Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

"Höhlen" auf der "Biennale" in Venedig

von 2001 bis 2013


Shary Boyle / Music for Silence / 2013


Es ist schon sehr seltsam. Wie kann an einem Ort, den es eigentlich für die menschliche Gattung kaum geben könnte, weil er ja mitten im Wasser liegt, in einer Lagune, überhaupt vom Phänomen der "Höhle" die Rede sein.

Venedig ist ein faszinierender Ort. Zwischendrin, zwischen allen vermeintlichen Sicherheiten, die das "Feste" verspricht und das Bewegliche, hoffentlich manchmal, spüren läßt, gibt es auch hier immer wieder Anklänge davon. Von der Leere und seiner Füllung, mindestens Halbfüllung oder ......


"Venedig, das sind wir
Ein fliegend Löwentier
Ein Funkeln Tag und Nacht
Aus Unvernunft gemacht...

André Heller


2013

Biennale Venedig 2013: Pavillons - komplette Liste / Der enzyklopädische Palast: Giardini. Biennale Venedig 2013

Spiegelt die Kunst die Verhältnisse? Das ist eine These, die so alt ist, wie die Menschen schon denken, können. Steht es also "schlecht" oder "gut" um uns? Wenn wir all das sehen auf einer Kunstausstellung, die nicht ganz zu Unrecht vorgibt, a leading role auf unserem kleinen Planeten zu spielen. Warum gibt es da gar so viele Anspielungen auf das Schwarze? Das, was da immer, scheinbar, als der Weg in die Helle vorgegeben war, die "Aufklärung", die stellt sich immer mehr als Plateau ins Leere heraus. Lautleere manchmal, denn die Tore waren zu, als ich zum Beispiel da war, als gerade einen Lautinstallation ablief. Ich ging weiter, zum griechischen Pavillion - wo es einen kluggescheite Installation über unser aller Vermittlungsmittel, das sog. "Geld" gab.

Die beste Idee fand ich den deutschen Pavillion. Der war nämlich zugemauert. Zu. Einfach zu. Kunst ist einfach nur so gut, wie sie Assoziationen hervorruft. Da kann ich als Speläophiler (Speläofiler - das geht nicht) einfach nur viele Anknüpfungspunkte wachrufen.

Zwei Highlights:

- Israel

Der Titel  der 5-Kanal-Video-Installation von Gilad Ratman ist "The Workshop" und stammt aus dem Jahre 2013. Sie besteht aus einem 8:01 minütigen Film der in Endlosschleife abläuft, 27 Portraits aus Ton, die von den Teilnehmern an dem Workshop geschaffen worden waren, hölzernen Standmöbeln, Mikrophonen, Kabeln und einem Mischpult. Der Besucher kommt in den dunklen Eingangsraum und ihm fällt sofort das Loch im Boden auf. So ein Loch ist auch später im Film zu sehen, das von unten mittels eines Motormeißels in die Decke geschlagen wird. Natürlich liegt das herausgeholte Material noch auf dem Boden herum. An der Wand läuft ein Film, soweit ich ihn angeschaut habe, über einen Mann an einem Mischpult. Auf zwei Wegen kann man ein Stockwerk höher im Halbdunkel steigen. Da liefen drei verschiedene Filme gleichzeitig und man mußte sich entscheiden, worauf man seine Aufmerksamkeit lenken wollte. Die Szenen im Kunstatelier waren schon sehr schräg und provozierend. So stellt man sich voller Vorurteile das Verhalten einer Gruppe Irrer vor, die beim Anblick ihrer Tonfiguren einen Anfall bekommen. Der Höhlenbezug kommt durch die anderen beiden Filme, die unter der Erde aufgenommen wurden und die Befahrung von echten Höhlen im Berg Karmel und von künstlichen unterirdischen Stollensystemen in Israel zeigen. Es gibt dazu ein Begleitbuch, in dem man wichtige Informationen dazu bekommt.

