Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Der Jakobsweg in Spanien 1

von Saint-Jean-Pied-de-Port bis nach Burgos

mit den Augen eines Höhlenforschers gesehen


Am besten im Hintergrund mit Alvaro Solers "El Mismo Sol" zu hören......

Morgen geht es los. Nach einer Unterbrechung von mehreren Jahren. Aber es wird Zeit, die Dinge abzuschließen. Die Form zu vollenden. Den Weg von Gröbenzell, dem Ort meines Bettpfostens, bis nach Compostella und darüber hinaus bin zum Ort, wo es landmäßig nicht mehr weitergeht, in Europa, zu erreichen. Noch geht es. Funktionieren meistens die Knochen und die Muskeln. Und der Geist. 

Jeder geht seinen Jakobsweg. Und diese Wege sind sehr unterschiedlich - man muß sich nur die tatsächlichen Wege anschauen. Der verrückteste wäre, möglichst schnell das Ganze hinter sich zu bringen. Auch das gibt es - und gehört auch zur Ausgangsaussage. 

Bei mir funken einfach immer die Höhlen dazwischen, spielen eine wichtige Rolle. Einfach nur durchdüsen, was wäre so etwas wie eine Naturlästerung für mich, analog zur "Gotteslästerung" aus früheren Weltanschauungen. Die Dordogne, die östlichen Pyrenäen, mit Höhlen gesegnete Landschaften. Ich freue mich darauf. Die erste zu besuchende Höhle liegt noch auf französischem Gebiet, ganz in der Nähe der spanischen Grenze, die grotte de l'Harpea.

Schon oft wurde ich gefragt, ob ich den Weg alleine gehen würde. Die zutreffende Aussage ist, daß man auf dem Jakobsweg kaum alleine ist, denn viele viele gehen ihn. Ich war auch schon mit Freunden unterwegs, einem, zwei, drei. Am Ende bin ich übrig geblieben. Einige können einfach körperlich nicht mehr, anderen ist zu anstrengend mit mir unterwegs zu sein. Ich liebe die Offenheit, das Bereitsein für das Abenteuer. Das ist schnell erreicht, wenn etwa das Quartier, das laut Führer offen sein sollte, z.B. noch zu hat. In good weather everybody can be a captain. Aber was tust du, wenn das mit dem guten Wetter nicht der Fall ist? Da zeigt sich dann schnell deine Fähigkeit, mit dieser Welt zurecht zukommen. Da gibt es viele Antworten, manche sind nicht meine. Zum Beispiel taggenau die nächste Unterkunft vorzubuchen. Oder gleich die ganze Unternehmung vom Reisebüro organisieren zu lassen. Dann ieber einmal ungeplant in einem offenen Stadel übernachten, besser gesagt, die Nacht durchfrieren bis es wieder hell ist....

"Wer sich bewegt, der bewegt immer mehr als nur sich." Sloterdijk, Eurotaiosmus, S. 29


Ich bin zurück. Heil. Hier ein kurzer Bericht davon.

1. Tag
Saint-Jean-Pied-de-Port > Roncevalles

In Saint-Jean

Die ersten Aufstiegsmeter von 1.200 an diesem Tag

 

Oberhalb von Orisson
An der Grenze nach Spanien

> Am Weg zum Ibanetapaß

2. Tag
Roncesvalles > Urdaniz
http://www.alojamientosacayalla.com/

< Roncevalles

> Espinal

3. Tag
Urdaniz > Pamplona > Zariquiegui
Albergue San Andrés
http://www.alberguezariquiegui.com/

< Cafe in Zurain

> Trinidad de Arre

Zwischen Cizur und Zariquiegui
In Zariquiegui
4. Tag
Zariquiegui > Lorca
La Bodega del Camino
https://www.labodegadelcamino.com/en/

< Puerto del Perdon

> Muruzabal

Santa Maria de Eunate
Gottesanbeterin unterwegs

> Alte Römerstraße - noch in Benützung

 

Puente la Reina

> Die Füße der bekannten Jakobsstatue in der Santiagokirche: Barfuß lief der echte Pilger offenbar!

