Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

21. Speläo-Südwest 10.-12. September 2021
Höhlen- und Heimatverein Giengen Hürben



Abends auf dem Parkplatz bei der Charlottenhöhle


"..mit der Entdeckung eines einzigen der Sache nahekommenden Wortes....Glück....in dem Sinn des "Alles sich Zeigende (in unser Heutiges, Weltliches übersetzt: jede Form) ist ein Licht." Peter, Handke, Versuch über den geglückten Tag


Höhlenerlebniswelt Charlottenhöhle

https://arge-grabenstetten.de/event/spelaeo-suedwest-an-der-charlottenhoehle/


Ein mutiges Unternehmen. Angesichts all der Unwägbarkeiten, die ein Leben in unserer Zeit mit sich bringt, tatsächlich ist sie ja die einzige die wir auf dieser Erde haben, eine große Höhlentagung zu planen und durchzuführen. Chapeau. 

Wer jemals die "Berechenbarkeit" dieser Welt unterstellt hat, der sollte wohl langsam wieder ein paar Schritte zurück machen. Man mag zwar die nächste Sonnenfinsternis bis auf die dritte Stelle hinter dem Komma ausrechnen können, aber was sagt z.B. eine "Inzidenzzahl" im Coronabereich wirklich aus? Der Versuch, über die Einschränkung der sozialen Kontakte das Geschehen "in den Griff zu bekommen", diese Lieblingsmetapher moderner "Weltsteuerer", selbst ernannt oder durch die demokratischen Prozesse mehr oder weniger legitimiert, war es das? Ich denke, wir tasten uns alle in eine immer ungewisser werdende "Zukunft", falls man das noch so nennen will, was auf unsere Kinder und Kindeskinder...wartet.

Was ist wirklich gut für unser "Immunsystem", was immer das sein soll? Sind es die uns verabreichten "Impfstoffe"? Warum gibt es dann die sog. "Durchbrüche"? Voll geimpft und dann doch krank geworden? Ich glaube, daß es keine allgemeine Antwort auf die vielen Unwägbarkeiten dieser Welt gibt. Nur unendlich viele, individuelle. Genau so ist ja unsere Welt auch aufgebaut. Trotzdem haben wir vieles gemeinsam, und das gemeinsame Tun tut uns ja auch allen gut, sehr gut - stärkt auch unser "Immunsystem" enorm. Zusammenkommen, wieder, statt immer nur allein zu Hause. Sich "Vertrauen" trauen - und nicht im Nächsten gleich die schlimme Virenschleuder vermuten.

Wer in Höhlen geht, der traut sich was. Hat Mut - muß er haben. Hält die Decke aus Stein über ihm? Wenn er daran zweifelt, sollte er entsprechend handeln. Am Ende erst einmal Beton verwenden, um die wackligen Steine über ihm, erst einmal "verkitten", eh er sich darunter tiefer in die Erde bewegt. Wer ihr vertraut, der traut sich hinein, immer weiter. Meist kommen sie wieder heraus, die hinein sind. Manchmal auch nicht. Trotzdem - das "Leben" geht weiter, auch ohne dieses Individuum. 

Ich freue mich darauf, die alten Freunde wiederzusehen. Hoffentlich. 

..........

Es hat stattgefunden. Sehr erfolgreich. Und alle, die dabei waren, sind wohl auch dieser Meinung. Wie viele es genau waren, das weiß nur die aus der Organisationsgruppe des Höhlen- und Heimatvereins Giengen-Hürben. Geschätzte 150. Manche blieben nur kurz, andere kamen dazu. Besonders gut besucht war der öffentliche Vortrag am Freitagabend, der Teil einer ganzen Höhlenwoche war, die man um die Charlottenhöhle organisiert hatte. 

Jeder, der teilnehmen wollte, mußte sich bei der Anmeldung zeigen und seinen Coronastatus nachweisen. Man bezahlte die Tagungsgebühr und die Essensoptionen. Als äußeres Kennzeichen bekam man ein blaues Bändchen an den Arm, das einem die Teilnahme an den verschiedenen Aktionen und Möglichkeiten öffnete. Dazu gehörte z.B. ein kostenloser Besuch der Charlottenhöhle.