La Biennale di Venezia - National Participations: Israel

 
     
   

- Kanada

Das Grundmotto für die Show im kanadischen Pavillion sollte "Music for Silence" sein. Shary Boyle ist die Künstlerin. Hauptattraktion war für mich eine Art großes weißes Papiertheater, das als Bühnenbild eine nackte Frauenfigur vor einer Tropfsteinkulisse zeigte. Die wurde abwechselnd mal mit Bildern von Projektoren angestrahlt, mal auch dem weißen Licht ausgesetzt.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=I9is5Z7wC_E La Biennale di Venezia - National Participations: Canada

 
     
 

Im deutschen Ausstellungsbeitrag, der ausgelagert war in den französischen Pavillion, gab es Werke von 4 verschiedenen Künstlern zu sehen. Einer davon kommt aus Südafrika, der Fotograph Santu Mofokeng. Zwei Photos zeigten wohl Höhlenszenerien:

Im großen Haupthaus war ein Raum der tschechischen Künstlerin Zemanova gewidmet. Neben vielen selbst hergestellten Plastiken lagen auch verschiedene Bilder aus Büchern auf dem Tisch. Ein Bild zeigte eine Felsspalte in einer Höhle.

Indirekt war der Hinweis auf "Höhlen" im Ausstellungsensemble von Korea. Irgendwie hatte es sich herumgesprochen, daß es da etwas zu erleben gab. Lange Menschenschlangen vor dem Eingang waren das äußere Zeichen. Bevor man hinein durfte, mußte man einen Text lesen und seine Kenntnis mit seiner Unterschrift bestätigen. Man wurde vor den Gesundheitsgefahren gewarnt und im Zweifelsfall abgeraten, überhaupt hineinzugehen. War man einmal am Wächter vorbei, dann hieß es die Schuhe auszuziehen, ehe man das "Allerheiligste" betreten durfte. Im Grunde war es ein großes Glashaus, das mit Folien beklebt war und ein besonderes Licht zeigte. Deshalb kam man aber nicht hier herein. Das genaue Gegenteil einer solchen Lichtdusche wartete auf die Besucher, nämlich eine totale Dunkelkammer. Immer nur 6 Personen durften gleichzeitig hineingelassen. Genau geregelt war das alles, man bekam Nummernkärtchen und mußte warten, bis man dran war. Ein deutsches Paar fortgeschrittenen Alters wartete neben mir. Er, ein typischer Klugscheißer, ein "smart ass". Er riet seiner braven Frau, gleich einmal ein Auge zuzumachen und die Hand drüberzulegen. Dann ginge der Prozeß der Gewöhnung an die Dunkelheit schneller. Folgsam machte die Frau das dann auch. Die Gruppe vor uns kam aus dem schmalen Gang heraus, in den wir dann in dem schwarz ausgekleideten kleinen Raum, in dem wir gerade alle stehen konnten, verschwanden. Ausdrücklich waren wir vergattert worden, nichts zu sagen, da eben auch die Stille erlebt werden sollte. Wer seinen Mund nicht zu bekam, das war der deutsche Ks. Eine Minute hatten wir gerade da drinnen. Ganz finster war es doch nicht. Irgendwo leuchtete doch noch ein kleines Lichtlein. Was für ein Aufwand, um eine der ursprünglichsten Erfahrungen auch anderen zukommen zu lassen! In jeder Höhle  von einiger Größe kann man das auch erleben, aber wer macht das schon ganz bewußt einmal wieder?


2011

Der Titel der Ausstellung war diesmal ILLUMINAZIONI. 83 Künstler hatten Gelegenheit ihre Werke auf der meistbesuchten Ausstellung Italiens zu zeigen.

Aus speläologischer Perspektive gab es diesmal mit einer großen Ausnahme kaum etwas zu entdecken.

