Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die "Blaue Grotte" / The Blue Grotto / Grotta Azzurra

Capri

Petto, Blaue Grotte


"Maria lebt seit achtundsiebzig Jahren auf der Insel Capri und hat noch nie die Blaue Grotte gesehen.." Mosebach 17


Die "Blaue Grotte" in Stegaurach

Capri - Landschaft und Höhlen


1997 hat der Wagenbach-Verlag das Buch von August Kopisch wiederaufgelegt, das die "Entdeckung der blauen Grotte auf der Insel Capri" beschreibt. Dieser wirklich recht anrührende Bericht aus einer uns schon sehr fremd gewordenen Zeit war der Anstoß für das Bekanntwerden einer der eindrucksvollsten Höhlen unserer Erde.

Ein paar Auszüge aus heutigen Reiseführern, die das "Naturwunder" beschreiben:

"Die Grotta Azzura ist die einträglichste Geldquelle der Insel. Sie ist per Bus von Anacapri oder per Boot von Marina Grande zu erreichen, Nimmt man das Boot, muß man vor dem Zugang zur Höhle umsteigen - manch einer verkleidet sich als Fischer und verlangt überhöhte Gebühren. Das legendäre Licht in der Seehöhle wirkt am besten mittags zwischen 11 und 13 Uhr. Die Effekte entstehen dadurch, daß die Sonnenstrahlen durch das Wasser in die Höhle eindringen und sich an den Wänden spiegeln. Das Hohlraum ist in intensiv aquarmarines Licht getaucht, während Formen am Sandboden in silbrigem Schimmer erscheinen. Bereits die Römer kannten diese Höhle. Neuere Ausgrabungen legten zerbrochene Büsten und Köpfe frei. Mosaiken auf der Insel stellen Wassernymphen dar, die im silbrig glitzernden Licht der Grotte tanzen. Trotzdem klingt die Geschichte der Bootsleute, daß das Becken als Nymphäum des Tiberius gedient haben soll, doch etwas weit hergeholt. Noch unglaubwürdiger ist die Annahme, Tiberius sei aus seiner Villa durch einen Gang hinter der Höhle in das Becken hinabgestiegen. Erzählungen wie diese erinnern an die Reise in die Unterwelt, als Charon, wie die heutigen Bootsleute, erwartete, für seine Dienstleistungen fürstlich belohnt zu werden" (APA-Guides / Der Gold von Neapel)

"Blau reflektiert das von einem 4 m unter Wasser liegenden Naturfenster kommende Sonnenlicht von 9 Uhr morgens bis Sonnenuntergang. Am Vormittag sind die Eindrücke am intensivsten, und das kalte Blau besticht durch besondere Klarheit. Wer empfindsam ist, den stört die totale Vermarktung und das große Geschäft mit dem Naturwunder. Das von Sagen umwobene Heiligtum verehrten bereits die Römer als Nymphäum, wie der Fund einer Statue aus dieser Zeit belegt. Jahrhundertelang betrat niemand mehr die Grotte, woraufhin sie in Vergessenheit geriet. Erst 1826 entdeckte sie der deutsche Maler August Kopisch wieder. Der damit einsetzende Tourismus auf Capri zog zunächst Maler, Schriftsteller, Weltenbummler und später die Schönen und Reichen aus aller Herren Länder an, die sich von den armen Fischern in kleinen Booten zur wunderbar blauen Grotte bringen ließen. Heute läuft das große Geschäft so: Der schnelle Transport von Marina Grande im vollbesetzten Boot kostet pro Person 7600 Lire, vor der Grotte beim Umsteigen auf kleinere Boote zusätzlich 6600 Lire und beim Eintritt 8000 Lire. Feiertrage werden 700 Lire Aufschlag erhoben. Reiseleiter bieten, um dem Rummel zu entgehen, inzwischen den Besuch anderer Grotten an. Doch die bieten keinen Ersatz für das abenteuerliche Eintauchen des Bootes, bei dem die Passagiere flach auf dem Boden des Bootes liegen, das durch den nur 1,5 m hohen Eingang gleitet. Dann genießt man das "blaue Erlebnis" in der 54 x 30 m großen, 22 m hohen und bis zu 14 m tiefen Grotte endlich vor sich . Nach 17 Uhr, wenn die letzten Boote abgefahren sind und sich auch die schwimmende Grotten-Kasse tuckernd entfernt hat, kann man die Grotte - vorausgesetzt, man ist ein guter und mutiger Schwimmer - gebührenfrei für sich entdecken. (MERIAN live! Capri)

