Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen in Israel


And men shall go into the caves of the rocks,
And into the holes of the earth...
To go into the cliffs of the rocks,
and into the crevices of the crags.
Isaiah 2; 19,21


Auf der 2010er Tagung der Interessengemeinschaft Höhle-Religion-Psyche hielt Peter Walcher einen Vortrag über das Thema "Höhlen in Israel". Dazu hier eine kleine Zusammenstellung wichtiger speläologischer Daten.


Der heutige Staat "Israel" entstand erst nach dem 2. Weltkrieg. Der Name tauchte nach heutigem Wissensstand zum ersten Male auf eine ägyptischen Stele aus dem Jahre 1211 v. Chr. auf, der Merenptha-Stele, wobei es um einen Krieg gegen ein Volks Israel im Lande Kanaan geht. Das Wort "Israel" steht der Volksethymologie nach für "Gottesstreiter".

Von Nord nach Süd sind es 470 km, die maximale West-Ost-Erstreckung und 135 km, die schmalste 15 m. Die Landschaft läßt sich in vier Regionen einteilen: die Mittelmeerküste, die Hügellandschaft im Zentrum, das Jordantal und die Negev-Wüste.

In der Kalkgebieten Israels hat man schon einige bedeutende Höhlen gefunden, die vor allem wegen ihres prähistorischen Fundinhalts sehr bedeutsam sind. Einige Höhlen spielen im Zusammenhang mit den biblischen Geschehnissen eine große Rolle.

Geologisch sind vor allem die Salzhöhlen Israels von größter Bedeutung, die im Gebiet des Mont Sedom beim Toten Meer liegen. Auf einer Fläche von 11 auf 1,4 qkm findet sich die größte und einige der tiefsten Salzhöhlen der Erde.

Einige Höhlen in Israel:

Adullam Cave 13 Meilen westlich von Bethlehem David soll dort alle versammelt haben, die in psychischer Not waren, Schulden hatten und jeder der unzufrieden war  
Amatzia-Höhlen Der Straße Nr. 35 von Ashkelon nach Amatzia folgen Unterirdische Anlage wurde von den Aufständischen während des israelischen Bar Kochba Aufstands gegen die Römer im 200. Jht. nach Chr. benutzt, ungefähr 300 Personen konnten in den 35 Räumen Schutz finden, während der byzantinischen Zeit diente sie als unterirdische Synagoge, Aufenthaltsort für Wächter, Wasserreservoir, Lagerraum und Ölpresse  
Arubota'im Höhlen (Zwillingskaminhöhlen) Sodom    
Ayalon Cave in einem Steinbruch in der Nähe der Autobahn Jerusalem-Tel Aviv 1996 entdeckt, 1,5 km lang im Kalkgestein, enthält 8 neuartige Formen von Lebewesen, die vorher auf der Erde noch nicht bekannt waren  
Banias Caesarea Philippi Große natürliche Höhle in der Südflanke des Mount Hermon, das einmal ein Heiligtum des Pan gewesen sein soll  
Beatitudes, cave of (Höhle deer Seligpreisungen) an der Nordseite des Sees Genezareth In dieser Höhle soll sich Jesus als Wanderprediger und Hiob aufgehalten haben  
Bet Shearim Höhlen 20 km südöstlich von Haifa Komplex jüdischer Höhlengräber aus der Römerzeit  
Bet Guvrin-Höhlen von Kiryat Gat auf der Straße Nr. 35 zum Kibbutz Bet Guvrin mit Nationalpark Enthält mehrere vom Menschen geschaffene Höhlen: Tel Maresha, sidonische Grabhöhlen, Taubenhöhlen und Grabhöhlen
 