Erstes Highlight war der Abendvortrag am Freitag. In drei Teilen wurde von den neuesten Forschungen im Blautopfsystem berichtet. Drei Gruppen stellten ihre Erfolge in der Hessenhauhöhle, dem klassischen Blautopfsystem und dem neuen Hit, dem Steebschacht vor. Das Ganze hatte höchstes Niveau, sowohl vom Inhalt her als auch in der Darstellung und der Präsentation. Man hatte sich professionelle Hilfe an Bord geholt, die dann mit Riesenleinwand, großen Lautsprechern und einer funktionierenden Steueranlage den Abend zum Erfolg führte. Ein besonderer Faktor war das Wetter. Würde es regnen oder nicht? Wir hatten Glück. Noch lange ging es dann an den Biertischen hoch her, hinterher. Dann verschwanden auch die Letzten in ihren Schlafstätten. Viele suchten ihre Wohnmobile oder ihre bettfähigen Autos. Einige nutzten die Schlafmöglichkeit im Obergeschoß des Höhlenhauses, die von einem kräftigen Schnarchorchester ganznächtig bespielt wurde. Auch das Holzhäuschen auf dem Spielplatz wurde zu Schlafzwecken aufgesucht.

Das Frühstück am Samstag, genauso wie am Sonntag, war mächtig und sehr zufriedenstellend. Sogar große frische Semmeln wurden dazu aus einer Bäckerei herangekarrt. Dann ging der Vortrags- und Workshopreigen los, der bis in den Nachmittag dauerte. So bekam man gut mit, was zur Zeit auf der Alb läuft, und das ist nicht wenig. Die Forschung mometan wird immer mehr zum Bergwerksbetrieb und die Leitplanke wird immer mehr zum Hauptsymbol für erfolgreiche Vorstöße. Die Vorstöße etwa im Steebschacht und in der Föhnerquelle wären ansonsten so nicht möglich gewesen. Mich berührte vor allem der erste Vortrag, der über den neu eröffneten Wanderweg um die Schandtauberhöhle, von Michael Ross. Hier wird nun mit großem Aufwand und öffentlichen Mitteln das Ergebnis langjähriger Höhlenforschung auch der Öffentlichkeit präsentiert, was man früher eher wohl "unter der Decke halten wollte". Unangenehme Erinnerungen wurden da in mir wieder wach > chutz/schandtauber/schandtauber.htm
Ein besonderes Kennzeichen der Vorträge war, daß sie alle regional bezogen waren. Ein Höhepunkt war sicherlich der Beiträge von Herbert Jantzschke und Rainer Straub (Spitznamen geisterten da herum: Höhlen-Michelangelo/Höhlen-Leonardo) über die Höhlen im oberen Donautal. Gerade war der zweite Band der Gesamtdarstellung herausgekommen und wir bekamen einen *****-Einblick in die Region und ihren Untergrund. Aussagekräftigste Höhlenpläne, gepaart mit Photos der Extraklasse, wir konnten dieses Schaustück der Schwäbischen Alb auf eine Weise erleben, das selbst den Menschen, die selber dort waren, nicht geboten wird. 
Weitere Themen: Schmetterlinge in den Höhlen Baden-Würtembergs (Köble), Zur Varianzl der Speläothemen in der Blauhöhle (Straub), Föhnerquelle und Erdfall bei Bleichstetten (Schüler), Nerochytische Speläogenese (Scherzer'), Schlossbergbröller (Kücha), Wasserfalldoline (Martin), Methoden der 3 D Vermessung (Steffen), Farrenwie3sschacht (Hesse, Sontheimer), Seligengrundhöhle (Länge).

Abends gab es, nach der großen Grillshow, noch einen schönen Vortrag für alle. Da wurde die Schwäbische Alb aus drei Perspektiven gezeigt: aus derc Sicht der Speläologen, der Geologen und der Archäologen. Das war eine ausgezeichnete Idee, die gut zeigte, daß man mit einer einzigen Perspektive einfach die Welt nicht gut versteht, "ganz" schaffen wir das ohnehin nicht. Danach zeigte sich wieder, wie wichtig der "Wirtshaustisch" für die Höhlenforschung ist. Da sitzt man beisammen, lernt sich kennen, tauscht sich aus, wendet sich manchmal auch wieder ab. 

