Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen in der Sächsischen Schweiz


Blick vom Pfaffenstein / Diebshöhle im Quirl 2012


 

Königstein, Landschaft und Höhlen rund um

Kurort Rathen, Landschaft und Höhlen um den

Kinitzschtal, Landschaft und Höhlen im

Kuhstall

Prebischtor, Tschechien


Wer von Dresden südwärts fährt, der sieht bald in der Ferne einige Landschaftsformen, die an die Mogoten auf Kuba oder den Kegelkarst in Asien aus der Ferne erinnern. Richtige Tafelberge sind da am Horizont auszumachen, die bei Annäherung ihre Eindrücklichkeit nicht verlieren.

Sie sind die geologischen Reste einer Entwicklung, die im Karbon vor ca. 3540 Millionen Jahren begann und besonders in der Kreidezeit, also vor ca. 135 Millionen Jahren besonders prägend war. Eine alte Nahtstelle von Erdkrustenplatten brach wieder auf und das führte zu einer "buchtartigen Einsenkung, die vom Meer überflutet wurde. In diesem 35 km langen und bis 17 km breiten Streifen lagerte sich Quadersandstein ab, ein eben geschichteter, grob gebankter Sandstein, der Mächtigkeit bis 400 m erreicht." (Kompass, S. 6f.).

In diese Schichten hat sich die Elbe allmählich hineingesägt. Der Elbtalgraben senkt sich immer tiefer. Geologische Spezialmessungen haben ergeben, daß immerhin 20 m zusammenkommen, wenn 100.000 Jahre vergangen sind.

368 qkm sind seit 1956 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, seit 1990 sind 9.300 Hektar davon sogar zum "Nationalpark Sächsische Schweiz" deklariert worden. Erfreulicherweise hat das nicht dazu geführt, daß nun alle Menschen vom Genuß dieses kleinen Stücks herrlicher Erde ausgeschlossen wurden, sondern man versucht einen Ausgleich zwischen den vielen Interessen zu erreichen.

Die absoluten Höhen in der Sächsischen Schweiz sind eher bescheiden. Der höchste Berg ist der Schneeberg mit 723 m. Über 500 m Höhe liegen auf deutscher Seite nur der Große Zschirnstein (560 m), der Große Winterberg (556 m) und der Kleine Winterberg (500 m). Es gibt trotzdem erhebliche Höhendifferenzen in der Landschaft, da bis zum Wasserspiegel der Elbe auf ca. 115 m Höhe immer wieder Werte zwischen 200 und 300 m erreicht werden (Bastei 305 m, Lilienstein 300 m).

Über 300 Höhlen sind inzwischen in dieser besonderen Region schon erfaßt worden. Die Sandsteinhöhlen sind aus 2 Hauptursachen entstanden: wegen der Korrosion, die allmählich den Sandstein zersetzt und loser Sand als Lösungsrückstand zurückbleibt, und tektonisch gebildete Höhlen, die durch Bewegungen der Felsmassen entstehen. Natürlich gibt es auch Mischformen.

Bekannt sind viele davon schon immer dem Menschen gewesen. Funde aus Höhlen am Pfaffenstein und dem Polenztal bestätigen das. Im Mittelalter wurden verschiedene Höhlen in die Befestigungen einbezogen, die man ab etwa 1200 bis ca. 1500 dort unterhielt, z.B. am Winterstein. Eine Zufluchtmöglichkeit zu haben, das war eine wichtige Nutzung der Höhlen sowohl für einzelne als auch ganze Bevölkerungsgruppen. Der Name "Diebshöhle" spricht schon für sich, da suchen sich von der Gesellschaft Ausgestoßene in der Natur eine Bleibe, "Schwedenhöhlen" deutet auf die Not vieler, in Kriegszeiten einen halbwegs sicheren Platz zu finden. In der "Höhle am Satanskopf" fanden die Hersteller von Flugblättern für kurze Zeit Zuflucht. In der Romantik wandten sich etliche Künstler und Dichter der Sächsischen Schweiz zu und machten ihre Erscheinungsformen zu Gegenständen ihrer Werke. Heute hat man sie als Elemente in den "Malerweg" aufgenommen, "eine der wildromantischten Wanderrouten Deutschlands" (KOMPASS), der 115 km quer durch das Gebiet führt.


Unsere Unterkunft im August 2012 in der Sächsischen Schweiz:

Ferienhaus und Pension Rahmmuehle in Koenigstein


Literatur:

Bellmann, Michael Der Höhlenführer Elbsandsteingebirge, Heimatbuchverlag Bellmann, Dresden 2010
Elling, Travis, Lothringer, Bernd Sächsische Schweiz, Komet-Verlag, Köln
Goth, Kurt Bizarre Felsen und tiefe Schluchten - Das Elbsandsteingebirge, in: Look, Ernst-Rüdiger, Feldmann, Ludger, Faszination Geologie - Die bedeutendsten Geotope Deutschlands, Stuttgart 2006
Heine, Florian Mit den Augen der Maler - Schauplätze der Kunst neu entdeckt, Bucher, München 2009
Krell, Detlef Sächsische Schweiz, REISE KNOW-HOW Verlag, Bielefeld 7. Auflage 2010
Müller, Herbert Zur Entwicklung der Höhlenforschung der 70jährigen Höhlenforschung im Elbsandsteingebirge - ein kurzer Abriß, in: KARST und HÖHLE 1994/95 Beiträge zur Geschichte der Karst- und Höhlenforschung in Deutschland (Teil 2), München 1996, S. 55ff.
Quast-Stein, Sieglinde, Stein, Gerhard Eine Woche in der Sächsischen Schweiz, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, 12, 1990, S. 81-90
Rathner, Ursula, Wagner, Arndt Kleintektonische Bewegungen als Ursache der Höhlenbildung im Elbtal zwischen Wehlen und Posta, Der Höhlenforscher 2-1975, S. 21ff.
Titze, Dr. Holm Anthropospeläologische Bedeutung von Höhlen in der Sächsischen Schweiz, Arbeitsmaterial der Höhlenforscher 1984
Wengel, Tassilo Das große Buch der Weitwanderwege, Bruckmann-Verlag, München 2012
Winkelhöfer, Roland The Sandstone Caves of the Sächsische Schweiz, The International Caver (2) 1992, p 17-19hg
Winkelhöfer, Roland Die Höhlentypen im Sandstein der Sächsischen Schweiz, Der Höhlenforscher 3-1975, S. 38ff.
Winkelhöfer, Roland Historische Abbildungen von Höhlen der Sächsischen Schweiz, Der Höhlenforscher 4-1980, S. 55ff.
Winkelhöfer, Roland H. Durch Höhlen der Sächsischen Schweiz, Höhlenführer und Katasterdokumentation. (1998 / 2006)

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