Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher 2017 
in Laichingen / Schwäbische Alb

 


"Die Menschen sind ihre Geschichten." Odo Marquart 264


Seit ich diesen Satz gelesen habe, liebe ich ihn. Wir sind unsere Geschichten. Es gibt auch noch andere Aussagen. Wir seien lediglich das, was in unseren Genen festgeschrieben ist. Was wir auf die Waage bringen. Was der Arzt festhält.

Wir sind viel mehr. Zum Beispiel unsere Geschichten...

Eine schmerzliche Geschichte ging mir schon lange durch den Kopf. Bei der letzten Tagung in Rübeland begegnete ich unversehnds auf, ja, wie war doch sein Name? Elmar Hammerschmidt. So schnell geht das. Ein paar Monate nicht mteinander kommuniziert, und schon hat man Schwierigkeiten, um sich überhaupt noch an den Namen zu erinnern. Elmar erzählte mir von seiner Idee, das Gemälde von Carl Spitzweg von dem Zwerg in der Höhle zu erwerben. Seine Geldmittel reichten wohl nicht, aber daran denken darf man dann doch wohl. Wenige Wochen später bekam ich die Nachricht vom Tod von Elmar - wieder so ein Tiefstschlag, den ich kaum "weiß", wie man ihn verarbeiten soll. Aber wenigstens habe ich ihn noch einmal erlebt, z.B. im Hotel vorher beim Frühstück.


"Fui gschwäzt, a weng dreckig gemacht" Kurzkommentar eines Teilnehmers

Über so ein großes Erlebnis wie diese Tagung zu schreiben, das ist nicht einfach. Jeder erlebt etwas anderes, trifft andere Menschen, besucht andere Plätze bei den Exkursionen, hört anderen Vorträgen zu, schläft woanders, ißt woanders. Es gibt keine Zwei, die das selbe Bild von diesen 4 wunderbaren Tagen in und um Laichingen haben.

Offiziell begann die Veranstaltung am Donnerstag, den 15. Juni 2017, und endete am Sonntag, den 18. Juni 2017. Tagungsort war die Daniel-Schwenkmezger-Halle und das Albert-Schweitzer-Gymnasium am Westrand von Laichingen auf der Mittleren Schwäbischen Alb. Anlaß war das 125jährige Entdeckungsjubiläum der Laichinger Tiefenhöhle und das 70jährige Gründungsjubiläum des Höhlen- und Heimatvereins Laichingen.

Nach Laichingen kam der Verband der Höhlen- und Karstforscher schon zum vierten Male nach 1926, 1956 und 1978. An das Treffen 1978 erinnere ich mich noch aus einem besonderen Grund. Ich war mit meiner Familie für einige Wochen in Großbritannien gewesen. Auf dem Rückweg schauten wir noch kurz bei der Tagung abends vorbei und fuhren am nächsten Morgen weiter nachhause. Für einen kurzen Moment wunderte ich mich, warum die Autos hier alle auf der falschen Seite fuhren, ich bewegte mich doch "vorschriftsmäßig" links! Da wurde es mir schlagartig klar - ich bin ja nicht mehr in England, und wechselte sofort die Fahrbahnseite.