Der Pavillion von Griechenland war diesmal praktisch leer. Am Boden stand Wasser und man durchquerte den Raum auf eine Plattform. Ausgestellt war dort nichts
- eine Assoziation zu einer Wasserhöhle war möglich

Im Pavillion von Japan gab es einen verdunkelten Raum, in dessen Mitte
ein Blick in die Tiefe durch eine Röhre möglich war
- ein Motiv, das sich alle paar Jahre wiederholt

Im italienischen Pavillion endlich mal ein Gemälde: ein an Dali erinnernde surrealistisch gemalter Fisch mit einem höhlenartigen Durchbruch
Im Arsenale-Gelände eine Arbeit von Song Dong (Para-Pavillion):
Man betrat, mutig, eine schwarze Box. Immer geradeaus, dann wurde es ein wenig heller. Innen war wohl ein schallgedämmter Raum mit einem Lichtring, der dann auch wieder erlöschte, wenn man wieder hinausging.

In der Saudi-Arabien-Abteilung: rohe Felsfiguren, die an Sinterformen
erinnern

Besonders zu erwähnen ist "Crystal of Resistance" von Thomas Hirschhorn in Pavillion der Schweiz. Wer etwas höhlenkundlich gebildet ist, dem wird sofort die Ähnlichkeit mit der NAICA-Höhle in Mexiko auffallen. Tatsächlich kannte offenbar Hirschhorn die Photos davon und ließ sich von ihnen inspirieren. Allerdings schuf er keine Kopie von den Riesenkristallen, sondern wollte "überhastet und kopflos" handeln. Wer noch mehr über seine kunsttheoretischen Ideen darüber lesen möchte, hat in dem Flyer, der auch über das Internet zugänglich ist, ausreichend Gelegenheit. Mich überkamen keine erhabenen Gefühle, als ich das Gemisch aus Plastik, Silberfolie, Graffl und echten Kristallsteinchen durchschritt. CRYSTAL OF RESISTANCE - THOMAS HIRSCHHORN
 

2009 Turnusgemäß fand auch heuer diese "wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der Welt (Süddeutsche Zeitung 27. Mai 2oo9) statt, diesmal mit Daniel Birnbaum als Kurator und diesmal unter dem Motto: "Weltenmachen". Wer sich auf den Weg machte, wie immer im Giardini, dem "schönsten Kunstgarten, den es gibt", und in den ehemaligen Schiffswerften, dem Arsenale und der Corderie, und an zahlreichen anderen Plätzen in der Stadt, der konnte mit einem speläologisch geschulten Auge ein wenig an die "Höhle" und nahe verwandte Themen etwas ausmachen.

Eine Baumhöhle  
  "Höhle und Wohnen",
aber auch an "Erdstall"
denken lassend
Die Höhle war hier nur
indirekt angesprochen,
aber der suggestive Sog
in die Tiefe eines Sehschachts
war "thrilling".
Im russischen Pavillion:

Berge als lebende Wesen,
die ihren Mund öffnen können
und etwas verschlingen...

Ochsenmaul...

 
Ein "Felsdach", unter dem
jemand steht?, betet?
 
Einer dieser Länderräume,
in denen man von Dunkelraum
zu Dunkelraum schritt - und
drüber war alles begrünt,
alles so wie im karstigen
Mittelgebirge mit seinen Höhlen
und Schächten - in zivilisierter
Version
Die künstlichen Höhlen von
Bamian in Afghanistan
Gegenüber dem Arsenale:

Ein dunkler Raum, entstehend
durch einen Vorhang, der nur
hell wurde, wenn man hineinging

Drinnen sah man nichts mehr,
weil es dunkel war - und kein
Licht drinnen installiert war,
ganz so wie in der "Höhle"

 
Alessandro Verdi in der
Fondation Mudima:

Ganz einfach an einen Mensch
in einer Höhle nach einem
Schacht erinnernd

 

 


2007 war wieder Biennalejahr und es kamen viele. Auch ich. Und ich habe wieder einmal nach "Höhlen" Ausschau gehalten. Und wurde fündig.

