Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Ein kleiner Blick in die "Braune Vergangenheit" der Teufelshöhle

Januar 2019


Date: Sat, 3 Jul 1999 11:13:50 +0200

Liebe Höhlenkollegen,

in Pottenstein tut sich was. Vor einiger Zeit wurde die NS-Vergangenheit von Dr.
Brandt aufgearbeitet und weithin bekannt; siehe das Buch von Peter Engelbrecht:
Touristenidylle und KZ-Grauen - Vergangenheitsbewältigung in Pottenstein. -
241 S., 40 Fotos und Dokumente, Verlag C. u. C. Rabenstein, Bayreuth 1997;
Bezug auch über den Autor Peter Engelbrecht, Hopfgarten 1, 95473 Creußen,
Tel. 09270/8678.

Wie der Berichterstattung der lokalen Zeitungen zu entnehmen ist, soll nun der
Dr. Hans-Brand-Ring in Pottenstein umbenannt werden und es wird ein neuer Name
gesucht. Aus Höhlenforscherkreisen stammt der Vorschlag "Dr. Benno-Wolf-Ring",
nach dem Nestor der deutschen Höhlenforschung, der von den Nazis ins KZ
Theresienstadt verschleppt wurde und dort umkam.

Um Unterstützung dieses Vorschlages wird gebeten; Briefe sollten sowohl an den
Bürgermeister von Pottenstein, Herrn Bauernschmitt, und die lokalen Zeitungen
gehen: Nordbayerische Nachrichten, Hauptstraße, 91257 Pegnitz, und
Nordbayerischer Kurier, Hauptstraße, 91257 Pegnitz.

Glück Auf !
Friedhart Knolle

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Dipl.-Geol. Friedhart Knolle
www.fknolle.de
fknolle@t-online.de

Vermutlich haben die meisten Menschen, die den Weg zum Kassenhäuschen der Teufelshöhle gingen, gar nicht die Gedenktafel angeschaut, die da hing. Vermutlich waren es noch weniger, die sie wirklich gelesen haben. Sie war aber längere Zeit hindurch ein Ort des Anstoßes, nachdem schon viele Jahre das "1000jährige Reich" wieder zu Ende gegangen war und einer seiner unrühmlichen Repräsentanten längst schon auf irgendeinem Friedhof den Weg gegangen war, den er andere Menschen schon viel vor ihren natürlichen Ablebenszeit geschickt hatte.

Jahrelange schon regten sich da nicht nur im Internet Menschen auf, daß da wegen jemandem aufhebens gemacht wurde, dessen Reputation (guter Ruf) wohl vor allem bei denen bestand, die direkt davon profitiert hatten, oder es halt nicht besser wußten. Schaut mal hier nach:
Jörg und Fritzi Obendorf / Speleotek / Lästerliches. Jörg hat hier etwas geschrieben, was natürlich auch andere längst gedacht und gesagt haben, aber in diesem Medium bislang zum ersten Male aufgetaucht war.

Inzwischen ist die Tafel längst entfernt. Nur noch eine kaum auffallende geglättete Felsfläche "erinnert" an die einstigen Taten. Ist nun alles wieder gut?

Schaut man in diese beiden Broschüren aus den 60er und 70er Jahren (die rechte davon kostete damals 20 Pfennig Schutzgebühr), so glaubt man heute nicht mehr richtig zu lesen. Da steht: Am Eingang der Teufelshöhle prangt eine erzgegossene Gedenktafel, die am 9 April 1961 feierlich enthüllt worden ist. Sie veranschaulicht den Kopf Prof. Dr.-Ing. Brands und trägt die Inschrift: "Dem Erforscher und Erschließer der Teufelshöhle und unvermüdlichen Förderer der Fränkischen Schweiz in Verehrung und Dankbarkeit der Stadt Pottenstein. Die Tafel galt dem Manne, dem wir es verdanken, daß wir die Wunderwelt der Teufelshöhle mühelos und bequem im Schein der elektrischen Lampen und Scheinwerfer genießen. Er widmete sich mit Leidenschaft der Erforschung der Jurahöhlen in seiner oberfränkischen Heimat, wobei er vielfach ganz neue Wege beschritt, die anfangs nicht immer den Beifall von Fachkreisen fanden."

Seit dem Jahre 1922 soll Brand an der Erschließung der Teufelshöhle bearbeitet haben. Das dunkle Kapitel dieser Geschichte hängt mit dem zusammmen, was der Journalist Peter Engelbrecht so beschreibt: "Er war ein überzeugter Nationalsozialist, machte Karriere bei der SS und holte das Außenlager des KZ Flossenbürg nach Pottenstein. Mehr als 700 Häftlinge sollen zu Arbeiten abkommandiert worden sein, die in der Umgebung Pottenstein anfielen - die Erschließung der Teufelshöhle, die Anlegung des Schöngrundsees, die Planierung des Parkplatzes vor der Höhle. Wieviel dabei ums Leben gekommen sind, darüber schweigen sich alle Quellen aus. Waren die Menschen nicht mehr arbeitsfähig, wurden sie zurück ins KZ geschickt, was meist ihren Tod bedeutete. Brand wirkte in der Zeit des Dritten Reichs nicht nur in der Fränkischen Schweiz. In Slowenien soll er am Aufbau der "SS-Karstwehr" mitgewirkt haben, die dort "Dörfer niedergebrannt und Massaker an der Zivilbevölkerung verübt" hat. Was das in Wirklichkeit wohl bedeutet hat, das zeigen uns die frischen Bilder aus dem Kosovo!