Capri vom Festland aus

Auf den 17. August 1826 (im Gästebuch des Hotels Pagano steht der 2. Juli 1828 als erster Besuchstermin) wird der historische erste Besuch der Grotte durch Kopisch datiert. Vorausgegangen sind sicherlich schon andere. (Die Höhle ist z.B. in einem Atlas des venezianischen Geographen Vincenzo Maria Coronelli unter Bezeichnung Grotta Gradola aus dem Jahre 1696 schon verzeichnet. Noch ein paar Jahre früher wurde sie auch von Capaccios Geschichte von Neapel 1607 erwähnt. 1964 wurden bei einem Tauchunternehmen auf dem Grund der Grotte die römischen Statuen eines Poseidons und eines Tritonen gefunden, die ursprünglich in Nischen an der Höhlenwand über dem Wasser angebracht waren.). Kyrle beschreibt die Reste "sehr einfacher" Einbauten, die für ihn mehr auf einen Gebrauchs- denn auf Prunkräume schließen ließen. Die Höhle sei vielleicht früher ein Zufluchtsort oder Versteck gewesen und künstliche Ausnehmungen im weiter innen liegenden Korrosionsgang haben vielleicht etwas mit der Suche nach Trinkwasser zu tun.

Kopisch schildert die klassische Entdeckungsgeschichte so, daß er durch seinen Hauswirt Giuseppe Pagano, den Notar vom Ort, erstmals davon erfahren hätte. 56 Jahre hätte dieser fast schon einen heimlichen Wunsch mit sich herumgetragen, und in Kopisch habe er nun den Mann gefunden mit dem er ihn sich erfüllen könnte. Es gebe da an der nordwestlichen Seite der Insel einen Palast Tibers und unterhalb davon einen Ort namens "Grottelle, wo das Meer in viele kleine Höhlungen mehr oder minder tief eindringt."

Am Eingang

Der Ort sei sehr verrufen, weil der Teufel mit vielen bösartigen Geistern darin wohne. Von einem alten Fischer sei erzählt worden, "daß vor zweihundert Jahren ein paar Geistliche den Spuk haben bestehen wollen. Dieselben sind auch ein Stück in die Grotte hineingeschwommen, aber gar bald wieder umgekehrt, in dem sie ein grauliche Furch angekommen." Nach deren Erzählung würde die Grotte inwendig so aussehen, "wie ein sehr großer Tempel, mit einem Hochaltar; ringsherum aber Alles voll von Götzenbildern, und das Wasser innen so wunderlich beschaffen, daß die Angst darin zu schwimmen ganz unbeschreiblich sei."

Es finden sich noch mehr Mutige und so geht es am nächsten Tag zu dem verrufenen "Teufelshaus". Bei den Grotten springen drei der Mutigen ins Wasser und wollen schwimmen, ein Vierter, Angelo, kauert sich in eine "Kufe", treibt vor sich die anderen Kufen mit darauf brennendem Feuer vor sich her und rudert dem Eingang zu. Da kommt der entscheidende Augenblick: "Nun war er unter dem Eingang, nun - tappte er sich an den Wänden hinein. Der gewaltige Rauch des Pechfeuers schlug ihm und mir entgegen, und mußten die Augen schließen, als wir unter das innere mächtige Gewölbe kamen. Als ich sie wieder auftat, sah ich Alles finster um mich her. Feuer und Rauch blendete, wo Angelo sich an den nassen Wänden forttappte, und nur mit dem Gehör konnte ich, nach dem Hall der rings anschlagenden Brandung, einigermaßen die Größe des überwölbten Bassins ermessen. Ich schwamm in wunderlich banger Erwartung weiter, vergeblich spähend nach Altertümern. Da merkte ich, daß...." Den Fortgang der Geschichte lese man bei Kopisch selber nach!