Der einzige Bezugspunkt aus speläologischer Sicht war der kanadische Pavillion, in dem die Werke "The Index" und "The Giant 2" von David Altmejd gezeigt wurden. Man sah einen verspiegelten Kasten, dessen Innenraum in tropfsteinhaltige Hohlformen mündeten. Der Riese war eine Spiegelfigur, die schon in einen Verwesungsvorgang übergangen sein sollte, in dem sich schon große Löcher befanden, in denen dann sogar schon rote Stalaktiten gebildet hatten, und an dessen Oberfläche schon das Moos und die Pilze wuchsen. Da einen "tieferen Sinn" drin zu suchen oder irgend etwas Avantgardistisches zu finden - selbst die Kunstkritiker sind da sehr verunsichert und ob man sich an diese "Kunstwerke" noch in einigen Jahren erinnern wird?

Links zu David Altmejd

Galerie de l'UQAM

LEMON HOUND David Altmejd


"Höhlen" auf der Biennale in Venedig 2005

 

Auf diesem Schaumarkt moderner Kunst, der dieses Jahr zum 51. Male schon in Venedig stattgefunden hat, schau ich immer, ob es nicht etwas zum Thema "Höhle" zu finden gibt. Das ist nicht einfach, aber bei gutem Willen findet sich immer was. Auch dieses Jahr.

Der Bezug war am stärksten im österreichischen Pavillion. Hans Schambus hat das Gebäude einfach mit einem Berg überbaut, der nur an wenigen Stellen noch herausschaut. Der "Berg" ist nicht aus Stein, sondern besteht aus einer Holzkonstruktion, die mit grauer Dachpappe verkleidet ist. Von außen ist schnell alles angeschaut, spannender ist es innen drin. Man betritt das Gebäude durch die einzige Pforte, gewissermaßen den "Höhleneingang". Auf hölzernen Stegen geht es ins Innere der "Holzhöhle", die aus einer großen Zimmermannskonstruktion besteht. Sie ist labyrinthisch angelegt auf mehreren Ebenen. Es gibt da Sackgassen, gesperrte Teile, eine Art versteckter Kammer mit offener Tür (mit Postkarten eines Stolleneingangs und von einer Person, die sich auf einer Strickleiter neben einem Wasserfall bewegte), Ausgucke, die sich nur von innen öffnen ließen. Der Kritiker der Süddeutschen Zeitung beschrieb das Ganze als "Modelleisenbahnlandschaft, die den Dolomiten alle Ehre macht" und das Innere als die besagte "Zimmermannskonstruktion", die den gebildeten Betrachter gleich an Piranesis Zeichnungen erinnerte.

Erstaunlich war diesmal, wie viele leere Räume diesmal gezeigt wurden, die jeweils andere "künstlich" überhöht wurden.

Besonders gut fand ich den rumänischen Beitrag. Der Besuch betrat einen großen leeren schwarzgestrichenen Raum. Das war alles. Es fiel vielleicht noch auf, daß alles ziemlich runtergekommen aussah. Am Eingang konnte man dann einen kurzen Kommentar dazu lesen. Es sollten die Auswirkungen Europas, wohl besonders der Europäischen Union auf das Land dargestellt werden. Da drückte sich wenig Hoffnungsvolles aus, "akkurate Trostlosigkeit" nennt es der SZ-Schreiber.

Im deutschen Pavillion gibt es so einen völlig leeren Raum. Am Eingang dazu standen zwei hübsche Italienerinnen, die einen ansprachen und fragten, ob man Lust hätte einzutreten. Es würde sich schon für einen lohnen. Eine Minute reden über die Marktwirtschaft würde damit belohnt, daß man sich den halben Eintrittspreis, immerhin 5 €, zurückbekäme. Hier kehrt sich ja geradezu der moderne Kunstbegriff um. Kunst kostet da den Künstler oder den, die ihn fördern, richtig was. Die Idee zu diesem "Kunstwerk" hatte Tino Sehgal, momentan 29jährig, Volkswirtschaft und Tanz studiert habend - nicht schlecht!

