Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Jaskinia Mylna, Hohe Tatra


Der Eingang zur Höhle liegt in der Westflanke des Koscieliskatales westlich von Zakopane. Tausende von Besuchern ziehen im Sommer täglich durch die Schlucht und nicht wenige davon zieht es zu dieser "wilden Höhle", die wohl markiert mit roten Zeichen und den Zustieg mit Treppen und sogar Eisenketten erleichtert, ist. Gleich daneben liegt eine weitere "wilde Höhle", die Jaskinia Raptawicka, die auch gerne aufgesucht wird.

Ist man die 100 m vom Tal aufgestiegen, dann führt eine horizontales Weglein zu den Eingängen des auf deutsch "Irrhöhle" heißenden Karstobjekts in 1.098l m NN. Die Eingangspartie ist höchst reizvoll, weil es durch eine Steinpforte hineingeht, dann wieder hinaus, dann kommt wieder ein Eingang, eine Abzweigung, durch seitlich Licht einfällt und dann ein herrlicher Ausblick auf die Berge draußen, wobei es hier nicht mehr weitergeht, weil das Loch mitten in einer Felswand endet.

In den Höhlengängen dazwischen tun sich Gänge auf, die es nun zu befahren gilt. Wären nicht die vielen Markierungen, dann wäre das Finden des anderen Ausgangs ein Unternehmen, das echte Opfer kosten dürfte und überhaupt nicht geeignet wäre, vielen Menschen ein wirklich abenteuerliches Erlebnis zu bescheren.

Mit 1.300 m wird die Gesamtganglänge der Höhle angegeben bei einem Gesamthöhenunterschied von 20 m. Man sieht, man hat es im wesentlichen mit einem Horizontalsystem zu tun. Wer nur den Durchgang macht, der bekommt davon gerade mal 300 m zu sehen, vom Rest hält er sich dann entfernt. Viele Familien kommen mit ihren Kindern, junge Leute, die mal ein wenig Ungewöhnliches erleben wollen, und sie alle werden nicht enttäuscht. Mit seinem Sonntagsanzug sollte man nicht antreten, denn den kann man hinterher zur Altkleidersammlung geben. Es geht nämlich schon zur Sache und unterwegs hab ich mir einige Male gute Knieschützer gewünscht, denn es geht oft in einer Weise durch den Berg, den man auf englisch als "hands-and-knees-crawl" beschreibt. Der Boden ist dabei nur selten wirklich eben und trocken, eher felsig und naß, weil es durch etliche lange Pfützen geht. Befahrungsmäßiger Höhepunkt ist dann eine Querung an einer Eisenkette, die einem ermöglicht sicher an einer Spalte vorbeizukommen. Irgendwann hat man es geschafft, die Qual hat ein Ende, Tageslicht kommt wieder in den Höhlengang, man erreicht an einer ganz anderen Stelle des Berges wieder die Oberfläche, als wo man hineingangen ist. Ein ausgetretender Pfad hilft einem, wieder die Zivilisation zu erreichen

Bei meiner Tour im August 2009 ging es zu wie im Bienenstock. Ich war allein unterwegs, aber nicht lange. Bald hatte ich zwei junge Polen im Schlepptau, die hinter mir durch die Gänge robbten, mich auch mal wieder zurückholten, als ich mich in einem großen Seitengang verlaufen hatte, der viel bequemer erst einmal zu befahren war als das kleine feuchte Loch, durch das es wirklich weiterging. Glücklicherweise konnte das junge polnische Mädchen gut englisch, weshalb hier überhaupt erst Konversation möglich wurde.
Als wir am Ausgang ein Erinnerungsphoto schossen, machte der junge Mann plötzlich einen leicht verschreckten Eindruck. Er klärte gleich auf, warum. Er hatte gerade einen Bären, keine 10 m von uns entfernt, vorbeihuschen sehen, viel zu schnell, um noch zu erschrecken, geschweige denn ein Foto von ihm machen zu können.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ein Zeichen dafür, daß die Höhle oft begangen wird:

eine von den Menschen glatt geschliffene Felsstelle

 

Literatur:

   

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