Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle / Man and Cave

Lochsteine und Durchkriechbräuche

Schlupfwallfahrten durch christliche Anlagen

Birkenstein


Wer in Birkenstein bei Fischbachau in den innersten Raum der Kirche will, der muß sich bücken. Dort finden wir, ähnlich wie in einigen anderen christlichen Stätten, die "früher übliche, genaue Nachbildung der hl. Grabkapelle zu Jerusalem" (o.V., S. 124). Kennzeichen dafür ist, daß dort eine "solch' kleine Kapelle (mit einer Krippe auf dem Altar" (o.V., S. 124) errichtet worden war. Der Eingang in den Raum war unbequem gestaltet worden, man mußte sich immerhin schon bücken!

Solche Orte hat es einmal an vielen Stellen gegeben. So mancher mag heute noch existieren.

Ein paar Hinweise:

- Freiberger Kapelle in der Pfarrkirche zu Füssen
- Nebenkapelle zu Sameister (Füssen) http://www.allgaeu-ausfluege.de/05sameister.htm

2016
 

War man im Sakralraum, dann konnte es sein, daß man unter dem Altar in gebückter, manchmal gar kriechender Stellung hindurch konnte.

Das ist in klassischer Weise in Koppenwall, Kreis Rottenburg, in Niederbayern der Fall. 1626 wurde der Altar errichtet. 1836 soll man den Brauch "abgestellt" haben. In Gurk in Kärnten ist eine extreme Ausprägung dieser Erscheinung noch heute zu erleben. Wer leicht Platzangst bekommt, der hat hier nichts verloren!

Koppenwall
Gurk

Eine moderne Version ist der Altar in der Wallfahrtskirche Weihenlinden im Landkreis Rosenheim, Oberbayern

Neben einem Altar geht es in gebückter Haltung in das Heilige Grab in der Wallfahrtskirche von Weihenlinden in Oberbayern http://www.wallfahrt-weihenlinden.de/

 

 

Im Kirchenraum gibt es immer wieder Grabdenkmäler, die auch mit Bräuchen in Verbindung gebracht werden, die mit dem Element "Stein" zu tun haben. Der auffallendste ist das Durchschlupfen.

In der Domkrypta von Freising ist eines der besten Beispiele dafür: das Nonosusgrab. Es wurde 1161 errichtet.

Freising

 

Ein weiteres klassisches Beispiel ist im Dom von Bamberg. Dort kann man durch das steinerne Grab des Bischofs Otto (1102-1139) kriechen, wobei das heutige Hochgrab aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Bamberg

Weniger vollständige Aufnahmen des ganzen Körpers, sondern nur von Teilen davon, sind zu vermerken von:

- Amorbach (Ufr.): in der Westansicht des Altars soll es eine runde Öffnung geben, in die der Kopf gesteckt wurde
- S. Jost am Bürgen (Nidwalden, Schweiz): Im Altar soll ein Schacht gewesen sein, in den die Wallfahrer ihren Kopf gesteckt hätten, wenn sich Kopfweh gehabt haben
- S. Morand (Altkirch, F): Die am Boden liegende Grabsteinplatte des hl. Morand weist zwei runde Löcher auf. Vom Kopfweh geplagte Menschen hätten ihren Kopf hineingelegt, um Linderung dort zu finden.
- Kiliansgruft in Würzburg/Neumünster, errichtet um 1250

 

..wird fortgesetzt

 

 

 

 

 


Literatur:

ohne Verfasserangabe Schlupf-Altäre und -Grabmäler, Deutsche Gaue, V, 1903, S. 124ff.
ohne Verfasserangabe Schlupf-Altäre und -Grabmäler, Deutsche Gaue, Band 38, 1937 Kirchengruben - Schlupfaltäre, S. 87

Links:

Lochsteine und Durchkriechbräuche

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