4 Tage lang gab es ein großes Programm, so daß für jeden etwas dabei war. 

Donnerstag traf man sich um 11 Uhr am großen Sammelplatz an der Schule zu den Exkursionen. Es gab sowohl Oberflächentouren (Wanderung über dem Blauhöhlensystem, Archäologische Exkursion im Ach- und Blautal, Geißentäle....) wie auch Höhlentouren. Von der leichten Spaziergangshöhle bis zur harten Höhlentour war alles geboten, vom Hohlen Stein bis zur Hessenhauhöhle und bis zum 4. Siphon in der Falkensteiner Höhle. 
Ich hatte mich für die Wanderung im ehemaligen TrÜPl Münsingen entschieden. Einige Wege darin sind ja heute für die Öffentlichkeit freigegeben, aber wir hatten die Gelegenheit weitere Regionen zu sehen. Klaus Nagel machte seinen Job hervorragend und hatte am Ende sogar noch ein Highlight zu bieten. Nach endlosem Marsch über die weiten grünen Flächen der Alb stoppten wir an einem Grabungsprojekt der Arge TrÜPl, einer Doline, die sie seit Jahren ausgraben, wo aber der Durchbruch in den darunter vermuteten Abschnitt der Blauhöhle noch nicht gelungen ist. Aus der Tiefe wurde ein Eimer gezogen - gefüllt mit gekühlten Apfelsaftprodukten, die wie himmlicher Nektar die Gurgel hinunterflossen. Danke! Abends trafen sich alle an der Laichinger Tiefenhöhle, wo auf dem Vorplatz Biertische und -bänke aufgestellt waren. Es kamen so viele, daß noch Nachschub geholt werden mußte. Irgendwann begann es zu regnen und die fröhliche Versammlung löste sich langsam wieder auf.

Am nächsten Tag gab es nebeneinander ein Exkursions- und ein Vortragsprogramm, so daß man sich entscheiden mußte, was man unternehmen wollte.  Mir blieb nur das Vortragsprogramm, weil ich selber darin vorkam. Zweimal trat ich dort auf mit "Die Entdeckungsgeschichte der Schneevulkanhalle in der Schwarzmooskogelhöhle/Totes Gebirge" und "Höhlenexpeditionen im Februar 2017 in der Provinz Khammouane / Laos". Um 17 Uhr erzählte Rainer Straub vom Stand der Blauhöhlenforschung und diesen Vortrag ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Dabei war dieser "Stand" schon einen Tag danach wieder überholt. Einem Taucher gelang ein neuer Vorstoß in Richtung Hessenhaushöhle von der Blauhöhle aus und verkürzte den Abstand um weitere 150 m. Es wird vielleicht nicht mehr lange dauern und aus den zwei separaten Höhlen wird eine! 
Der Abend war mit einer ausgezeichneten Veranstaltung gefüllt: Mit einem Jubiläumsabend wurde gefeiert und auch die Laichinger Bürger eingeladen. In einer Rückschau wurden die Entdeckung, die Erforschung die Erschließung der Laichinger Tiefenhöhle ("Dreppe butze"..) und die Entwicklung des Vereins dargestellt. Man zog alle Register: kurze Filme auch mit Interviews der Veteranen, Bilderserien, Schauspielsequenzen mit einer Gesangseinlage von André Abele (..show me the way to the whisky bar..), eine große Mitgliederehrung für 50-, 60-, gar 70jährige Mitgliedschaft. Die Zeit verflog nur so. Am Ende eröffnete die Speläobar und machte bis weit nach Mitternacht nicht mehr zu. Es gab Cocktails mit raffinierten Namen (sex in the cave, Karstwasser..) zu vernünftigen Preisen, alles prima.