Das Albergue "La Bodega del Camino" in Lorca
5. Tag
Lorca > Los Arcos
La Fuente de Los Arcos
http://www.lafuentecasadeaustria.com/deutsch/home/

< Die bekannte Wasser- und Weinquelle an den "Bodegas Irache"
http://www.irache.com/

> In Villamayor de Monjardin

Los Arcos
6. Tag
Los Arcos > Logrono
Albergue Santiago Apostol
http://www.alberguescaminosantiago.com/albergues
/albergue-santiago-apostol-logrono-la-rioja/

< Torres del Rio

> 6 laufen auf dem Jakobsweg - 2 arbeiten auf dem Feld (wovon einer mit dem Smarthphone telephoniert)

Abends in Logrono

"Cuevas" in Logrono in einem Schaufenster:
Markenname einer mit Schokolade veredelten Kastanienverarbeitungsfirma

7. Tag
Logrono - Najera
Albergue Municipal de Peregrinos
http://www.najera.es/turismo/najera-ciudad-del-camino.html

http://www.lossellosdelcamino.com/index.php/ruta-del-
camino-frances/menu-camino-frances/item/albergue-
puerta-de-najera

Mal ist man überhaupt nicht allein, mal lange ganz für sich

 

Albergue de Peregrinos in Nájera
Abends in Najera
8. Tag
Najera > Granon
La Casa de las Sonrisas
http://www.alberguescaminosantiago.com/albergues/
albergue-de-peregrinos-la-casa-de-las-sonrisas-granon-la-rioja/
9. Tag
Granon > Tosantos
Albergue Parroquial Tosantos
https://www.pilgerherbergen.com/herberge/
albergue-parroquial-tosantos/
Am Ortseingang von Belorado

> Auch ein Hinweis auf eine geführte Höhle, die 
http://www.belorado.es/content/cueva-de-fuentemolinos,
eine der längsten Konglomerathöhlen der Erde

Die kirchliche Herberge in Tosantos

> Blick in den Schlafsaal

10. Tag
Tosantos > Atapuerca
Albergue La Hutte in Atapuerca
http://todosloscaminosdesantiago.com/albergue-la_hutte/

https://www.pilgerherbergen.com/herberge/albergue-la-hutte/

In San Juan de Ortega
Auf dem Weg nach Atapuerca
11. Tag
Atapuerca > Burgos
Hier beendete ich diesen Teil der Jakobswegwanderung und möchte im Frühjahr 2019 dort weitermachen.

Mein Weg führte mit dem Bus zuerst nach Irun, dann nach Hendaye. Erst am nächsten Morgen um 6.40 Uhr fuhr dann der erste Zug nach Norden. Nach dem Umsteigen erreichte ich wieder Saint-Jean, wo mein Auto seit längerem schon herumstand. In Etappen ging es dann wieder in Richtung Gröbenzell.

Was gab es an Speläologischem zu sehen? Ein wenig etwas, wenn man den Blick dafür hat.

1. Höhlenwohnung in Los Arcos
Oberhalb des Ortes ragen fein geschichtete Felsen aus der Landschaft. Geht man dorthin, dann stößt man gleich auf ein mit festen Gittern und Drahtseilen abgesperrtes Gelände. In ihm sind die Reste einer früheren Höhlenwohnung zu sehen, in denen sicherlich früher Menschen gelebt haben. Heute ist da kein geregeltes Hinkommen möglich, aber man kann immerhin von außen hinschauen.

2. Kapelle Virgen de Cuevas zwischen Viana und Logrono

Warum diese Kirche auf dem Weg zwischen Viana und Logrono so heißt, das war erst über das Internet zu eruieren. Bei Joos heißt es einfach: "Hier finden sie an einem Rastplatz einen Brunnen." (S. 86). Tatsächlich ist dort wohl die meiste Zeit des Jahres nicht viel los, aber am 25. April jeden Jahres findet dort eine "Romeria" statt, ein großes Fest zu Ehren der "Höhlenjungfrau", die ja auch an anderen Orten in Spanien verehrt wird. 
http://navarra.definde.com/ficha-evento/romeria-a-la-virgen-de-las-cuevas-en-viana-10824

3. Cuevas de Najera "el castillo" 

In Najera, das einst als Residenzstadt der Könige von Navarra diente, fallen sofort die hohen roten Felswände am Ufer des Rio Najerilla auf. Wer genau hinschaut, der sieht an verschiedenen Stellen der Wände schwarze Löcher. Das sind die Reste früherer künstlich geschaffener Räume, die man in das Gestein gehauen hat. Die ziemlich unzugängliche Lage sollte wohl Schutz vor Feinden bieten. Bei der ehemaligen Burg, dem "castillo" befindet sich eine besonders große Anlage in den Felsen, die aber heute erst mit einem Gitter und dann mit einer massiven Türe abgeschlossen ist. Den Schlüssel zu den Räumen dahinter soll es im Museum geben.

http://www.vallenajerilla.com/legadomedievalnajera/cuevas.htm / http://www.najeraenred.es/najera/las-cuevas/

