Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

50 Jahre VHM und Jahrestagung des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher in Aschau 2004


Klaus Vater und Dieter Heyse als Höfos aus den 50er Jahren bei der "Modenschau"


Kunst und Höhle 2004

20. Mai 2004 Anthropospeläologische Führung durch den Chiemgau

HÖREPSY 2004


"Ein Mensch, von Redeflut umbrandet,
Hätt seine Wahrheit gern gelandet,
Ein feines Wort, mit Witz gewürzt....."
............................................................................................................Eugen Roth, Lebhafte Unterhaltung


Haben wir Münchner langsam einen Ruf, daß wir gute Verbandstagungen ausrichten? Nach Garmisch 1997, von der ich von vielen gehört habe, daß sie noch heute gerne dran denken, weil sie so gelungen war, nun Aschau 2004. Ich glaube, es ist uns wieder gelungen, etwas zu schaffen, was die Engländer "you hit the nail right on the head" nennen.

Genau, das haben wir getan. Unendlich viel Arbeit steckt hinter der scheinbaren Mühelosigkeit des meist reibungslosen Abrollens des Programms. Aber überall lauern die Stolpersteine. Da ist es eine schwache Batterie in einem Mikrophon, da ist es ein fehlender Adapter zwischen diesem technischen System und einem anderen, und da ist auch noch das "Wetter". Für die ersten beiden Tage schienen die Götter uns sehr wohl gesinnt gewesen zu sein, später kam dann der Regen dran und am Ende hatte ich sogar weiße Graupelbällchen auf der Windschutzscheibe.


A week after. Ich kann nicht anders. Ich denke zurück, was vor einer Woche gewesen ist um diese Zeit. Jetzt standen wir alle schon in der Warteschlange, um an das köstliche Essen in der Festhalle zu kommen, oder, wir hatten es schon vor uns, und genossen das wirklich gelungene Festmahl (wenn ich da zurückdenke an den Wirt in der Festhalle von Farchant 1994! Da war ein Abzocker am Werk, der gerade soviel nur auftischen ließ, daß die Letzten nur noch mit Miniportionen davonschleichen mußten. Und der geradezu "fürstliche Preise" für seine mindere Leistung dafür verlangte. Auch so ein Beispiel für einen Gier statt einen Wirt). Hier war es anders. Gaumenkitzler in Fülle. Keiner zwang das alles in sich hinein, was da geboten war.

Wir hatten schon den "anstrengenden Teil" des Abends hinter uns, vor uns lag nur noch eine Diaschau von mir über die Höhlen der Bayerischen Alpen (auf 100 Dias hatte ich mich beschränkt) und am Ende noch Werner Zaglers und Gertrud Keims Bilderreise durch die Höhlen Europas. Jedenfalls dachte ich das so, weils im Programm stand. Aber da gab es überraschungsmäßig noch eine gut angedachte Höhlenmodenschau (Warum frägt jemand den Wolfgang Siersch, nur milde Kommentare zu Beates Anmerkungen zu machen? Humor tut "weh", wenn er echter ist! Trifft genau unsere schwachen Stellen. Der Wolfgang konnte nichts dafür, daß so mancher Gag leider ein bisserl fad war. Das lag an seiner "Vorgabe".).

"Höhlenforscher sind Menschen mit einem Mangel an Selbstschonung." Der deutsche Philosoph Hans Blumenberg hat in seinem Buch "Höhlenausgänge" diesen Satz geschrieben, neben 10000 anderen, aber der blieb sofort bei mir hängen. Ich begann meinen Teil des Jubiläumsvortrags damit. Ein Satz, der unter die Haut geht, und für mich gewissermaßen die Prüfungsfrage für einen "richtigen" Höhlenforscher ist. Wieviel hältst du aus? In den Höhlen halten wir soviel aus. Da sollen ein paar schwache Worte uns umwerfen? Bei den "richtigen" Höhlenforschern habe ich das noch nicht erlebt. Bei den "fakes", da war das bemerkenswerterweise schon des öfteren der Fall.
Kritisch wird es beim Sterben und beim Tod. Das/den mußte ich des öfteren in meinem Vortrag vorbringen. Es ist einfach so. Reinhard, Christian, Mario, Günther, Poldi, Klaus.. ich bleib mal bei den Vornamen. Davon zu sprechen, das fällt mir immer noch nicht leicht, wird es auch nie sein . In Farchant hatte ich mir vorgestellt, daß ich ganz einfach zu Beginn über die "dead" reden könnte, um daran ein paar Gedanken an die "living" und die "unborn" anhängen zu können. Ich habe es nicht geschafft. Die Tränen in meinen Augen über die weggegangenen "Kameraden", wer benützt heute dieses Wort heute noch?, "Freunde", sie brachen einfach hervor, stoppten den Wortfluß.
Ich hoffe, daß nicht nur die Melancholie meine Rede bestimmt hat, sondern auch die Lebensfreude. Die wird natürlich ganz besonders spürbar, wenn man "Neues" (immer nur eine Reflexion des "Alten") "entdeckt". Daß dieser Begriff auch völlig schillernd ist, das habe ich hoffentlich auch "rübergebracht". Denn was ist schon "Entdeckung"? In unserer Zeit ist es oft ein Steigen auf die Schultern eines andern, um es bildlich auszudrücken. Und das passiert ja dauernd bei uns. Nur ist es halt unfein, wenn man die Grundlage, auf der man stand, einfach weggelassen hat, um selber ein bißchen "größer" zu erscheinen. Also die Vergangenheit auszublenden. Stichwort: Münchner Höhlengeschichte Teil 2 (Weglassen der "Vorgeschichte der Münchner Höhlengeschichte").

