Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Höhlen im Demänovatal, Slowakei


Das Demänovatal mit seinen 12 km Länge liegt im nördlichen Teil des Nationalparks Niedere Tatra. In ihm liegen die Eingänge zum längsten Höhlensystem der Slowakei, der Demänovahöhle, das über 23 km lang ist und einen Gesamthöhenunterschied von 173 m aufweist. Es gibt gute geologische Gründe für die Entstehung der Höhle in der Ostflanke des Tales. Das Kalkgestein stammt aus dem Trias und ist zwischen 200 und 500 m dick. Es weist einen hohen Reinheitsgrad von 92-97 % auf und ist von ausgedehnten Kluftsystemen durchzogen. Das Oberflächenwasser, das zuerst auf kristallinen Gesteinen an der Oberfläche der Niederen Tatra abläuft, versinkt sofort im Untergrund, sobald es auf das Kalkgestein trifft. Dies geschieht in Schwinden, die in Höhenlagen von 975 m bis 805 m liegen. Nach ihrem unterirdischen Lauf tritt das Wasser in Vyvieraniehöhle wieder zu Tage, die Schüttungsschwankungen zwischen 200 und 1500 l/s aufweist. Über 5 km Länge erstreckt sich das System auf bis zu 9 verschiedenen Niveaus.

Die Höhlen waren schon immer bekannt. Der erste schriftliche Hinweis stammt aus dem Jahre 1299, wo in einem Dokument, das im Esztergomkloster aufbewahrt wird, Höhlen im Gebiet von Liptov erwähnt werden. Die erste schriftliche Beschreibung und der erste Plan findet sich in dem Buch "Hungarie antiquae et novae prodronus" von Matej Bel. Im 19. Jahrhundert wurde die Höhle von zahlreichen Wissenschaftlers aufgesucht, die vor allem wegen der damals noch sehr rätselhaften Eisvorkommen in der Eishöhle vorbeikamen. 1952 wurde die Höhle als Schauhöhle für den Publikumsverkehr freigegeben.

Man sollte sich vorher über die Öffnungszeiten der beiden heute den Besuchern zugänglichen Höhlenteile erkundigen und sich danach richten, sonst geht es einem vielleicht so wie uns im Mai 2008. Wir kamen um 12.20 Uhr bei der Eishöhle an und die nächste Führung sollte um 12.30 Uhr beginnen. Als wir sahen, wo der Höhleneingang im Vergleich zum Parkplatz war, da faßte ich schnell einen Entschluß. Wir gehen jetzt erst einmal in die "Freiheitshöhle". Ein paar Minuten mit dem Auto hinauf zum nächsten Parkplatz, schnell eine kleinen Parkgebühr bezahlt und hinaufgestürmt zum nicht ganz so weit oben gelegenen Haus am Höhleneingang. Da ein Schild: "15 Minuten bis zur Höhle" - und wir hatten nur noch 5 Minuten. Trotzdem, wir eilten los und schafften es tatsächlich noch, bekamen Karten und konnten die Höhle, zusammen mit bestimmt 50 anderen Leuten besuchen. Nachher versuchten wir, es auch noch zu schaffen, die Eishöhle zu sehen, aber das ging nicht mehr. Der Parkwächter dort hatte schon zusammengepackt, machte uns klar, daß wir die 14 Uhr Führung nicht mehr schaffen würden. Es regnete inzwischen in Strömen, so daß uns schnell die Lust verging uns draußen noch nach anderen Höhlen umzusehen. So zogen wir wieder vondannen.

Ein Besuch der Freiheitshöhle ist auf jeden Fall lohnend. Allerdings muß man hinterher nicht mehr viele andere besuchen. Nach so einem Besuch ist man einfach so vollgestopft mit Eindrücken von Tropfsteinen, daß man dieses Phänomen wirklich woanders kaum mehr wiedersehen muß. Nach dem kurzen künstlichen Eingangstunnel steht man bereits in einer sehr geräumigen Halle, in die man über Stufen dann hinabsteigt. Dann geht es in einem breiten, noch wenig hohen Gang tiefer bis zum großen Flußtunnel. Auch hier schon Tropfsteine aller Schattierungen, Größen und Farben, aber es wird immer besser. Es lohnt sich auch den kleinen Dingen sein Augenmerk zu schenken: verbackene Kieselsteinlagen über dem Bachlauf, Höhlenperlen, untertellerartige gelbe Konkretionen in Wasserbecken usw.. Man steigt immer höher in immer kleiner werdende Gänge, die fast vollständig von Sinter ausgekleidet sind. Da hilft nichts. Gitter links und rechts vom Weg sollen die nahe Steinpracht vom menschlichen Zugriff schützen, zumal der Führer bei dieser Anzahl von Leuten ohnehin überfordert wäre, da immer zu verkünden, daß man nichts berühren oder gar mitnehmen sollte.

Irgendwann reicht es tatsächlich. Noch mehr und noch mehr? Glücklicherweise ist da ein eisernes Tor, das den bequemen Ausgang ins Freie gewährt. Die verregnet Welt draußen hatte uns wieder.

Als ich 1972 das erste Mal in dieser Höhle war, da ärgerte mich etwas ganz besonders: das Fotographierverbot. Das ist heute kein Thema mehr. Heute darf man - sofern man bezahlt. 300 Sk kostet die Fotographiererlaubnis, im Grunde ein Heidengeld, umgerechnet fast 10 Euro (Bei einem lokalen Stundenlohn von 2 €!). In den anderen Schauhöhlen ist dieser Betrag 200 Sk. Der Eintritt kostete übrigens 200 Sk. Ich weiß nicht, wieviele wirklich den Betrag entrichtet haben. Es wurde geblitzt wie bei den Weltmeistern. So viele Höhlenfotos sind wohl noch nie gemacht worden, wie in unserer Zeit! Aus allen Digitalkameras schossen die Blitze und die Fotohandys dienten auch zum unbeschränkten Festhalten der kurzen Momente in der Höhle. Sieht man davon auch mal was?

Im Demänovatal vor der "Friedenshöhle"
Am Höhleneingang
  Der Höhlenplan
Große Räume bereits am Eingang
Ein kleines Beispiel für Höhlenfotographie
mit unterschiedlicher Beleuchtung
 
Zwei Blicke von oben

- einmal auf die Spitze eines
Tropfsteins

- einmal in einen "Münzteich"
eine Art moderne Höhlenmystik,
wo sich die Leute ihres Kleingelds
entledigen

Sinter überall
Beim Höhlenfluß
 
 
Höhlenperlen
Wasserbeckenkonkretionen
Berühren der Höhle mit den Füßen
und den Händen
 
Höhlenhaptik
 
 
 
 
   
Der Ausgang
   
  Die Demänova
  Die Eingangsregion zur Eishöhle

Literatur:

Tencer, Ján Systém Demänovskych jaskyn, The International Caver (3) 1992, S. 30ff.

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