Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

37. HÖPHO - das jährliche Treffen aller an Höhlenphotographie und -film Interessierten

  im Wanderquartier "Gesindehaus" bei Dresden, Sachsen



Das obligatorische Gruppenbild mit viel Drumherum



Wann:  Freitag, 12. Mai, bis Sonntag, 14. Mai 2017
 
Wo:  “Wanderquartier Gesindehaus” an der ev.-luth Kirche “St. Barbara”   http://evangelische-haeuser.evangelisch.de/haeuser/3327/wanderquartier-gesindehaus
          Kirchberg 3
          01328 Dresden / OT Eschdorf
          (www.kirche-eschdorf.de) Kontaktadresse zur Anmeldung:      andi-eule@gmx.de      / Angela und Andreas Eule / oder per Telefon 0351 - 268 20 51

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Normalerweise würde jeder mit "2" heute antworten. Ist das überhaupt eine Frage? Ja. 

Bei besonderen Momenten des Zusammenkommens, da kann man schon das Gefühl bekommen, daß es "3", vielleicht auch noch mehr ist. In der "Liebe" zum Beispiel. Oder wenn sich viele Gleichgesinnte zusammenfinden und einen Abend zusammen verbringen. Ich durfte z.B. so einen Moment erleben, als wir uns am Walchensee zum HÖPHO zusammenfunden hatten. Da gab es wirklich so einen "magischen Abend", wo ich am nächsten Vormittag soviele körpereigene Endorphine ausgeschüttet habe, daß es kaum mehr zum Aushalten war. Geschenke des Lebens. Wir hatten keine Drogen genommen. sondern einfach nur Höhlenphotos angeschaut, z.B. drei nebeneindander - und geschaut. Vergleiche - das sind uralte Tricks, um das Hirn anzuregen, Dinge zu sehen, die es normalerweise gar nicht so zu sehen gibt, aber mit Hilfe von Fotos sich einfach nebeneinander stellen lassen. Da wird deutlich, daß wir alle in Zustände "gehobenen Bewußtseins" kommen können, wenn einfach eine passende Gruppe von Menschen zusammenkommt. Als Einzelner kann man nie dahin kommen, so sehr man das auch möchte und vielleicht unendliche Anstrengungen dahingehend unternimmt. Es passiert einfach, wenn es stimmt. Leider tut es das schon länger nicht mehr bei den HÖPHPOs - aber die Hoffnung aufzugeben, das mag ich, noch, nicht. Denn es gibt einige Leuchttürme....

Was haben wir nicht alles schon versucht bei den HÖPHOs? Drüber und Drunter - zwei Bilder von der Oberfläche und im Untergrund übereinander projiziert, Früher und Später - herrliche Shows gab es z.B. von alten Postkarten und vom jetzigen Zustand einer Höhle usw.... 

Diesmal gab es so etwas nicht. Aber immerhin gibt es es noch, das HÖPHO. Reinhard stellte mir die Preisfrage vor der "Scheune" im schönen Ort Eschdorf am Rande der Sächsischen Schweiz, "Das wieviele Treffen ist eigentlich? Er hatte ja selber schon nachschauen müssen auf meiner Webseite. Es war das 37. Treffen. Aber das ist immer schon eine sehr persönliche Frage, denn keiner ist bei allen dabei gewesen! Ich war zweimal nicht dabei - in 37 Jahren. und bilde damit einen dieser "Leuchttürme".

In Eschdorf bei Dresden hatten die "Eules" ein ideales Quartier für unsere HÖPHOs aufgetan. Das Gesindehaus entwickelt sich langsam zu einem Veranstaltungszentrum, das wir benutzen durften. Geschichte zum Anfassen. Mit Hightech. Wer in den Raum treten wollte, der konnte nicht dem gewohnten PUSH-PULL-Schema folgen. Es galt, den aufgeklebten roten Pfeilen zu folgen - dann öffneten sich die Glastüren von elektrischer Hand getrieben - nach links und rechts wie von Geisterhand. Drinnen war alles perfekt auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet. Namenslisten zur Erfassung aller Präferenzen, Frühstück Ja/Nein, Abendessen Ja/Nein, Nichtalkoholisches Getränk.... an langen Holztischen konnte gesessen und gespeist werden, in ein einem Kühlschrank gab es die Getränke zum Selberaussuchen, ein Beamer ist fest eingebaut, so daß man nur den Stecker in den Laptop fügen mußte und los konnte es gehen.

