Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen beim Prebischtor, Böhmische Schweiz, Tschechien

Richter


Das Prebischtor, auf Tschechisch Pravcická brána, ist ein Touristenmagnet, und das schon seit langem. Der beliebteste Zugang ist von Hrensko (Herrnkretschen), gleich hinter der tschechisch-deutschen Grenze an der Elbe, her. Eine Straße führt durch das Kamenicetal, die seitlich ausgeweitet, die vielen kostenpflichtigen Parkplätze bietet, die heute notwendig sind, um den Tourismus in Schwung zu bringen. Dann geht es entlang der Straße gut einen Kilometer aufwärts, ehe man nach links auf einen Waldweg abbiegen kann. Auffällig ist es schon, daß da nicht ein x-beliebiger Bodenbelag ist, sondern ein oft noch gut erhaltenes Steinpflaster. Das stammt noch aus dem Zeiten, als es hier auch schon starken Tourismus gab, sich einige Leute es aber schon leisten konnten, mit dem Pferd die gut 200 m Höhenunterschied zurückzulegen oder sich gar in einer Sänfte hochschaffen zu lassen. Heutzutage fährt allenfalls noch ein Polizeiauto da hoch und schaut nach dem Rechten, was immer das hier sein könnte. Dann biegt der Weg horizontal ab und man läuft auf gleicher Höhe unter schroffen Sandsteinwänden wieder in die ursprüngliche Richtung, ehe es dann endgültig in Höhe und zur Naturbrücke geht. Unterwegs stößt man auf eine Wegabzweigung, die etwa in gleicher Höhe, vorbei an einem höhlenähnlichen Felsdach, in dem auch ein massiver Steintisch liegt und in dem archäologische Funde gemacht wurden (die "Höhle der Böhmischen Brüder), Richtung Mezni louka (Rainwiese) führt. Von ihm wird erzählt, dorthin hätten sich die Einheimischen in kriegerischen Zeit geflüchtet und in der Zeit der Gegenreformation im Böhmen des 17. Jahrhunderts habe man dort geheime protestantische Predigten abgehalten.

Auf einmal ist der Blick frei auf das große Tor. Ein dünnes Felsband spannt sich da zwischen massiven Felsklötzen. Die reinen Daten: 26,5 m Spannweite, Höhe 16 m, Breite 8 m. Damit gehört es zu den größten Naturbrücken Europas. Wer hin will, der muß einen Obolus entrichten. Dann ist der Weg frei z.B. zu der kleinen Wirtschaft direkt unter dem Bogen, wo nach dem spürbaren Anstieg das Bier noch einmal so gut schmeckt. Den besten Blick hat man nach einem weiteren Anstieg auf einen Sandsteinfelsen, von dem es wirklich nicht mehr höher geht. Der Blick ist frei von da auf die Brücke und Landschaft der Böhmischen Schweiz.

Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in Aufzeichnungen vom Beginn des 15. Jahrhunderts über eine Grenzbegehung, wo von einem "Großen Tor" die Rede ist. Der älteste bekannte Kupferstich von dem kleinen Naturwunder stammt von 1804 mit dem Titel "Das Thor am Prebischgrunde". Der Tourismus setzte richtig ein, als 1826 der Fürst Edmund von Clary-Aldringen neben dem Tor das "Falkennest" errichten ließ. In dem Film "Der König von Narnia" aus dem Jahre 2005 kam die Naturbrücke auch vor, allerdings waren die Aufnahmen getürkt. Inzwischen ist das Begehen der Naturbrücke aus Angst davor, daß sie einstürzen könnte, verboten, im Film taten es die Darsteller aber doch! Sie waren einfach nachträglich eingefügt worden.

 
 

Literatur:

T.W. Nichts für Einsiedler - Das Prebischtor ist die größte Felsbrücke Mitteleuropas - und meist gut besucht, in: Sächsische Schweiz - Ihr Urlaubsmagazin 2012, S. 116
Bellmann, Michael Der Höhlenführer Elbsandsteingebirge, Heimatbuchverlag Bellmann, Dresden 2010

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