Ganz übel wirkte diese "SS-Karstwehr" unter anderem in dem Dörfchen Avasinis im Friaul. Jedes Jahr wird hier noch in einem Schweigemarsch der Menschen gedacht, die diese Truppe am 1./2. Mai 1945 ermordet hat (Ungeheuerlich ist, daß der Krieg bereits am 28. April offiziell beendet gewesen war!). 51 Zivilisten wurden ermordet, darunter Frauen, die vorher vergewaltigt wurden, sowie 5 Kinder. (Fohrer 92). Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Würzburg 1997 in Bezug auf diese Tat, verlief im Sande. Die 41 noch lebenden Karstsoldaten behaupteten alle, Avasinis nicht zu kennen und niemals an einem Massaker dort teilgenommen zu haben. Es wurde zwar vermutet, daß es sich um abgesprochene Schutzbehauptungen gehandelt habe, aber aus Mangel an Beweisen wurde 2007 die Untersuchung eingestellt.

Nach dem Krieg wurde Brand am 11. Juli 1947 als "Minderbelasteter" eingestuft (Danner) und erhielt eine zweijährige Bewährungsfrist - zur Enttäuschung vieler, die Zeitzeugen gewesen sind. Von Gustave Abel ist der Satz überliefert: "Brand gehört wirklich richtig abgeurteilt, selbst ein Galgen wäre nicht zu schade." Bei der Hauptverhandlung 1949 in München wurde er freigesprochen und als entlastet eingestuft.

Daß die ungute Vergangenheit keineswegs so einfach wegzuwischen ist, das zeigt sowohl das anfangs präsentierte Email, als auch eine Meldung aus der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahre 1Es gibt ja auch die Geschichte, daß Brand später eine Höhle in der Fränkischen Schweiz entdeckt hätte, die noch viel schöner gewesen sei, als die Teufelshöhle. Da er aber Angst bekommen hätte, daß diese der Teufelsh997. Damals war bekannt geworden, daß 2 "Hobby- forscher" den Auftrag bekommen hatten, nach weiteren Hohlräumen in der Teufelshöhle zu suchen. Immerhin 80.000 DM hatte der Zweckverband Teufelshöhle dafür locker gemacht. Die braunen Geister der Vergangenheit zeigten sich sofort in den wilden Spekulationen, die einsetzten, als die Nachricht von den Forschungen durchsickerte:"Manche Pottensteiner sprechen von einem riesigen Spiegelsaal, in dem brisante Nazi-Dokumente oder sogar das sagenumwobene Bernsteinzimmer versteckt sein sollen...Versteckte Nazi-Reliquien würden wohl kaum gefunden..Wer steckt schon wichtige Unterlagen in einer feuchten Höhle." 

öhle den Rang ablaufen würde, seien alle Beweise, Belege, vielleicht auch beteiligte Menschen vernichtet worden. Niemand will mehr etwas davon wissen, nur noch einige Gerüchte existieren davon. Wer weiß?

Literatur:

Bald, Albrecht Die Fränkische Schweiz in der Zeit des Nationalsozialismus, in Landschaften in Deutschland Online. URL: http://landschaften-in-deutschland.de/themen/81_b_122-die-fraenkische-schweiz-in-der-ns-zeit/, Stand 19.09.2019
Danner, Peter Der Höhlenforscher Gustave Antoine Abel als Stein des Anstoßes, Atlantis 40. Jg. 2018 1/2, 11ff.

Engelbrecht, Peter

Touristenidylle und KZ-Grauen - Vergangenheitsbewältigung in Pottenstein. -
241 S., 40 Fotos und Dokumente, Verlag C. u. C. Rabenstein, Bayreuth 1997;
Bezug auch über den Autor Peter Engelbrecht, Hopfgarten 1, 95473 Creußen,
Tel. 09270/8678

Fohrer, Eberhard Friaul - Julisch Venetien, Michael Müller Verlag, Erlangen, 5. Auflage, 2019

Links:

http://landschaften-in-deutschland.de/themen/81_b_122-die-fraenkische-schweiz-in-der-ns-zeit/

https://www.gedenkorte-europa.eu/content/list/307/

https://resistenza.de/category/kriegsverbrechen/avasinis/

https://vimeo.com/58694694 TATORT AVASINIS

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