Bir-el-Arwah (Seelenbrunnen) Felsendom, Jerusalem Unter dem Felsen mit dem Fußabdruck des Propheten führen einige Stufen in eine Grotte (5-6m Durchmesser, 2 m hoch, elektrisch beleuchtet, mit Deckenloch in den Dom hinauf). Es soll der Ort sein, an dem sich die Seelen der Toten zum Gebet versammeln Krügel
Cave of Letters Totes Meer-Gebiet enthielt das größte Versteckt von alten Dokumenten und persönlicher Korrespondenz, die jemals in Israel entdeckt worden sind  
Colonel cave   1.448 m lange Salzhöhle, 127 m tief Cardona
Douka am Berg der Versuchung Christi bei Jericho Höhlen und Felsenkloster  
Dudaim Höhle Ein Gedi    
Elijas Höhle Haifa An die Stella-Maris-Kirche und das Karmelitenkloster angrenzende Höhle, einst einmal Heim eines Hermitenmönchs, heute Pilgerort Elijah's Cave - Haifa, Israel
el-Mughara-Höhlen Nahal Me’arot Naturpark und Wadi el-Mughara Höhlen als Stätten der menschlichen Entwicklung am Carmelgebirge (2012)
Seit 2012 UNESCO-Weltkulturerbe
http://www.jstor.org/stable/40448735?seq=1#page_scan_tab_contents
http://www.israelmagazin.de/israel
-orte/unesco-weltkulturerbe-israel
Eremoshöhle (Magareth Ayub),
"Höhle des Job"
Beim Quellheiligtum von Tabgha Laut einem Bericht der Egeria, befindet in der Nähe der Zollstation bei Kafarnaum, wo Matthäus seine Zollstation gehabt habe, eine "spelunca", in der "der Erlöser die Seligpreisungen aussprach" Riesner
Falafel Cave   700 m lange Salzhöhle Cardona
Geburtsgrotte Bethlehem Unter der von Kaiser Konstantin errichteten Basilika, Höhle wurde zwischenzeitlich 135 n. Chr. von Kaiser Hadrian dem Adonis geweiht und ließ dort ein Adonisheiligtum errichten. Eingang 1,2 m hoch, die "Tür der Bescheidenheit", 12,3 m lang und 3,15 m breit. Stelle der Geburt Jesu durch Silberstern gekennzeichnet Church of the Nativity - Bethlehem
Hanahal (El-Wad) Cave Oberes Galiläa Größte der Karmelhöhlen, mehr als 100 Menschen wurden dort begraben Carmel Caves - Early Man site
HaYonim (Pigeons) Cave Oberes Galiläa Wohnplatz für Menschen in der Zeit zwischen 250.000 und 12.000 v. Chr.
Vor 11.000 Jahren wurden in der Höhle schon kleine Gebäude errichtet
Carmel Caves - Early Man site
Hariton Cave Harei, Yehuda 4 km lange labyrinthische Höhle
Nach Josephus Flavius, einem römischen Geschichtsschreiber, war die Höhle Teil eines unterirdischen Fluchtsystems, durch das Juden schon vor 2000 Jahren vor den Römern flohen
 
Hazan Höhle Lachish-Bezirk Künstliche versteckte Höhlen, stammen aus der Zeit des Bar Kochva-Aufstands  
Kanaim, grotta di Negevwüste zwischen Arad und Masada Bedeutendste Paläokarsthöhle  
Kebara Höhle Wadi Kebara, 10 km nordöstlich von Cesarea in den Karmelbergen Bedeutende archäologische Ausgrabungen aus der Zeit zwischen 60.000 und 48.000 v. Chr., 1982 wurde dort das vollständigste Neanderthalerskelett überhaupt gefunden  
Kelah Höhle Carmel    
Machpelahöhle Hebron Höhle wurde von Abraham gekauft, um als Familiengrabstätte zu dienen
Makkedah Cave in der Nähe des modernen Dorfes Sumeil, 7 Meilen nordwestlich von Eleutheropolis Höhle, in die sich die 5 Könige flüchteten, die gegen Israel sich verbündet hatten, flohen
Malham Cave oder Malcham Cave Har Sedom längste Höhlen des Landes und längste bekannte Salzhöhle der Erde mit 5.685 m Länge und - 135 m Tiefe Cardona
Mayish Höhle Ramat Hanadiv    
Milchgrotte Bethlehem Der Legende nach verbarg sich dort Maria mit dem Kinde. Heute Kapelle zur Ehren der Hl. Drei Könige und des hl. Nikolaus. Es wird ein Stein gezeigt, auf dem Maria gesessen und auf den ein Tropfen Muttermilch gefallen sein soll.  Pilger schaben vom Felsen ein wenig Material ab. Milk Grotto, Bethlehem
Mönchshöhle im Avdat Nationalpark    
Pa'ar Cave zwischen dem Adirgipfel und dem Kibbutz Sasa Ponorhöhle, in der der Pa'ar verschwindet, Naturschutzgebiet  
Peteq Cave   524 m lange Salzhöhle Cardona
Qesem Cave 12 km östlich von Tel-Aviv, in der westlichen Bergkette von Israel zwischen den Samariahügeln und der israelischen Küstenebene Gefunden beim Straßenbau im Jahre 2000, wo die Decke der Höhle zerstört wurde. Bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte, besiedelt in der Zeit zwischen 382.000 v. Chr. bis 207.000 v. Chr.  
Qumram Caves Totes Meer 1947 von einem Beduinenjungen wiederentdeckt
Vor den das Land besetzenden Römern floh im Jahre 68 n. Chr. eine Gruppe Juden wieder aus den Höhlen. Sie ließen in Tontöpfen ihre Schätze zurück, wobei die auf Pergament geschriebenen Texte heute die wichtigste Hinterlassenschaft sind, u.a. das früheste Exemplar einer Bibel.
Die Höhlen sind jetzt für Touristen erschlossen.
Qumran – Höhlen | Israel Magazin