Dolfi hatte den Teil vor mir und machte das gekonnt. Besonders gut gefiel mir, als er sagte, daß er vom vorgegebenen Text abweichen würde, und einiges frei vortrug. Nach mir kam Stefan Glaser, der seinen Teil gekonnt vortrug. 50 Jahre Vereinsgeschichte zusammenkomprimiert auf 60 Minuten. Überall spritzte es bildlich links und rechts heraus, all das, was wir nicht erwähnt hatten. Es ging nicht anders. Aber wir haben keinen Schmarrn erzählt, sondern an die Herzarterien des Geschehens gerührt.

Eine große Aufgabe war geschafft. Es ging ans Essen. Und ans Aufarbeiten. Ich hatte das Gefühl, daß nach unserem Vortrag im Saal eine Stimmung herrschte, die war einfach "anders". Friedlich, gut, wohlwollend. Da kam eine Dame auf mich zu und sagte, daß sie meine Bemerkung, daß man die "Sägezahnmesserepisode" im Münchner Höhlenbuch Teil 1 nachlesen könne, weshalb ich sie in meinem Vortrag nicht zu erzählen gebraucht hätte, einfach gut fand, weil es sie angeregt hätte, auch dieses "alte" Werk mal zu lesen. Da kam er der Entdecker der Klauswandhöhle auf mich zu, und erzählte mir seine Story. Für mich fast unglaublich, aber wunderbar, weil sie soviel mit "Körper und Höhle" zu tun hatte. Das war eine Sternstunde für mich.

Einen Streifzug durch die Höhlen der Bayerischen Alpen unternahm ich nach Essen und Modenschau mit den Besuchern unserer Jubiläumsfeier. Es war für mich ein großes Dankeschön für die vielen Menschen, die dabei gewesen sind, wenn ich den Verschluß der Kamera geöffnet habe. 100 Bilder wollte ich nur zeigen, ein paar Tausend hätten es sein können. Aber wie hat nicht der weise Goethe schon gesagt: "In der Beschränkung zeigt sich erst der wahre Meister". Der schönste Kommentar hinterher stammte von einem unserer größten gegenwärtigen Talente: "Ich habe viele neue Anregungen von diesem Vortrag bekommen." Mehr könnte ich gar nicht mehr gesagt bekommen. Noch immer gilt für mich das, was der englische (warum sagt eigentlich kein "Deutscher", so etwas?) Philosoph Edmund Burke einmal so formuliert hat: "the pact between the dead, the living and the unborn". Es geht darum, das, was wir erlebt und erfahren haben, weiterzugeben. Wir sind auch nur "Durchzugsstationen". Mehr oder weniger bald verstreut über Gräber, Aschenurnen oder Ozeane/Himmel.

Vielleicht haben unsere Kinder ja noch eine Zukunft (Bei der Politik, die derzeit gemacht wird, habe ich tiefste Zweifel. Aber bei denen, die sich anschicken, "alles besser zu machen", insbesondere denen, die noch ein "C" im Schilde führen, da erst recht. Sorry, ich erlebe, erleide, das ja gerade (Kürzung des Urlaubsgelds/ Weihnachtsgelds/ Frühpensionsierungsregelungen -. perspektivenloses Herumirren im Nichts - CSU / Mit Laptop und Lederhose) . Aber deren Kinder? Solange auf unserer Erde keine Unterscheidung getroffen wird zwischen "Wirtschaft" und "Gierschaft", da sehe ich Schwarz für die Zukunft! Und dafür sind die "Höhlenforscher" doch die Spezialisten! Die sogar auch ohne Licht ins Innere der Mutter Erde vordringen! Auch ohne Atomstrom und regierungsamtliche Absicherung. Das sollte man wirklich den "Spezialisten" vorbehalten.