Im norwegisch-schwedischen Pavillion hatte man auch auf alles verzichtet. Reine Leere unterm Betondach. Ist nicht in den Höhlen auch die Leere die Hauptsache?

Im italienischen Pavillion gab es an zwei Durchgänge zu sehen, vor allem aber zu erleben. In einem hingen lauter kleine Säckchen an den Wänden und im anderen waren Ventilatoren in die Decke installiert, die Wind erzeugten - ein Windtunnel. Das Gefühl kann man im Eingang der Eisriesenwelt noch viel besser bekommen. Ein Raum war, fast schon, wie üblich, völlig leer gelassen worden, der Künstler hatte nur mit irgend einer Hacke Löcher in die Wand und in den Boden geschlagen.

Im Arsenale-Ausstellungsgebiet gab es zwei Installationen, die das völlige Eingeschlossensein in ein "Kunstwerk" thematisierten. Ein rundum umspiegeltes Gebilde war auch innen drin eigentlich nur Spiegel. Um es zu erleben, mußte man sich meistens anstellen und durfte dann die sechseckige dunkle Spiegelkammer betreten. Die Tür schloß sich hinter einem und es war zuerst mal völlig dunkel. Dann schaltete sich ein Projektor an und man bekam eine seltsame Tanzszene zu sehen, die sich bei den vielen Spiegeln natürlich x-fach wiederholte. Die menage-à-trois war das Thema. Zwei Männer, eine Frau, irgendwie gespenstisch. Das umlagerste Kunstgebilde war in einer großen Halle eine Art riesiger glänzender Kunststofftank, in den geduldigen Warter irgendwann auch selber mal hineindurften, um die "Wunder" im Innern selber mal zu erleben. Mir genügte das draußen.

Noch eine kleine Assoziation. Im neuseeländischen Pavillion gab ein einziges "Kunstwerk" zu sehen. Auf eine Wasserfallwand wurde von hinten eine kleine Filmszene projiziert. Der Rest des Raums blieb im Dunklel - die Höhle hinter dem Wasserfall.

Literatur:

Wyss, Beat Zeit ist Kunst!, Süddeutsche Zeitung Nr. 132, 11./12. Juni 2005, S. 15
Liebs, Holger Auf Entzug, Süddeutsche Zeitung Nr. 121, 10. Juni 2005, S. 13

 


"Höhlen" auf der Biennale in Venedig 2003

Geht den Künstlern im neuen Jahrtausend auch noch eine Naturerscheinung durch den Kopf, die schon bei den ersten Künstlern dieser Erde, soweit wir noch Kunde davon haben, die "Höhle"?

Die haben in Höhlen gemalt, geritzt und gezeichnet - so stellt es sich jedenfalls heute dar. Jedenfalls haben sie haben nicht "die Höhle" dargestellt. Aber gibt es noch diesen Bezug? Zeitgenössische Kunst und Höhle? Seit Jahren verfolge ich dieses Thema und werde jedesmal fündig. Auch diesmal.

Die BIENNALE ist immer einen Besuch wert und Venedig, der Veranstaltungsort, natürlich auch. Wo gab es diesmal Anknüpfungspunkte?

In zwei Pavillions war er am deutlichsten, im japanischen und im Schweizer. Wer Details finden will, der sollte sich im Ausstellungskatalog die Informationen holen. Die japanische Ausstellung stand unter dem Motto "Heterotopias (Other Spaces" und als Künstlernamen sind Motohiko Odani / Yutaka Sone angegeben. Ich habe die Darstellung einer Insel ausgemacht, die einen ganzen Raum füllte. Beim genauen Anschauen des Modells wartete ich im Grunde nur darauf, daß da auch irgendwo eine Brandungs- oder Strandhöhle mal auftauchen sollte. Und da war die dann auch.