Am Freitagabend begann Reinhard mit der Show. Inzwischen hat er alle Kleinbilddias digitalisiert und es so leicht, zu bestimmten Themen Bilder zusammenzustellen. Als Eingangsthema hatte er sich die früheren HÖPHOs ausgesucht. Bilder, die eine "Abkühlzeit" von mindestens 10 Jahren haben, weil sie die verschiedenen Teilnehmer in allerhand Posen, meist ungewollt, zeigen, die ihn wenig "vorteilhaft" präsentieren. Der Alkohol hat da teilweise tmitgewirkt, die Müdigkeit, der Ablacher war garantiert. 

Erika Bachmann machte weiter mit einer musikuntermalten Zusammenstellung vom letzten HÖPHO 2016. Das Zurückblicken auf die vorangegangene Veranstaltung hat ja eine lange Tradition. Erika machte das routiniert und gekonnt und es war eine Lust, ihr in die Vergangenheit zu folgen.

Langsam wurde es Zeit, daß auch einmal Höhlen gezeigt wurden. Ich zeigte meine Bilderschau, Diaschau kann man nicht mehr sagen, weil die Zeit heute vorbei ist, wo man für jedes einzelne Bild ein eigenes Dia hat, von Hawaii und seinen Höhlen. Anlaß war das 17. internationale Vulkanhöhlenforschertreffen in Ocean View auf Big Island 2016 gewesen, wo ich dabei sein konnte. Inzwischen sortiere ich die Bilder immer in drei Kategorien: Vorstellen allgemein der Gegend, die spezielle Veranstaltung und das der Höhlenphotoblock. Wenn es eilt, dann zeigt man nur noch die Höhlenphotos. Hier war aber genügt Zeit vorhanden und es wäre ja sehr schade, nichts von der außergewöhnlichen Gegend zu zeigen, die ja vom Vulkanismus geprägt ist und durch ihre Lage mitten im Pazifik ganz schön exotisch wirkt.
Wir hatten damals zweimal die Gelegenheit, die längste Lavahöhle der Erde, die Kazamura Cave zu besuchen. Sie eignet sich auf klassische Weise für Tunnelphotos, die wo anders nicht besser gemacht werden können, aber auch die Kleinformen sind teilweise einzigartig.

Gegen 11 Uhr war Schluß. Die Teilnehmer suchten ihre Schlafplätze auf. Inzwischen haben ja einige große Wohnmobile dabei, in denen sie ein Stück heimische Gemütlichkeit mitrollen, die anderen zogen ins renovierte Fachwerkhaus, wo es genügend Raum zum "Poofen" gab 

Am nächsten Morgen hatten die Eules einen Frühstücksservice organisiert, frische Bäckersemmeln besorgt, feine Wurst und Schinken und Käse aufgetischt, der Kaffee dampfte - ein herrliches Frühstück im Kreise der bekannten und noch unbekannten an Höhlenphotogräaphie Interessierten - "a feine Sach". Gegen 9 Uhr wurde das obligatorische Gruppenphoto vor der Scheune aufgenommen, was einige Zeit kostete. Dann ging es in mehreren Autos los auf die große Gruppenexcursion ins "Meißner Hochland". Ein kleines Grüppchen blieb zurück und kümmerte sich um die Vorbereitung des großen Abendessens.

Es ging ins Kalksteinbergwerk Miltitz, das reichlich Punkte bot, wo man sich photographisch austoben konnte. Sogar ein paar Taucher waren da, die dort das Bergwerkstauchen als Sport betreiben. Was es nicht alles gibt. Eine winzig kleine Naturhöhle war auch angeschnitten worden und wurde von unseren Linsen erfaßt. Weiter ging es zu den Pechsteinfelsen, die 60 m über dem Talgrund aus dem Berghang schwarz herausragen. Über einen alten Steinbruch ging es zurück zu den Autos und allmählich zurück zur "HÖPHO-Scheune". Unterwegs wurde noch beim Weingut Wackerbarth gehalten und ein bißchen Kultur genossen. Dann ging es wieder mitten durch Dresden bis ans andere Ende, dort wo schon wieder die kleinen Dörfer inmitten der Rapsfelder liegen und die herrliche Ruhe herrscht. Es war noch ein wenig Zeit, was viele zu einem Besuch der Kirche nutzten. 

