Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Das Höhlenmotiv auf der Biennale 2026 in Venedig
Im chinesischen Pavillion
Seit vielen Jahren schon besuche ich diese wundervolle Ausstellungsreihe an diesem wunderbaren Ort am Rand Adria und schaue dabei auch mit einem Auge darauf, ob sich nicht etwas zum Thema "Höhle" findet. Meist werde ich da ja auch fündig.
Ich war gespannt, wie es diesmal sein würde.....
Beim Durchblättern des ART-Heftes vom Mai 2026 habe ich schon ein paar Hinweise auf "Höhlen" gefunden:
Auf dem Giardini-Gelände bespielen Tschechien und die
Slowakei den ehemaligen gemeinsamen Pavillion seit 1993 jeweils
abwechselnd. Dieses Mal zeigt das slowakische Duo "Selmeci Kocka
Juskos" eine Skulptur aus Sperrholz in der
"Maulwurfshöhle", so die Formulierung der Journalistin
Susanne Altmann. Sie werden "das höhlenartige Setting für den
filmischen Auftritt eines mittlerweile verzweifelten Maulwurfs namens
Mr. M. bereiten. In dem kafkaesken Bau leidet ein menschlicher
Darsteller, keine Trickfigur, unter dem Verlust von Geselligeit und
Lebenssinn. Je tiefer Mr. M. buddelt, desto mehr verwandelt sich der
frühere Schutzraum in einen Ort von Isolation und Abgrenzung..."
Altmann, Der Tscheche... S. 33
Im Litauischen Pavillion wird die
Dreikanal-Filminstallation "ANIMISM SINGS ANARCHY", 2026 von
Eglè Budvytytè gezeigt. Die Künstler in ihrer Performer "fühlen
sich in Choreographien und Gesängen in neolithische Wasserkulte
und Bestattungsriten ein. Die Aufnahmen wurden an der Küste in der
Nähe der Grotta Scaloria im Südosten Italiens gefilmt. In ihr waren
Ende der siebziger Jahre Funde gemacht worden, aus denen die litauische
Archäologin und Anthropologin Marija Gimbutas auf einen Kult mit
frauenzentrierten Göttinnen schloß. Gab es früher schon einmal eine
Göttinnen verehrende, friedliche, egalitäre und naturverbundenen
Gesellschaftsordnung? Fiel die später einem kämpferisch-hierarchisch
organisierten Patriarchat zum Opfer?
Die Performer rufen diese untergegangene Kultur wieder an, "in
engen Interaktionen mit Fotokopien, 3D-gedruckten antropomorphen
Figuren, Schlamm und Wasser." Rosenau, In der Filminstallation....
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https://www.preistoriainitalia.it/en/scheda/grotta-scaloria-manfredonia-fg/
https://www.itinerarinellarte.it/en/exhibitions/egl-budvyt-animism-sings-anarchy-padiglione-lituania-16154
Andreas Anglidakis hat für den griechischen Pavillion
den "Escape Room" gestaltet. Er geht "in seinem Projekt
in die Antike zurück und verbindet sie mit der Gegenwart: Platons Platos
Höhlengleichnis wird..zur Folie für eine Analyse unserer heutigen
Zeit, in der wir in digitalen Echokammern festsitzen und Falschmeldungen
wie Schatten über die Wände flackern - und Gesellschaften in den
politischen Extremismus abgleiten lassen..." Dillhof, Trümmerfeld
der Antike 5
In der Abteilung der Republik China gab es in mehreren
Abteilungen unterschiedliche Kunstwerke zu sehen. In einem verdunkelten
Rundgang war in Augenhöhe eine Landschaftsskulptur zu sehen, das etwas
Futuristisches an sich hatte. An mehreren Stellen ging es da hinein und
wieder hinaus aus den Bergen. Man hatte wohl auch an das Durchbohren von
Karstbergen für den Bau von Eisenbahnen gedacht.
Ganz spektakulär war eine Installation mit einem senkrechten
Lichtstrahl von oben nach unten, was ja so auch in Höhlen zu sehen ist.
Im spanischen Pavillion wurde die Arbeit von Oriol Vilanova "Los restos" gezeigt. Alle Wändel waren bis unter die Decke mit Postkarten beklebt, die der Künstler in den letzten zwanzig Jahren auf Flohmärkten und Secondhand-Läden zusammengetragen hat. Er "arbeitet im Zusammenspiel von Erinnerung, Vergessen und Fragilität zu Fragen nach dem, was übrigbleibt, was wir bewahren wollen. Wie werden Geschichten durch Alltagsgegenstände weitergegeben und vielleicht bewahrt." (Internettext). Es sollte isch eine Art "Anti-Museum" im Pavillion entfalten
Beim flüchtigen Hinsehen fielen mir an zwei Stellen Postkarten mit Höhlenmotiven auf. Wahrscheinlich gab es noch etliche mehr.
Der Oman war mit einer sehr eindrucksvollen Installation
vertreten: "Zinah" (Adornment).
In der Internetvorstellung des Kunstwerks heißt es: "Zīnah
(Adornment) is an immersive, kinetic soundscape that explores the
profound bond between the Omani people and their horses. Utilizing the
traditional al-zaanah (horse jewellery) as its primary
motif, the installation invites visitors to walk across a floor of Omani
sand. This movement triggers a responsive ceiling constellation of
upscaled silver pieces that chime in a “minor key” of delicate
resonance.
Mich hat das Werk eher an eine Schatzhöhle erinnert, auf dem Boden
echter Sand aus dem Oman, dunkle Wände an den Seiten und von der Decke
herab silbern glänzende und fein klingende Teile, auch wie scharfe
Stalaktiten aussehend. Es erinnerte mich an Ali Babas Schatzhöhle -
beauty lies in the eyes of the beholder. Aufregend.
https://www.labiennale.org/en/art/2026/oman-sultanate
Literatur:
Altmann, Susanne (2026): Der Tscheche Jakub Jansa und das slowakische Duo Semeci Kocka Jusko treffen sich im Maulwurfsbau, ART 5-2026, S. 33
Augen auf! Biennale Vernedig 2026, ART 5-2026
Dillhof, Raphael (2026): Trümmerfeld der Antike: Andreas Angelidakis inszeniert Platons Höhlengleichnis als Escape Room, ART 5-2026, S. 50
Rosenau, Mirja (2026=: In der Filminstallation von Eglè Budvytytè durchdringen sich Körper, Landschaften und alte Gottheiten, ART 5-2026, S. 40
Links:
https://www.labiennale.org/en/art/2026
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