Der Samstagmorgen war traditionsgemäß mit der Regulierung der Verbandsangelegenheiten gefüllt. Die Jahreshauptversammlung wurde souverän von Friedhard Knolle geleitet und sicher zu einem Ende geführt. Nach der Präsentation der Arbeit des Vorstands im engeren Sinne, Bärbel Vogel und Andreas Wolf,  kamen auch die Referenten dran und berichteten durchaus Zuhörenswertes. In der Sächsischen Schweiz etwa taxieren sie ihre Höhlen nach Schlufschwierigkeitsgraden. Und das mußte einer aus so einem grenzwertigen Gänglein auch wieder herausgeholt werden, weil er es aus eigener Kraft nicht mehr schaffte, da auch wieder herauszukommen. Es ging auch um die Mitgliedschaft des deutschen Verbandes bei der europäischen Höhlenrettungsorganisation ECRA, um die Errichtung eines zweiten Höhlenrettungssolidarfonds (Migliedschaft ist ab 60 Euro möglich bis 600 Euro. Es wird gehofft, daß damit rund 100.000 Euro eingesammelt werden können) und vieles andere. 
Ab 14.30 Uhr gab es dann wieder Vorträge, z.B. über "Projektfinanzierte Höhlenforschung", den "Schwäbischen Höhlenverein", die "Expedition Hessenhauhöhle" und zum Schluß auch wieder einmal über das Riesending ging.
Auch an diesem Abend gab es ein öffentliches Programm. Zuerst wurden verdiente Höhlenforscher geehrt: Wolfgang Ufrecht bekam den Benne-Wolf-Preis für seine großen Leistungen und Daniel Gebauer wurde Ehrenmitglied im Verband. Da haben zwei, die sich wirklich sehr verdient gemacht haben, geehrt. Dann hielt Wolfgang einen großen Abendvortrag, der eine "Hommage an die Landschaft der Schwäbischen Alb" und die Bedeutung des Wassers auf und in ihr sein sollte. Von Andreas Schober stammten viele der Bilder und so daß für große Qualität gesorgt war. Anschließlich gab es dann wieder "Speläobar".  Einer blieb irgendwie übrig. Der schlief einfach in seinem Gewand auf der Teerfläche vor dem Eingang ins GebäudeAm Sonntag gab es noch einmal Exkursionen. Diesmal wollte ich ursprünglich mit in die Marterenhöhle, aber als mir gesagt wurde, daß ich da große Schwierigkeiten schon beim Einstieg ins Loch hätte, disponierte ich um und folgte der kleinen Gruppe ins Tiefental. Andreas Scheurer kannte sich sehr gut aus und so besuchten wir im Laufe des Tages mehrere meist kleine Schachthöhlen und am Schluß noch exklusiv die Sontheimerhöhle mit einer höchst sachkundigen Führung. Einfach großes Danke.

Die Tagung war äußerst gelungen, auch weil fähige Köpfe die Organsation offenbar in der Hand hatten und genügend Personal zur Verfügung stand. Vor 1 Jahr etwa begann schon die Planung für den Jubiläumsabend und hielt die Beteiligten in Atem, z.B. Uwe Krüger. All die kurzfristigen Kleinigkeiten wurden gemeistert, z.B. rechtzeitig neue Klorollen in die Bedürfniszellen zu bringen. Jeder konnte seinem Plaisierchen nachgehen, der eine konnte stundenlang über Höhlenrettungsfeinheiten diskutieren, der andere mußte sich um seinen Nachwuchs kümmern und schauen, daß die Kleine nicht von der Bodendecke krabbelte, wieder andere suchten Interessenten für ein Höhlenforschungsprojekt, andere suchten vielleicht einen Partner, an den sie sich "binden" können. 

Vielen Dank an das Organisationsteam. Ihr habe einen "verdammt guten Job" gemacht!


< Der Empfang

 

     
     
Aufbruch zu den Exkursionen
< Grillabend vor der Laichinger Tiefenhöhle

> In der Daniel-
Schwenkmezger
-Halle

Der Vorstand
Kommerzielles
> Das neue Ehrenmitglied:

H.D. Gebauer

< Der Bürgermeister von Laichingen bei seinem Grußwort

> Die Ehrung der langjährigen Mitglieder des HHLaichingen

 

< Die Schauspieltruppe bei der Jubiläumsveranstaltung
Die Exkursionsgruppe "Truppenübungsplatz"
Die Exkursionsgruppe
"Tiefental"

Literatur:

Frank, Richard, Ufrecht, Wolfgang (Redaktion) Begleitheft zur Jahrestagung des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher vom 15.-18. Juni 2017 in Laichingen, Laichingen 2017
Marquard, Odo Zukunft braucht Herkunft, Reclam, Stuttgart 2015

Links:

http://www.tiefenhoehle.de/vdhk-tagung-2017

http://www.vdhk.de/


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