Dann kam das kulinarische Highlight des HÖPHOs - schon eine eingeführte und geschätzte Tradition. Reinhard hatte diesmal eine großes Stück Fleisch auf einer frisch gerösteten Brotscheibe mit einer köstlichen Knoblaubsoße ausgesucht, oben drauf gab es dann noch Pommes Frites und hinterher noch eine Nachspeise in Form einer Creme mit Walnüssen. Das zog sich hin, aber zur Hetze war trotzdem kein Anlaß.

Es wurde fast 20 Uhr, ehe die Hauptbilderschauen des Abends anfingen. Es begann ganz traditionell mit Kleinbilddias. Leo und Marianne Mayer hatten sich die Mühe gemacht, eine Schau über das Höhlentauchen zusammenzustellen mit dem Schwerpunkt der Dominikanischen Republik. Es gab noch einen richtigen Kleinbildprojektor, das Geräusch des Bildwechsels, Nostalgie pur. Klaus-Jürgen Fritz machte weiter und wie! Es ging hauptsächlich um Bergbau unter dem Motto "Spuren der Vergangenheit". Die Bilder waren exzellent und irgendwo kamen dann auch tatsächlich noch Höhlen vor, die Schlotten, die ja wirklich außergewöhnliche Hohlräume darstellen mit bizarren Füllungen. Er machte auch gleich weiter und präsentierte eine Aktion, wo Bodypainting die Hauptrolle spielte. Mit einigen weiblichen Modellen ging es ins Bergwerk, die Bergmannsuniformen und anderes auf den Körper aufgemalt hatten. Für Voyeure war es nicht wirklich was, darum ging es ja letztlich auch nicht, sondern um besondere Sichtweisen auf den Menschen im Berg.
Klaus Groß von den Mühlbachern machte weiter, zeigte Bilder aus der südfranzösischen Ecke und anderen Regionen. "Bilder" ist natürlich untertrieben, es waren gekonnt ausgeleuchtete kleine Kunstwerke. Ein wenig kritisch wurde es, als es um Höhlen in Franken ging. Da wurde nachgefragt, aus welcher Höhle dieses oder jenes Bild sei, aber geantwortet wurde nicht, ein Geheimnis daraus gemacht. Man erkannte natürlich einiges, die Mühlbachhöhle, das Alfelder Windloch, die Kaufmannshöhle? usw... Es war schon typisch, daß man eher mit Ausländern oft sein Wissen teilt als mit seinen Nachbarn.
Wolfgang und Leona Mulde zeigten von einem Ausflug zu EUROSPELEO 2016 in Yorkshire und dem Peak District sehr gekonnte Photos. Endlich waren einmal keine Bilderstrecken aus den langsam mir schon zum Hals heraushängenden südfranzösischen Höhlen zu sehen, sondern einmal aus England. Auch da gibt es schöne und spektakuläre Höhlen, Alum Pot, Long Churn Cave, Gaping Gill, Peak Cavern usw.. Der Vortrag war von Rockmusik begleitet, eine gute Abwechslung zum oft verwendeten Ambientsound der Vergangenheit. Gelungen war auch der Übergang vom Standbild zum Video, wenn gerade eine Stelle dazu einlud, da einmal zum Film überzugehen, z.B. beim Durchklettern eines Wasserfalls oder beim Hochgeholtwerden im Sitz im Gaping Gill-Schacht. 

Günter Forstmeier präsentierte dann meisterhafte Photos von Alex Benger und Timo Hesse, die diesmal selber nicht dabei sein konnten, die wirklich im Moment Spitzenphoto auf Spitzenphoto schießen. Sie haben den Bogen heraus und machen Bilder, bei denen einem einfach fast die Luft wegbleibt, "breathtaking" sagen die Leute über dem Kanal zu solchen Werken. Slowenien, Südfrankreich, aber auch einige Bilder von der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Günther wußte viele Namen der Höhlen, wenn er sie auch von einem Spickzettel ablesen mußte. Da war die Luft hinterher heraus - höher klimmen kann man in der Höhlenphotographie im Augenblick nicht. 