Mit der Entdeckung der Grotte setzt der Capritourismus ein. Vorher galt die Insel nur als "ein öder Kalkfelsen mit zwei kleinen Dörfern", deren einzige Attraktion, "die Möglichkeit war, "die Möglichkeit, sicher der Greuel zu erinnern, die Kaiser Tiberius hier einst verübt hatte - sofern man den Skandalberichten von Sueton und Tacitus Glauben schenken durfte." Mit einem Schlage war alles anders. Nun war Capri die "Insel der Blauen Grotte", der Ort, wo, wie es es Erwin Specker 1832 beschreibt, "der volle, übervolle Nektarkelch der Phantasie sein Auge reizt". Das vorher auf die Besichtigung der antiken Überreste, das "antiquarische Interesse" (Dieter Richter), gerichtete Ziel der Reisenden verschiebt zum "landschaftlichen" - ein Paradigmenwechsel mit tiefgehenden Folge

Einen öffentlich heute praktisch nicht mehr erwähnten Aspekt bringt eine homoerotische Note ins Spiel.  Um den Besuch noch außergewöhnlicher zu machen, ließ man nackte Knaben nach Münzen tauchen. "Nicht zuletzt das Bild des jungen, nackten Männer-Körpers, dessen reizende Konturen sich im himmlischen Silberblau des Wassers spiegeln, gehört über Generationen hinweg zum Faszinosum der Blauen Grotte." (Richter, Das blaue Feuer der Romantik, 88)

Laut einem Pressebericht ist es Höhlenforschern nicht gelungen, den mysteriösen Geheimgang zwischen der Grotte und der Villa des Kaisers Tiberius  zu finden. Dafür haben Taucher eine zweite blaue Grotte entdeckt, die aber nur Tauchern zugänglich ist. Außerdem wurden Felszeichnungen gefunden, was beweist, daß bereits schon viel früher dem Menschen bekannt gewesen ist und daß früher der Meeresspiegel um einiges tiefer gelegen haben muß, so daß ein trockener Zugang einmal möglich gewesen ist. (UNION, Nr. 2002, 28.8.1979, zitiert nach DER HÖHLENFORSCHER 2-1981, S. 28)

Der dramatische Eindruck, den der Besucher aus der oft wunderbar blau erleuchteten Grotte mitbringt, hat viele Künstler und Wissenschaftler beeinflußt. Darüber soll hier ein kleiner Einblick geboten werden.

Gemälde
(unter anderem gezeigt auf der Ausstellung "Kennst Du das Land.." 2005 in München)

Friedrich Thoeming 1834
nach 1824 August Kopisch
 
Heinrich Jakob Fried 1836

Stiche:

"Large wood-cut c 10" c 1880" (aus einem alten Angebot von Anne Oldham)

Eine eigene Geschichte haben die Postkarten von der Höhle. Zwei Beispiele:

1911 / 1965

Mindestens 4 Musikstücke gibt es darüber:

Auch die Dichtkunst blieb nicht unbeeinflußt von der "Entdeckung". Zu gut paßte sie in die romantische Zeitströmung, deren Kern von Novalis richtungmäßig so bezeichnet worden war: "Nach Innen geht der geheimnißvolle Weg". 1802 hatte er in seinem Roman "Heinrich von Ofterdingen" schon die Wirkungen der Farbe Blau in einer farbigen Wasserhöhle im Innern eines Berges bereits so beschrieben, wie es jeder Besucher der Blauen Grotte selber erleben kann: "..eine farbige Wasser-Höhle, mit einer Flüssigkeit überzogen, die nicht heiß, sondern kühl war, und an den Wänden nur ein mattes bläuliches Licht von sich warf. Er tauchte seine Hand in das Becken und benetzte seine Lippen. Es war, als durchdränge ihn ein geistiger Hauch, und er fühlte sich innigst gestärkt und erfrischt. Ein unwiderstehliches Verlangen ergriff ihn sich zu baden, er entkleidete sich und stieg in das Becken..." Hat Kopisch den Roman schon gelesen gehabt, als er sich nach Capri aufgemacht hat?