Ich hoffe, daß sich jemand findet, der seine Erlebnisse und Beobachtungen, vielleicht als Korrektiv zu meinen, auch irgendwo niederschreibt. Ich kenne von unserer Tagung in Garmisch 1997 z.B. fast keine Äußerung. Schade. Aber was ich gelesen habe, das war gut.

Eine Kritik der Tagung findet von Dieter Preu findet sich inzwischen schon auf der Webseite der FHKF, und die ist schon sehr positv ausgefallen. Danke, Dieter.


 

Bilder aufgenommen noch vor dem großen Sturm am 16. Mai 2004

- ein erstes Anschuppern auf das "Große Ereignis"

und alles im Schatten der Kampenwand, auf die ich,
..wenn ich mit meiner Wampn kannt..

preview
Die Leute vom Empfangsbüro am Mittwochabend

rechts im Bild ist Marcus Preißner zu sehen,

einer von vielen, die "ehrenamtlich" und wirklich, ich muß es schon pathetisch schreiben, sich "aufopfernd", dort tätig waren - was für Fremdwörter in unserer heutigen Gesellschafts- und Wirtschaftsform!

Nächtliche Szene am Mittwochabend - noch vor dem großen Sturm
Am VHM-Verkaufsstand in der Festhalle
Zu Füßen der Burg Hohenaschau fand alles statt
Die Wagenburg vor der Festhalle
Die Eröffnungsrede von Harald Reiner, unserem derzeitigen Vorsitzenden
Der Bürgermeister

- was für ein Glück! Herr Öttl!

er hat für uns das Rathaus für die Höhlenkunstausstellung ohne große Fisematentchen freigegeben. Danke. Ganz einfach.

Dieter Preu aus dem Nürnberger Raum bei seinem Grußwort
Die Cramer-Familie und Dolfi Triller - unsere Ehrenmitglieder
Frau Käthe Cramer, unser Ehrenmitglied
Dolfi Triller bei seinem Teil des Festvortrags
Franz Lindenmayr (ich!) bei meinem Teil des Festvortrags

rechts bin ich, kaum, 25 Jahre jünger als schmutziger Höfo zu sehen

Ein Blick in die Festhalle mit 300 Besuchern
Das Jubiläumspublikum
René Scherrer von OGH beim Festmenü

- er feierte dort seinen 71ten Geburtstag

Ein kleiner Teil des Nachspeisen des Festmenüs
Links der Entdecker der Klauswandhöhle

rechts Reinhard Wagner, der Vermesser und Neulandentdecker im selben Loch

Die Speläomodenschau

- das Finale

Das "Nummerngirl"

Steffi von Schubert tanzte uns das herrlich vor

Jörg Obendorf als Performancekünstler
Am Schluß ein Gag: ein Blick in die Zukunft des Höhlenmaterials: ein Helm mit Airbag
Toni Müller und Walter Klappacher - zwei echte "Voranbringer" - nicht nur Hinterherabsauger
Der diesjährige Benno-Wolf-Preisträger:

Stefan Zaenker

Ein "unvollständiges" Portrait von Stefan
Noch ein öffentlich Geehrter: Sven Kull für seine enorme Organisationsleistung für die Tagung

Andi Wolf bei der Überreichung eines Lechuguilla-Buches

Ein Supergag:
ein Steigwettbewerb,
allerdings "nur" mit Miniaufsteigern
Nach dem offiziellen Teil: das angeregte Gespräch im Vorraum der Festhalle
Michael Laumanns, unser Verbandsvorsitzender im angeregten Gespräch
Höfos finden doch überall Herausforderungen, und wenn es nur ein schmaler Schlitz zwischen einer Gerüststange und einer Hausmauer ist
- Christian Höhne beim Versuch, da durchzukommen
Gleich daneben ein modernes Prüfgerät für Höhlenforscher:

eine aus Holz gemachte Schlufhöhle

Karl Blimetsrieder im "Schlufknick" der "Höfoprüfmaschine"
Gemütliches Frühstück im Bus

- die Brunners: cornerstones der Tagung

Die Zeltstadt vor dem Festgebäude

im Hintergrund die Ausläufer des Laubensteins

Donnerstag morgen, da war noch schönes strahlendes Wetter

Sammelplatz für die Exkursionen
Ein weiterer Hauptschauplatz der Veranstaltung:

das Burghotel



Literatur:

Verein für Höhlenkunde in München 50 Jahre Verein für Höhlenkunde in München e.V., Der Schlaz 102, Mai 2004
Roth, Eugen Mensch und Unmensch, Carl Hanser Verlag, München 1983

Links:

vhm.htm


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