Zum Schluß wagte sich Winnfried Brüssler aus Dresden noch in die Arena und zeigte seine Photos aus Höhlen in Rumänien. Ein Blick zurück in die photographische Vergangenheit, nun halt digital eingefangen. So haben wir alle mal am Anfang photographiert, ehe wir entdeckt haben, daß es einen großen Unterschied macht, von wo das Licht kommt, am effektvollsten natürlich von hinten im Gegenlicht. Es war 11 Uhr und Klaus-Jürgen zeigte noch einen Bilderschau über ein Brunnenbefahrungsprojekt in der Sächsischen Schweiz. Ich wurde schon sehr müde und suchte die Heia im Nebenhaus auf.

Am nächsten Morgen gab die Sonne eine spätfrühlingshafte Sondervorstellung und tauchte alles in strahlendes Licht. Es gab wieder das feine Frühstück, dann begannen die "Aufräumarbeiten". Aber einfach nur noch aufbrechen, ohne daß noch ein paar Photos gezeigt werden? Wir hatten wirklich nicht viele Stunden damit zugebracht, Höhlenphotos anzuschauen - das war früher schon ganz anders gewesen. So machte ich den Vorschlag, noch einige Photos von mir von der letzten Laosexpedition 2017 anzuschauen. Die großen hölzernen Scheunentore wurden zugeklappt und dunkel war es. Ich konzentrierte mich auf die Höhlenphotos und die zeigen hauptsächlich Tunnels in allen Variationen. Das war eben der Haupttyp von Höhlenform dort, die ich auf verschiedenste Weise ausgeleuchtet habe, jetzt sogar unter Einsatz der Scurionlampe mit der man auch sehr effektvolle Lichteffekte erzeugen kann. Das letzte Bild zeigte noch einen buddhistischen Mönch in der Tham En auf einem Kahn, dann war für dieses Jahr die Schau vorbei. Das Tor geöffnet, die Sonne hereingelassen, es blieb nur noch die weiter Heimfahrt, mehr als 500 km sind es zurück bis nach München. 

Unterwegs machte ich noch einen Abstecher in die Drachenhöhle in Syrau. Es war ja Sonntag, weshalb der Führungsbetrieb flott lief. Man macht ja aus dem Photographieren dort ein Geschäft und verlangt 2,50 Euros als Gebühr dafür. Ich fragte an der Kasse, ob es überhaupt etwas zum Photographieren gäbe. Die Antwort der flotten Kassiererin: "Für ihr Dafürhalten schon, aber wenn ich nichts finden würde, bekäme ich mein Geld wieder zurück." Tatsächlich gab es dann doch eine Klasse Lasershow am Schluß zu sehen, wo einfach spektakuläre Höhlenphotos möglich sind. Das hat nichts mehr mit den tradierten Vorstellungen von photographieren Höhlen zu tun, aber es sind einfach "kracherte" Aufnahmen!

Wir sehen uns nächstes Jahr natürlich wieder. Erst war ein Veranstaltungsort im Pfälzer Wald vorgesehen, aber die Schwierigkeiten, eine geeignetes Quartier zu finden, scheinen unüberwindlich. Deshalb geht es wieder in die Fränkische Schweiz, wobei sich Axel Bengel und Timo Hess um die Organisation kümmern werden. Wir dürfen uns schon darauf freuen.

 

< das Mastermind der Veranstaltung

> inzwischen HÖPHO-Urgestein

Kalksteinbergwerk Miltitz
Bei den Pechsteinfelsen
Beim Festmahl
Bei der großen Abendgala

 

 


Unterwegs - Foto Erika Bachmann

 

 

 

 


 

Literatur:

Heine, Florian Mit den Augen der Maler - Schauplätze der Kunst neu entdeckt, Bucher-Verlag, München 2009
Mandelstam, Ossip Die Reise nach Armenien, Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt a.M. 9. Auflage 2015
Valéry, Paul Cahiers/Hefte 6, S.Fischer, Frankfurt a.M. 1993

Links:

http://evangelische-haeuser.evangelisch.de/haeuser/3327/wanderquartier-gesindehaus

Landschaft und Höhlen in der Sächsischen Schweiz

HÖPHO


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