Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

STONES LIKE US / Steine wie wir

23.-24. Juni 2018 Tischoferhöhle bei Kufstein

Ein Projekt von Katrin Hornek / Performance und Installation / und Sabina Holzer


"Zugegeben. Im ersten Augenblick ist man enttäuscht. Wer die Ausstellung....in Innsbruck betritt, muss diese erst einmal suchen. Die Räume sind fast leer. Da gibt es keine aufwendigen Installationen und teuren Einbauten....(es) wurde für die Ausstellung nur mit dem Material gearbeitet, das bereits da war. Ein bis zwei großformatige Photographien, direkt an die Wand geklebt, eine schlichte Mappe liefert weitere Informationen...Das ist es. Mehr nicht..." Weissmüller, Laura, Genial räudig, Süddeutsche Zeitung Nr. 143, 25. Juni 2018, Feuilleton, S. 11 So beschreibt eine Journalistin die aktuelle Ausstellung "Lacacton & Vassal. Inhabiting: pleasure and luxury for everyone" in Innsbruck 2018 und so ähnlich hätte auch der Text zu dieser Höhlenkunstausstellung lauten können.


Peter Hofmann hat über den Emailverteiler des Vereins für Höhlenkunde in München uns benachrichtigt, daß es in der Tischoferhöhle bei Kufstein in Tirol an diesem Wochenende ein außergewöhnliches Kunstprojekt geben würde. Ich hatte Zeit und fuhr hin.

Woran will man messen, ob sich so ein Besuch "gelohnt" hat? 30 bis 40 Minuten Aufstieg und dann wieder ein kräftiger Abstieg bis zum Eingang der Höhle vom Bezahlparkplatz am Hauptzugang in den "Kaiser". 2 Euro 50 bezahlt, selbst geschwitzt, viele Male "Grüß Gott" gesagt, aber es hielt sich noch in Grenzen, weil morgens noch nicht so viele unterwegs sind. Ich freute mich über die Sitzbänke unterwegs, schließlich trage ich ja inzwischen nicht nur hinten einen Rucksack. Schließlich der Abzweiger zur Höhle. Überall stehen inzwischen große "Informationstafeln", die einem alles erklären sollen, was das alles bedeutet. Lesen tut das selten jemand, jedenfalls habe ich die Leute beobachtet, wie sie sich verhalten. 

Gegen 10 Uhr war ich am Höhleneingang. Ein Mann saß vor seinem Rucksack und schien etwas zu suchen. Dann tauchten noch zwei Frauen auf. Wie sich schnell herausstellte, waren das die beiden "Künstlerinnen", die rechtzeitig da waren, um die Besucher zu empfangen: Sabina Holzer und Katrin Horneck.

Wer wollte, der bekam ihre "Handlungsanweisungen, SET 1 und SET 2, und ein kleines Textbändchen, und begab sich auf die vorgestellte Reise. Da heißt es am Anfang: "# Lies Teile des Textes aus dem Booklet jemand anderem oder etwas in der Höhle vor: einer Schichtung, einer Linie, einem Schwung, einem Tier. # Richte deine Aufmerksamkeit auf deine Harnblase. Schließe die Augen und forme mit Ton nach, wie sich die Innenwand dieses Organs anfühlt. Denke dabei an den Meeresboden.....# Lasse dich von der Höhle betrachten. # Berühre einen Stein, der dich anspricht und lasse dir von seiner Jahrmillionen langen Erfahrung erzählen.".... 

Man sieht gleich, daß die Erfahrungen, die jeder Besucher und jeder Mitmacher gemacht hat, wohl ziemlich unterschiedlich und sehr persönlich waren. Entsprechend unterschiedlich wird dann auch das "Urteil" ausfallen, was man von der Ausstellung und ihrem Gehalt hält.

Zu sehen gab es nicht viel - außer der Höhle. Ziemlich unauffällig waren die Setzkästen mit den Körpersteinen aus der Sammlung Tessadri in den großen Höhlenraum gesetzt worden, hinten meist auf einen Stein gestützt, so daß sie geneigt waren und man sie besser sehen konnte. Dann lagen auch etliche Plastiken aus dunklem Lehm neben den Kästen, auf Steinen, auf dem Boden, wohl von den Besuchern gemacht. Oft waren es einfach Würste, eine richtige Kopfform fiel schon auf. 
Ansonsten gab es auch noch viel Unterstützendes zu sehen, Wannen, in denen man baazeln (?) hätte können oder sich die Hände hinterher wieder waschen, in Plastik verpackter Lehm, den die Besucher noch bearbeiten hätten können, ein Kocher, auf dem man sich etwas zu essen hätte machen können, Bananen zum Essen, ganz hinten eine grüne Plane, wo irgend etwas aufgehoben wurde. Eine Schachtel mit den Texten lag direkt am Eingang und lud ein, sich zu bedienen. Insgesamt hatte man 370 kg Gepäck hergeschleppt, das man am Ende des Projekts auch wieder erst hinauf und dann hinunter schleppen mußte. 

Sind wir "Steine"? Damit hat man wohl nur einen kleinen Teil von uns beschrieben, aber uns zur Gänze sicherlich nicht erfaßt. Die Nieren-, Gallen- und Blasensteine zeigen, daß sich unter besonderen Umständen auch in den Körpern von uns Menschen Mineralien bilden können, was glücklicherweise nur wenige betrifft, aber die heftig. In den Höhlen kann diese Neubildung, aber auch der Abbau auch passieren. Weiters kann ja schon ein Hohlraum bei der Bildung des Gesteins entstehen, z.B. bei den Höhlen in Gletschern, in Lavaströmen, bei der Entstehung von Tuff. Auf den Menschen bezogen wird ja bei der Geburt wieder Platz frei im Bauch der Mutter. Tausend Assoziationen sind in diesem  Zwischenbereich von Mensch und Höhle möglich.

"Nur ein Eindruck. Ein flüchtiger Abdruck in Raum und Zeit. Auf unserer Netzhaut, in unseren Augenhöhlen, die das Licht einfangen..." Diese Sequenz steht im Kapitel "Naturkulturbildener" in der gelben Broschüre für das Kunstprojekt. 

Schon ist es wieder abgebaut, alles nur noch Erinnerung. So flüchtig ist alles. Auch Steine entstehen und vergehen. Wie wir. Mal an Orten, wo sie hinpassen, mal an solchen, wo sie wehtun, sehr sogar.

 

     
     

Literatur:

Holzer, Sabina, Text, Hornek, Katrin, Bildstrecke Stones like us Steine wie wir, 2018

Links:

http://www.koer-tirol.at/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&topic_id=37&page_id=84

http://www.katrinhornek.net/

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