Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Kyselak in Berchtesgaden
- mit den Augen eines Höhlenforschers gesehen
Eiskapelle....vor ihrem Einsturz
Joseph Kyselak (1798-1831) hat uns Höhlenforschern etwas hinterlassen, was der Stoff für unsere wunderbarsten Träume ist. Eine unbekannte Höhle beschreibt er, die einfach für die größten Hoffnungen Anlaß gibt - und die bislang keiner kennt, das "Windloch".
Wir haben danach gesucht, über 50 Jahre lang, und keiner hat sie bislang gefunden.
Das Schlimmste wäre, wenn am Ende doch jemand etwas findet, was zu seiner präzisen Beschreibung passen würde.
Wenn da jemand schreibt, wie das in der Einladung für eine Veranstaltung im Februar 2026 in Bischofswiesen der Fall ist: "Kyselaks Windhöhle soll die Salzgrabenhöhle sein", der hat keine Ahnung und bedient nur die zeitgenössischen Wünsche nach Bequemlichkeit und Sicherheit - "Frag die KI" - und den Verkündern der "Wahrheit", wohl besser "Wahrheiten".
Kyselak kam auf seiner inzwischen berühmt gewordenen Wanderung durchs Berchtesgadener Land an drei Objekten vorbei, die auch den Höhlenforscher interessieren:
- das Kuchler Loch > Gollinger Wasserfall
- die Eiskapelle
- das Windloch.
"...Mein
Führer bog sich nun zwischen zwei Felsen und verschwand in einem Loche. Ich
wollte nach, er rief mir aber zu, Licht und Gewehr mitzunehmen. Dies
befolgend, gingen wir nun mit brennenden Wachskerzen tiefer in die sich
erweiterne Höhle, welche bei vierzig Schritten Länge einen Fall von sechs
Fuß haben mag....Finsternis umspannte uns, so schwarz, so dicht, daß jeder
Schritt ein Wagestück war, zumal die Felsenkluft, welche zum Ausgang der
Höhle führt, eine mondförmige Krümmung macht und dadurch vollends das
sonst einfallende Tageslicht entzieht....
...Sie ist (die ungleich niedrigere und kaum zwei Schuh breite Eingangskluft
ausgenommen) sicher bis zwölf Schuh hoch und im Durchmesser wohl zehnmal
weiter. Diese Ausdehnung läßt sich umso weniger mit Bestimmtheit angeben,
als die größere Hälfte der Höhle, deren Grundfläche gegen ihre
jenseitige Felsenwand bei vierziggradigeer Senkung mit Wasser geebnet ist,
weder ganz übersehen noch durchwatet werden kann. Auf die zunehmende
Wassertiefe konnte ich aber dadurch schließen, weil der hineingeworfene
Eindteil meiner mit einem Steine beschwerten sechs Klafter langen Schnur bis
auf zwanzig Fuß Nähe bodenlos zurückkam....Beständiges Geplätscher
deutet auf Zu- und Abfluß hin.."
1818 soll die Höhle von einem Bauern entdeckt worden sein. Er sei auf
Goldsuche gewesen, stattdessen einen Fisch gefangen haben und am Ende von
"mondenlanger Gelbsucht" genesen sein.
Außerdem finden wir im Text zweimal den Ausdruck "Reise zum Mittelpunkt der Erde". Das wird, berechtigterweise, mit dem Namen von Jules Verne verbunden, dessen Meisterwerk allerdings erst 1864 bzw. 1867 erschienen ist, also etwa 40 Jahre später. War diese Idee auch schon verbreitet und in welchem Zusammenhängen?

Die Reiseroute 1825 von Kyselak
...wird fortgesetzt
Literatur:
Goffriller, Gabriele (2026): Das Phänomen Kyselak, Jubiläumsausgabe in 4 Bänden,
Ergänzungsband, Salzburg
Heger, Ernst (1955): Kyselaks Höhlenfahrten im Jahre 1825
Ein Beitrag zur Geschichte der Höhlenforschung in Salzburg, Die Höhle DEZEMBER 1955 HEFT 4,
S. 65ff.
Klappacher, Walter (1977): Salzburger Höhlenbuch,
Band 2, Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Salzburg
Kyselak, Josef (1829): Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark,
Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien, nebst einer
romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer
Volkssagen, Gebirgsgegenden und Eisglätschern auf dieser Wanderung,
unternommen im Jahre 1825 von Josef Kyselak, 1. Theil 1829, zweiter Theil
1829
Kyselak, Josef (1922): Herrn Kyselaks Alpenreise, Rikola Verl., Wien 1922
Lindenmayr, Franz (2022): Das Kuchler Loch, ATLANTIS, Jg. 44, 2022, Heft
1-4, S. 51-53
Links:
https://kyselak.at/language/de/home/
https://www.kulturhof.bayern/events/kyselak
https://www.oesta.gv.at/veroeffentlichungen/archivale-des-monats/archivale-des-monats-maerz-25.html
https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10469132?page=,1
https://www.heimatkundeverein-berchtesgaden.de/12-2025162.html
https://www.edition-tandem.at/kyselak/
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