Same procedure as last night. Am Sonntag war um 10 Uhr allgemeines Treffen auf dem Spielplatz zur Einteilung der Exkursionsgruppen. Ein äußerst attraktives Spektrum an Themen und Orten war geboten. Es war so gut, daß man oft gerne zwei oder drei gleichzeitig hätte besuchen wollen. Man mußte sich entscheiden. Bei mir wurde es ein Besuch des Hessenlochs. Diese im Normalfall nicht mehr zugängliche Höhle, wegen der vielen, vielen Fledermäuse, die dort eine zeitweilige Heimstatt haben, war diesmal für eine Befahrung offen. Ich war davon ausgegangen, daß sie eine frühere Schauhöhle war und dachte, daß es da ganz gemütlich bis in die Endhalle gehen würde. Vor 40 Jahren war ich schon einmal drin gewesen, als eine Verbandstagung in Oberkochen stattgefunden hatte. Das war ein Irrtum. Im vordersten Teil hatte man tatsächlich schon vorgearbeitet, aber dann wird es eng, für wenige Meter. Ich verzichtete auf die inneren Teile und photographierte lieber mit einem großen Zeitkontingent weiter vorne. Ich bin zufrieden. Sehr ertragreich war vorher das Gespräch mit unseren Führer für den Eingangsbereich, Manfred Schäffler, dem Fledermausexperten. Tausende, wirklich Tausende dieser Tiere leben zeitweise dort und so einen Schatz zu bewahren, das hat sicherlich hohe Priorität. Allerdings auch diese Höhle für dauernd und für alle zu sperren, das ist überzogen. Kritische Anmerkungen wurden ausgesprochen. T.C. Boyle mit seinen nachdenklichen Worten um Tierschutz, Stichwort Agakröte in Australien, wurde angesprochen, auch die Beobachtung, daß sich manche Fledermäuse überhaupt nicht gestört von menschlicher Aktivität gelegentlich zeigen, sondern ganz "neugierig" scheinbar sehen wollen, was da passiert, war zu hören. Offenbar ist alles viel komplizierter als es die großen Vereinfacher in so mancher Behörde als Leitbild haben. 

Ziemlich verlehmt kamen alle wieder gesund aus dem Loch und ein kurzer Abstecher zum Brenztopf schloß unseren Ausflug ab. Das schöne an der Welt der Höhlen ist ja, daß man vor Überraschungen nie sicher ist. Einer aus unserer Gruppe stellte sich als Höhlentaucher heraus, der gerade dort einen erfolgreichen Tauchvorstoß in diese sich lange Zeit sehr spröde zeigenden Karstquelle hinter sich hatte, und der nun davon erzählte. Sogar hier wurden nun Leitplanken eingesetzt - heute genügt es nicht mehr Höhlentaucher zu sein, die nächste Stufe ist erreicht, Höhlenunterwassermineure erkunden nun den Untergrund der Schwäbischen Alb.

Wir können einfach nur der Organisationsgruppe der Veranstaltung danken, daß sie sich die Arbeit gemacht haben, dieses SPELÄO-SÜDWEST zu organisieren und erfolgreich durchgeführt zu haben. Gegen Ende der Veranstaltung wurde besonders dem Küchenteam gedankt, das wohl auch mit uns Nutzern zufrieden gewesen ist. Nur eine kritische Anmerkung kam: "Man hätte noch mehr Getränke können." Mir entwich spontan ein "Noch mehr?". Schon ging es anders weiter im Text....

Das Umfeld   
Der Empfang
s
Sonntag Exkursionstag

> Brenztopf-
Hessenloch

 

 


 

Literatur:

 

Links:

https://www.hoehlenerlebniswelt.de/

https://www.hfgok.de/publikationen/materialhefte-zur-karst-und-höhlenkunde/

Ostalb, Speläologisches auf der


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