Ein paar weitere Zitate:

FELIX MENDELSOHN-BARTHOLDY: Vor allem muß ich aber von der blauen Grotte erzählen (1831)

"Nur ein kleines Stück der Öffnung ragt über dem Wasser hervor, und durch dies kleine Stück fährt man nun mit einem schmalen Kahn, auf dessen Boden man sich ausstrecken muß, hinein. Ist man einmal drin, so liegt die ganze ungeheure Höhlen mit ihrer Wölbung über Einem, und man kann frei, wie unter einem Dome, darin umherruder.. Die ganzen hohen Felsen sind himmelblau und grünlich im Dämmerlicht, etwa wie im Mondschein; doch sieht man alle Ecken und Vertiefungen deutlich; das Meer aber ist durch und durch vom Sonnenlicht bleuchtet und erheltt, so daß der schwarze Kahn auf einer hellen glänzenden Fläche schwebt: die Farbe ist das blendenste Blau, das ich je gesehen habe, ohne Schatten, ohne Dunkelheiten, wie eine Scheibe des hellsten Milchglases; und wie die Sonne durchseint, so sieht man auch ganz deutlich Alls, was unter dem Wasser vorgeht, und das ganze Meer mit seinen Geschöpfen thut sich auf..."

FERDINAND GREGOROVIUS: Undinen, Sirenen und glühende Mädchenleiber (1853)

"Der treffliche Kopisch hat sich auf diesem Eiland ein herrliches Denkmal entdeckt, und mir ist es, als wäre die wunderbare Grotte deutsches Eigentum und deutsches Symbol.... von dieser Grotte haben sie alle geträumt, und wahrlich, es konnte der Preis ihrer Auffindung auch nur einem Maler und Dichter zukommen, aus der Zeit, derer, wleche die blaue Wunderblume der Poesie suchten bei den Undinen in der Tiefe, bei der Frau Venus im Berge und in den unterirdischen Grotten der Isis.... Als ich in die Grotte einfuhr, war es mir, als wäre ich in eins jener Märchen zurückgekehrt, in die man sich als Kind hineinlebt. Welt und Tag sind auf einmal verschwunden, und da ist man in der wölbenden Erde und in einem Dämmer von blauem Feuerlicht.Die Wellen atmen still und perlen Funken empor, wie als sproßten aus den Tiefen blitzende Smaragde und rote Rubinen und tausend Karfunkelsteine auf. Geisterhaft blau sind die Wände und dabei mysteriös anzusehen, wie Paläste von Feen. Es ist Schein von fremden Wesen und von fremden Geist, ganz wunderbar, heimlich und unheimlich zugleich. Alles ist still wie in einer Schattenwelt..."

BERTHOLD BRECHT: "...Capris verfluchte blaue Limonade.."

ANDRÉ GIDE: "Sämliche auf meinen Reisen besichtigten Meeresgrotten haben mir gefallen, nicht aber die "Blaue Grotte" mit ihren eisfarbenen Spiegelungen, die nicht blau sondern indigo sind und sich ein farbenblinder Gott ausgedacht haben muß."

AUGUST WEBER:

Hier schweigt das Wort
und schwitzt der Pinsel:
Azzurra!
Kleinod dieser Insel.


Die heute zeitgemäße Art, sich mit "Naturschönheiten" auseinanderzusetzen, ist eher die der "wissenschaftlichen Erforschung". Dazu gehört in der Speläologie, daß man Pläne der Höhlen erstellt. Dies ist schon recht früh durch Kyrle und Bock geschehen. Zwei Beispiele:

Teilgrundriß der "Blauen Grotte" nach Plänen von Hermann Bock

Auch hier ist ein Stück Ästhetik drinnen ....

