Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle


Speläologisches in den Tyssaer Wänden

Böhmische Schweiz, Tschechien


Fährt man südwärts aus der Sächsischen Schweiz hinaus, der Straße von Pirna Richtung Bad Gottleuba/Berggiesshübel hinaus und über die tschechische Grenze hinein in die Böhmische Schweiz dann muß man am Ortsende von Petrovice nach links abbiegen. Bald darauf erreicht man das Dort Tisa/Tyssa. Nördlich der Straße erhebt sich bereits ein Bergzug mit großen Felspartien. Bei einem Parkplatz mitten im Ort könnte man sein Fahrzeug stehen lassen, wenn man es schafft, die Parkuhr zu bedienen. Mir gelang das nicht im Mai 2022, und ich fuhr deshalb ein klein wenig weiter auf einer kurvigen Straße hinauf bis zu einem bezeichneten Parkplatz unterhalb der "Touristenbaude". Auch von dort gehen jede Menge Fußwege durch das bizarre Felsgelände. In fast jedem dieser Riesensteinblöcke gähnen auch noch viele Löcher, so daß man sich wirklich wie in einem steineren Emmentaler erinnert fühlen kann. 

Ganz oben ist es flach und es schauen nur noch ein paar ganz seltsame Kalkfiguren heraus, die Schildkröte etwa , der Steinpilz, der "Napoleonsschuh". Dramatisch werden die Tyssaer Wände, wenn man an einigen Stellen über Treppen etwas 30 m hinabsteigt und dann den Wänden entlang läuft. Die Steinwelt ist scheinbar in einem Prozeß der Auflösung und Vereinzelung begriffen. Oft stehen die Felsnadeln einfach senkrecht in die Höhe, selten haben sie sich schon wieder geneigt und lehnen sich beim "Nachbarn" an. Immer wieder läuft man hinein in die Felswand und kommt auf der anderen Seite gleich wieder heraus und gleich wieder irgendwo zu verschwinden und dann wieder ins Freie zu treten. Keine zwei Türme sehen gleich aus, jeder hat etwas Charakteristisches für sich. Allen hat man mehr oder weniger phantasievolle Namen gegeben: Salon, Kurttürme, Schafstall, Enthaupteter Major, Klausners Promenade, Mumie und so weiter.

Was wie einen Laune der Natur aussieht und früher gar als Werk des Teufels galt und dessen Betreten bis 1918 nur mit einheimischem Führer erlaubt gewesen war, erklärt der Geologe als die Entwicklungsstufe eines ehemaligen Sandsteinplateaus. Der "mittelkörnige Sandstein" wurde in der Kreidezeit dort abgelagert. Das Felsgestein hat sich dann häufig vertikal zerklüftet und löst sich langsam entlang dieser Strukturen wieder auf. Inzwischen kommt auch noch die Erosion durch das häufige Betreten des Geländes durch den Menschen hinzu - die Humanerosion.  

1908 setzte die klettertechnische Erschließung des Gebietes ein, zuerst durch Dresdner Kletterer, ab Mitte der 50er Jahre setzten tschechische Alpinisten dieses Werk fort. Viele Leute im Dorf eröffneten eine Pension oder eine Gaststätte und lebt nun von den Touristen. Ein Geheimtip sind die Tyssaer Wände heute nicht mehr, eher ist das Gegenteil der Fall. So machen etwa große Filmprojekte wie die "Chroniken von Narnia", die teilweise hier gedreht wurden, die Gegend immer noch bekannter. Und man beteiligte sich an Tourismusprojekten wie z.B. „Tourismus ohne Grenzen“ mit dem Freistaat Sachsen.

 

Literatur:

Bellmann, Michael (2010): Der Höhlenführer Elbsandsteingebirge, Heimatbuchverlag Bellmann, Dresden

Pollmann, Bernhard (2021): Sächsische Schweiz Böhmische Schweiz Elbsandsteingebirge, Innsbruck, 1. Auflage

Links 

https://www.wandern-saechsische-schweiz.de/wordpress/wanderungen/tyssaer-waende/

https://www.ceskesvycarsko.cz/de/sehenswertes/regionale-produkte/durch-das-labyrinth-der-tyssaer-waende-zum-hohen-schneeberg

Speläologisches in der Sächsischen Schweiz

Speläologisches in Tschechien

 


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