Die Schriftrollen von Qumran

Rosh Hanikra-Höhle 30 km nördlich von Haifa an der Mittelmeerküste Ausgewaschene Höhlen im Kreidegestein  
Sarkophag Höhle Bet She'arim    
Sedom Cave Totes Meer 1.799 m lange Salzhöhle Cardona
Sekhwi Höhle Ammud-Fluß    
Sorek-Höhle Avshalom Shoham Nature Reserve, 7 km von Nes Harim entfernt 1968 zufällig bei Steinbrucharbeiten entdeckt, 1977 als einzige Schauhöhle Israels geöffnet netifim_eng . pdf.pdf - Advanced1184151806.pdf
Soreq Cave
Tabun (Oven) Cave 20 km südlich von Haifa im Nahal Mearot (Höhlental) Die höchstgelegene der drei Karmelhöhlen, die heute im Nahal Me'orot Nature Reserve liegen.
Es gibt ein Besucherzentrum, von dem aus Stufen bis zum Höhleneingang führen.
1920 und 1930 ausgegrabende Höhlen, ab 1960 fortgesetzt, 25 m hohe Ablagerungen, die aus der Zeit von 500.000 bis 40.000 v. Chr. reichen.
Carmel Caves - Early Man site
Todesangstgrotte Ölberg, Jerusalem Am Weg zum Mariengrab, auch "Grotte der Agonie" oder "Todeskampfgrotte" genannt, durch ein Gittertor über einige Stufen abwärts wird ein Höhlenraum mit bis zu 15 m Durchmesser erreicht Krügel
Vaterunsergrotte Ölberg, Jerusalem auch "Grotte der Erleuchtung" genannt, in ihr soll Jesus seinen Jüngern des "Vater unser" gelehrt haben, über der Grotte wurde später die Eleona-Basilika errichtet Krügel
Zechuchit Cave   1.135 m lange Salzhöhle Cardona

Vom Menschen gemachte Höhlen:

Bell Cave im Beit Guvrin-Maresha National Park in der Nähe von Beit Shemesh 80 große Hohlräume, die durch Stollen miteinander verbunden sind
Während der frühen arabischen Periode zwischen 700 und 1000 n. Chr. gegraben

Weltkulturerbestätte seit 2014: http://www.israelmagazin.de/historisches/bet-guvrin-maresha

Bell Cave at Beit Guvrin
Zedekiah's Cave Unterhalb der nördlichen Begrenzungsmauer der Altstadt in Jerusalem Unterirdischer Steinbruch, aus dem die Steine für den Zweiten Tempel Jerusalems aus dem 400. Jahrhundert v. Chr. stammen sollen
Sage vom Tod den Zedekiah, dem letzten biblischen König, der versucht habe während der Babylonischen Belagerung nach Jericho zu entfliehen
 

Literatur:

Rode, Thomas Evolution unter Kalkstein - Neun unbekannte Tierarten in einer israelischen Höhle entdeckt, Süddeutsche Zeitung Nr. 141, 22. Juni 2006, S. 16
Krügel, Anton, Raschko, Herbert Höhlenheiligtümer in Israel - Heilige Höhlen im Heiligen Land, Höhlenkundliche Mitteilungen Wien und Niederösterreich 52. Jg. (1996), Heft 10, S. 144-148
Calandri, Gilberto note idrogelogiche sul settore sw del monte hermon (medio oriente), bollettino 25-1985, p 9ff.
Calandri, Gilberto la grotta di kanaim: un esempio di paleocarsismo nel deserto di giuda (israele), bollettino p 2ff.
Donini, Giacomo u.a. SEDOM 84, Speleologia 11,1984 p 7-10
Pederneschi, M. u.a. ISRAELE 83, Speleologia 9, 1983 p 26-30
Frumkin, Amos Exploring Israel's Caves, Israel Land and Natur, Summer 1982, Vol. 7, No. 4
Frumkin, Amos CAVES AND KARST HYDROGEOLOGY OF JERUSALEM; ISRAEL; ICS Proceedings volume 3 Brno 2013, p 60-65
Abel, Gustave Höhlen in Palästina, Die Höhle S. 171
Riesner, R. Die Höhle der Seligpreisungen in Tabgha, in: Das Heilige Land, Bd. 121, Heft 2-3, Köln 1989 p 16-21 und 125-137
Cardona, Ferran, Viver, Josep Sota la sal de Cardona, ESPELEO CLUB DE GRACIA Badalona 2002
Shivtiel, Yinon SAFE CAVES: THE DISTINCTIVE FEATURES OF HIDEOUT COMPLEXES IN THE GALILEE IN THE EARLY ROMAN PERIOD AND PARALLELS IN THE JUDEAN LOWLANDS (SHEPHELAH), 2013 ICS PROCEEDINGS, p 247ff.
Maximilian von Bayern Wanderung nach dem Orient im Jahre 1838, herausgegeben von Walter Hansen, Verlag W. Ludwig, Pfaffenhofen 1978

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