit aktivem Abbau, die Maschinen brummen und die Lkws das Baumaterial zu den vielen Baustellen auf der ganzen Insel bringen. Irgendwo dazwischen gibt dann noch ein paar Fleckchen "heiler Erde", wo wilde Karrenflächen noch zu sehen sind und sich gelegentlich auch ein Höhlchen auftut.

Groß sind sie nicht, die Höhlen Maltas. Die längste, Ghar Hasan, an der Südostecke Maltas in einer ca. 100 m hohen Steilwand, die zum Meer abfällt, gelegen, ist 390 m lang. Die G.S. Imperiese CAI hat sie 1990 auf einer Expedition dorthin vermessen. Sie ist leicht zu finden, weil überall ausgeschildert. Vom Parkplatz über den Klippen sind es noch 2 Minuten auf gesichertem Weg hinunter zum Portal. In einem kleinen Häuschen saß auch gleich eine alte Frau und bot uns eine Taschenlampe für Geld zum Ausleihen an - eine typische Erscheinung im Malta. Überall wartet schon jemand auf einen und bietet gegen ein paar Lm (Malta lira) seine Dienste an - das wird spätestens beim dritten Mal auch eher lästig. Ghar Hasan besteht aus einer Reihe horizontaler Tunnelgänge, die meist aufrecht begehbar sind, immer mal wieder abknicken und untereinander verbunden sind. Ein Teil war mal abgegittert, ist aber heute aufgebrochen. Die Gänge führen an zwei weiteren Stellen auch wieder ins Freie und bieten reizvolle Ausblicke aufs Meer. Die Sage erzählt, daß sich ein Prinz Hasan mit seinem Harem gelebt hätte. Als er von Christen dort entdeckt worden sei, habe er sich auf der Flucht vor ihnen mit seiner Lieblingsharemsdame in den Tod hinab ins Meer gestürzt. Wer heute hingeht, wird solche romantischen Gefühle nur schwerlich in sich aufkommen fühlen, denn allein der Geruchssinn sendet einem Signale, die einen zurückholen in die Wirklichkeit. Die Höhle wird oft besucht, und leider lassen zu viele Besucher ihre Notdurft dort zurück. Offenbar fühlen sie sich unbeobachtet und verrichten in allen möglichen Ecken ihre "Geschäfte".

Der Zugang entlang der Klippe

Blick aus einem Eingangsfenster aufs Meer

   

Zweitlängste maltesische Höhle ist die Ghar Dalam (die Höhle der Finsternis), eine richtige Schauhöhle. Sie ist leicht von Valletta aus zu erreichen und liegt direkt an der Hauptstraße nach Birzebuggia. Um zur Höhle zu gelangen, muß man durch das Museum hindurch, in dem die vielen Funde aus der Höhle heute aufbewahrt werden. 1865 wurde sie erstmals von einem Prof. Arthur Issel ausgegraben. Man entdeckte dort die ältesten Siedlungsspuren Maltas, heute auf 5200 v. Chr. datiert. Auch Tierknochen fand man massenweise, ganz unten sogar die Reste von Flußpferden und Elefanten.
Von den 180 m Höhlenlänge sind für Touristen rund 80 m zugänglich. Ein horizontaler Tunnel mit einer Breite zwischen 9 und 17 m ist einfach begehbar. Einzelne massive Stalagmiten sind zu sehen. Im Eingangsbereich wars sehr lebendig. Schwalben flogen dauern aus und ein und bauten ihre Nester in kleinen Felsnischen an der Decke.

Die Ghar Dalam gehört zu einem größeren Höhlensystem, das unweit davon eine Fortsetzung in der Ghar Friefet il Leil, die auch von den italienischen Höhlenforschern auf 170 m Länge erkundet worden ist.