Hinter dem Inselmodell befand sich die Werkstatt des Künstlers. Soweit ich das alles verstanden habe, sollte das ein "work in progress" sein, d.h. es wurde immer noch daran gearbeitet. Vor dem nächsten Raum wurde man bereits davor gewarnt, daß man gleich mit Stroposkopblitzen rechnen müsse. Man durchschritt eine Vorhangtür und tatsächlich wars dahinter finster. Wie bei der Höhlenfotographie trafen einen "Gegenblitze", die einen von der Decke hängenden Plastikstalaktiten von mehreren Metern und ein Blumengebilde in kurzzeitiges Licht tauchten. Dann hellte sich die Raumbeleuchtung insgesamt mehr auf und der ungetrübte Blick auf dieses Kunstnaturgebilde war uneingeschränkt möglich. Was dann noch kam, das ist für dieses Thema nicht mehr wichtig.

Im Schweizer Pavillion war eine Ausstellung von Werken der Künstlerin Emmanuelle Antille. Auf 4 Projektionsleinwänden wurde da eine Geschichte erzählt, in einem weiteren Raum hingen verschiedene Fotos von Menschen in der Natur. Und genau hier gab es zwei Höhlenfotos, ein Eingang und ein Ausgang. Möglicherweise ist das auch keine natürliche Höhle, sondern eine künstliche.

Im übertragenen Sinne gab es bei mehreren anderen Künstlern Anklänge an Höhlenmotive. An erster Stelle ist hier Olafur Elliason zu nennen, der den dänischen Paivillion gestaltet hat. An vielen Stellen waren Sichtlöcher, die den Blick nach drinnen und draußen ermöglicht haben. Ein Höhepunkt war die Metallkonstruktion, die einen in eine Spiegelwelt wie im Innern eines großen Kristalls entführte. So könnte es in einer riesengroßen Druse aussehen.

Weitere Höhlenassoziationen:

Steinwände Lochsteine
unebener Boden Körperhöhlen
Baumhöhlen beengte Räume

 



"Höhlen" auf der Biennale 2001
Was ist eine"Höhle"? Eigentlich ist sie auch nur eine "Erfindung" des Menschen, denn er legt fest, was für ein Gebilde als "Höhle" gilt und was nicht. Ein Wurmloch gilt nicht als "Höhle", genauso wenig eine vom Menschen gebaute "Grotte" oder ein Haus. Wir tragen die Höhlenidee als einem antropozentrischen Begriff inzwischen alle längst mit uns herum, und gelegentlich manifestiert sie sich durch uns auch wieder.
Es war ein reizvolles Thema für mich, auf der Biennale 2001 in Venedig nach "Höhlen" zu suchen. Gezeigt hat sich, natürlich nicht überraschend, daß ganz andere Themen heute in der Kunst aktuell sind. Aber umso bemerkenswerter waren dann doch die wenigen Spuren, die ich doch entdeckt habe.
Einen direkten Bezug konnte ich nur 2 mal ausmachen.

  hier

und hier


Assoziationen an "Höhlen" kamen mir bei folgenden "Items":

Erinnerung an Baumhöhlen

Von etwas überwölbt werden, ein
bekanntes Gefühl bei Höhlenforschern
- das große M, eine zeitgemäße
Variante



Sieht aus wie ein Stück Höhlenboden
mit einem Wasserloch drinnen



Menschen unter der Oberfläche

Die rostbraune Außenhaut von


Die geölten Basaltsäulen von Beuys
> Fingals Cave



Das Labyrinth - Urbild unterirdischer
Räume



Der leere Raum mit rauhem Boden



Hängende Deckenstrukturen
- Stalaktiten einer anderen Art


Wo das jeweils gewesen ist, dazu sollte man auf der "Biennale" gewesen sein.

Das Assoziationspotential ist reichlich. Von der "Körperhöhle" über die "Baumhöhle" bis zum überwölbten oder vorgegebenen Raum (z.B. in der wunderbaren Installation von Richard Serra, für mich das Highlight der Ausstellung).

Literatur:

Liebs, Holger Der Sumpf als Skulptur, Süddeutsche Zeitung Nr. 120 / S. 15, 27. Mai 2009

Links:

 


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