In dem "Klassiker" höhlenkundlicher Literatur "Die Höhlen der Insel Capri", erschienen als Nr. 1 der Wissenschaftlichen Beihefte zur Zeitschrift "Die Höhle", herausgegeben vom Landesverein niederösterreichischer Höhlenforscher, können wir in klarer wissenschaftlicher Diktion eine knappe Beschreibung der gesamten Höhle lesen. Kyrle beschreibt darin auch die Entstehungsgeschichte: "Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Anlage des gesamten Systems, einschließlich des Blauen Domes, eine alte Karsthöhle hauptsächlich korrosiver Herkunft, entstanden durch wenig bewegtes Grundwasser, darstellt und daß der Blaue Dom eine diskordante, gesunkene Brandungshöhle ist, deren Raumerweiterung sehr stark auf Verbruch zurückgeht."

Ende der 60er Jahre gekaufte Dias von der Grotte

Zuletzt noch die Schilderung einer deutschen Journalistin, die sich einen Traum erfüllen wollte, den wohl viele hegen, wenn sie an die Blaue Grotte denken: einmal in die Höhle hineinschwimmen, wohl am besten allein. Was dann tatsächlich passiert ist, das ist durchaus lesenswert: "Gern wäre ich allein gewesen, aber ich hatte drei Abende gewartet, immer war der Seegang zu hoch, und nun haben es zwei junge Franzosen vor mir geschafft. Am schmalen Eingang, wo tagsüber knapp ein Ruderboot hineinschlüpft, genau an diesem Engpass schweben im Wasser handtellergroße Quallen. Die grausligen Tiere tragen im Italienischen einen poetischen Namen: le meduse. Die Wächterinnen passen gut auf. Sie wollen mir den Zugang nicht verbieten, sie wollen nur testen, ob ich des Wunders würdig bin. Eine erwischt mich am Arm, eine streift an meinem Hals entlang. Untertauchen, ein paar Schwimmzüge - dann bin ich drin. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat. Das Blau ist viel blauer als das blaueste Blau auf allen Bildern der Blauen Grotte. Ich plansche und spritze um mich, das Wasserazur perlt durch die Luft. Die jungen Männer sind in eine Nebengrotte geklettert und springen hinein in dieses Himmelblau, ich will es ihnen nachtun, rutsche ab und schürfe mir an Muschelkanten Arme und Beine auf.
Drei junge Amerikanerinnen im Badeanzug warten zögernd vor der Grotte. Als ich mit quaddeligen roten Flecken und blutend auf die Plattform klettere, machen sie auf dem Absatz kehrt. "Alles halb so schlimm!", rufe ich ihnen nach....

Und in die Architektur ist die Blaue Grotte längst auch eingegangen. König Ludwig II. hier in Bayern war schon ein ganz besonderer Vogel. Für sein Schloß in Linderhof wollte er einen Nachbau dieser wohl alle Phantasien bis aufs Äußerste anregenden Höhle haben, gekreuzt mit der Venushöhle im Hörselberg. Weil keiner es geschafft hat, diesen ganz besonderen Blauton zu erzeugen, den Ludwig selber ja nie gesehen hat, weil er nie dort war, trieb er einen Menschen deswegen vollkommen in die Verzweiflung und am Ende in den Selbstmord. Dieses Blau der Blauen Grotte. Eine technische Erfindung wurde dafür angeregt - die Wellenmaschine. Sie gab es vorher nirgendswo auf diesem Planeten. Mit Gips und allerhand anderen Materialien wurde dieser Königstraum Wirklichkeit. Wäre nur der König einmal selber dort hinunter gefahren! Aber so kommen heute hunderttausende Touristen, viele Euros dafür bezahlend, zu uns! Und staunen.