Weitere besuchte Höhlen:

Von der wunderbaren Nymphe ist allerdings nichts zu sehen. Kein Wunder, denn zum Liebeslager eignet sich das gezeigte winzige Loch überhaupt nicht. Zugang ist über eine kleine Treppenanlage, wo auf einmal unten schon wieder ein Einheimischer kauert und einem Höhlenbeleuchtung anbietet, diesmal eine kleine Kerze, die er auch noch anzündet. Brauchen tut man sie eigentlich kaum, den an den ersten kleinen Eingangsraum schließt sich eine noch kleinere Kammer an, und ab da geht es bäuchlings immer enger werdend in einen mühseligen Schluf. Auffallend sind allenfalls, daß der Boden schon überall mit Kerzenwachs überzogen ist.

   
Von den drei Monaten, die der Apostel Paulus auf Malta verbracht haben soll, soll er die meiste Zeit in dieser unterirdischen Anlage verbracht haben.
"Grotto" mit "Höhle" hier zu übersetzen, das wäre wohl falsch, denn überall sind die menschlichen Spuren zu sehen, hier im Untergeschoß der Hauptkirche vom Rabat.
Der Ort ist trotzdem besuchenswert. Die Marmorstatue des Heiligen, das Schiff, an der Decke aufgehängt, die Nischen im Hintergrund, wohl früher einmal die Toten aufnehmend.

Diese Höhlenwohnung hat wohl fast 4000 Jahre lang Menschen Unterkunft und Unterschlupf geboten. Dann wurden die Bewohner gewaltsam herausgeholt und umgesiedelt. Die wollten aber gar nicht heraus und kehrten zurück. Das ließen sich die Engländer nicht gefallen, die damals über die Insel herrschsten, und zerstörten gewaltsam die Höhlendecke, womit sie zerstört war. Heute dient sie nur noch das Tierunterstand.

Diese kleine Höhle öffnet sich am Rand des bedeutendsten Tempels Maltas. Nur Zentimeter unter der Erdoberfläche hat sich da ein natürlicher Hohlraum entwickelt, der irgendwann durchgebrochen ist und damit zugänglich wurde.

Wegen der Originalität des Zugangs, nämlich mitten im Ort, also an überhaupt keiner romantischen Stelle, dann durch einen kleinen Hausgang, durchs Wohnzimmer und hinunter in den Keller, hinein in den kleinen Höhlenraum, rundum vergittert, so daß nur so ein "Käfigblick" auf die kleinen Tropfsteine dort unten möglich ist, durchaus empfehlenswert.

Wen die Lochsteine auf Malta interessieren, der kann hier nachschauen!

Literatur:

Tell, Leander Höhlen auf der Insel Malta, Akten des UIS-Kongresses in Stuttgart, Band 2, Stuttgart 1969
Calandri, Gilberto l'anidride carbonica in una grotta di malta, bollettino GS imperiese, 37-1991, S. 8ff.
ohne Verfasserangabe THE BLUE GROTTO, Speleo Stamp Collector 27-1987, S. 7
Calandri, G. Kurzmitteilung "LE GROTTE MALTESI" in: Speleologia 23, 1990
Calandri, G. ghar hasan: la cavità più estesa di malta, bollettino GS imperiese 38-1992, S. 2ff.
Oldham, Tony The Caves of Malta

Ein paar Links zu Malta:

Eine Literaturempfehlung

Die maltesischen Inseln sind eine Welt für sich, ein kleiner, eigener Kosmos zwischen Afrika und Europa. Aus ihrer 6000 Jahre alten Geschichte sind steinzeitliche Kultbauten wie die Ggantija Tempel auf Gozo hervorgegangen und mittelalterliche Befestigungen wie die Zitadelle Mdina. Ebenso interessant ist der Inhalt von Michael Bussmanns Buch: Karten von allen touristischen Zentren, Informationen zu Sprachschulen, die besten Tauchplätze, die schönsten Strände, 12 Wandervorschläge sowie ein ausführlicher Teil zur Nachbarinsel Gozo und vieles mehr werden Sie darin vorfinden.
  MALTA
Bussmann, Michael, 264 Seiten, 5. Auflage 2010, 15,90 €
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