4. Künstliche Höhle im Kloster Santa Maria la Real in Najera

Das Kloster Santa Maria la Real wurde gleich neben einer künstlichen Höhle angelegt, von der es heißt, dort habe der König von Navarra, Garcia Sanchez III, eine Madonnenstatue gefunden. http://www.santamarialareal.net/ Wenn man sich den Baukomplex anschauen will, dann muß man sich an die Öffnungszeiten halten und das bedeutet, daß erst um 10 Uhr der erste Zugang möglich ist. Für einen Jakobspilger, der die Zeit nützen muß, wenn er vorwärts kommen will, ist das viel zu spät, denn der bricht spätestens um 7 Uhr zur nächsten Etappe auf. 

Die ausführliche Geschichte lautet so: "Der König sei auf einer Rebhuhnjagd gewesen. Ein Rebhuhn und ein Jagdfalke seien in einer Höhle in den Felsen verschwunden, "am steilen Prallhang des Najerilla". Der König sei nachgesetzt und habe die beiden Vögel friedlich vereint unter einem Madonnenbild entdeckt. "Da sei es nur folgerichtig gewesen, dass der König ein Kloster stiftete." (Büscher 89) Hinter dem interessantesten Sarkophag, dem der Königin Bianca, liege die "alte Kulthöhle, in der sich auch heute noch eine Marienstatue befindet." (Büscher 90). 

Bei Andreas Drouve können wir das Ereignis noch viel ausgefüllter und bildhafter verfolgen: "In der Höhle stand ein kleiner Altar mit einem Bildnis der heiligen Jungfrau. Ein Bildnis, wie es der König prächtiger nie gesehen hatte: Maria als Königin und Mutter, ihr Gesicht von zarter Anmut, die großen Augen voller Liebe und Wärme, auf ihrem Haupt eine goldene Krone, auf ihrem linken Knie den Sohn. Zu ihren Füßen erblickte Garcia und seine Getreuern eine winzige Lampe mit dem ewigen Licht, eine Glocke und eine terraza, eine Vase mit langen, weißen Lilien. Es waren herrliche Madonnenlilien, die einen betörenden Duft verströmten. Größer noch war ihr Erstaunen, als sie auf dem lehmigen Boden das Rebhuhn und den Falken in friedlicher Eintracht entdeckten. 'Das müssen übernatürliche Kräfte sein', sagte Garcia. Ehrfurchtsvoll warf er sich nieder, dankte Gott aus tiefstem Herzen und betete das Bildnis an." (Drouve, Jakobsweg 91).

Ich habe das nicht mehr gesehen, denn ich eilte schon um 6 Uhr früh weiter, um mein nächstes Ziel zu erreichen und möglichst viel Strecke schon gemacht zu haben, ehe die Sonne gnadenlos herabbrannte.

5. Eremita Nuestra Senora de la Pena bei Tosantos

http://www.tosantos.es/lugares-de-interes/ermita-de-la-virgen-de-la-pena

 

6. Atapuerca


In den Führern stand, daß man nachmittags zu den Höhlen in dem nahen Karstgebiet fahren könnte. Davon war, als ich dort war, in keinster Weise die Rede. Nirgends gab es eine Ankündigung, daß da irgend etwas angeboten würde. Wenn man auf dem Camino unterwegs ist, dann geht etwas entweder einfach oder gar nicht. So unterließ ich alle besonderen Anstrengungen. Der Weg führt ja in Richtung Burgos hinauf in das Karstgebiet, das allerdings meist abgeriegelt und als militärisches Übungsgebiet ausgewiesen ist, so daß das Betreten entlang des Wegs meist verboten ist. 


Typische Morgenstimmung unterwegs

Literatur:

Büscher, Tobias, Höllhuber, Dietrich Wanderführere Spanischer Jakobsweg, DUMONT, Ostfildern, 4. Auflage 2018
Drouve, Andreas Jakobsweg - Stille Winkel auf dem, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2008
Drouve, Andreas Der Jakobsweg - Ein Reisebegleiter, Insel-Verlag, Frankfurt a.M, Leipzig 2005
Joos, Raimund Spanien: Jakobsweg Camino Francés, OUTDOOR, 19. Auflage 2016
Sloterdijk, Peter Eurotaoismus - Zur Kritik der politischen Kinetik, edition suhrkamp, 3. Auflage 2016

Links:

http://www.gps-tracks.com/camino-francés-st.-jean-roncesvalles-pilgerweg-B03608.html

Speläologisches entlang des Jakobsweges


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