Mindestens noch eine "Blaue Grotte" in einem Anwesen in Deutschland gibt es: Park und Schloß Marquardt bei Potsdam. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm, Mitglied im Geheimbund der Rosenkreuzer, soll des öfteren dort an spiritistischen Sitzungen teilgenommen haben.


Die Einfahrt in Marina Grande ist immer wieder schön...

..eine Fahrt über die Insel, offen der Wagen,
windig und rauh die Luft -
der Blich saugt sich fest an schönen Winkeln -
unter dir die Grotte, fast kitschig blau -
das Meer davor ganz ruhig, die Wellen plätschern
sanft ans Ufer
dein Atem geht ganz ruhig, ein und aus - ein und aus -
den Wellen gleich

aus: Müller, Else, Du spürst unter deine Füßen das Gras - Autogenes Training in Phantasie- und Märchenreisen, Fischer-Verlag, Frankfurt a.M. 1998


Internetlinks:

blue-grotto-impressionistic-32

http://www.showcaves.com/german/explain/Literature/BlaueGrotte.html

http://www.caprionline.com/

http://www.pettoruti.com/obra.htm

Ausgewählte Literatur:

Andersen, Hans Christian Der Improvisator, ars vivendi verlag, Cadolzburg 2004
Brambaren, Sergio Die Blaue Grotte, Piper-Verlag 2007, Originaltitel: Franceso
Kopisch, August Entdeckung der Blauen Grotte auf der Insel Capri, herausgegeben von Dieter Richter, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1997
Kyrle, Georg Die Höhlen der Insel Capri, Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift "Die Höhle" Nr. 1, herausgegeben vom Landesverein niederösterreichischer Höhlenforscher, Wien o.J.
Furchheim, F. Die Blaue Grotte auf Capri. Deutsche Rundschau f. geogr. Statistik, 29., 1907, S. 154-159
ohne Verfasserangabe Notiziario CAI NAPOLI, 3-1981, SCHEDARIO DELLE GROTTE CAMPANE - AZZURRA; CASTELCIVITA; PERTOSA; SMERALDO, S. 17ff.
Schaefer, Barbara Capri non capriccciosa, GEOSAISON Februar 2000, S.86ff
Chabert, Jacques La grotte Bleue d'Emilio Pettoruti, Grottes & Gouffres N° 157, Dezember 2001, S. 14ff.
Meyer-Lohr, Yvonne, (HRSG.) Capri, Mit Texten von Claretta Cerio und Fotographien von Umberto D'Antello, München 2007
Schneider, Susanne Die Touristengrotte, in: Süddeutsche Zeitung Magazin 43-2010, 18f.
Waiblinger, Wilhelm Werke und Briefe, Band 4 Reisebilder aus Italien, Veröffentlichungen der Deutschen Schillergesellschaft Band 37, Cotta-Verlag, Stuttgart 1988
Welter, Andrea Capri - Schroffe Felsen - blaues Fenster, in: KENNST DU DAS LAND - Italienbilder der Goethezeit, PINAKOTHEK-DUMONT; München 2005
Meyer-Lohr, Yvonne, Cerio, Claretta, D'Aniello, Umberto Capri, Prestel-Verlag, München 2007
Mittelmeier, Martin Adorno in Neapel, Siedler-Verlag, München 2013
Richter, Dieter Das blaue Feuer der Romantik, in: Kopisch, August - siehe oben
Mosebach, Martin Die schöne Gewohnheit zu leben, BvT, Berlin 2007

 


Andere "Grotta Azzuras", "Blue Grottos", "Blauen Grotten" auf der Welt, ein Echo auf die überragende Bedeutung des Naturwunders von Capri:

Die Blaue Grotte auf Capri ist nicht die einzige. Die anderen reichen allerdings nicht an ihre Berühmtheit heran. Ein paar Beispiele:

Weitere Internetlinks:


Beliebt war und ist es heute auch noch, Restaurants und Hotels "Grotta Azzurra" zu nennen. Es werden halt auch heute noch erfolgreich "Träume" verkauft...

 

 

 


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