Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlen im Filstal und Seitentälern, Schwäbische Alb


Schertelshöhle

Zwischen Wiesensteig und Drackenstein

Krähenstein

Kahlensteiner Höhle

Mordloch im Eybachtal


Die Fils ist einer der Nebenflüsse des Neckars. Sie entspringt am Ende des Hasentals im Talgrund aus einer Spalte in 625 m Seehöhe. Die Schüttung beträgt zwischen 50 l/s bis 240 l/s. 

Wandert man von dort talaufwärts ins "Hasental", so kommt man mal an eine Stelle, wo sich das Tälchen verzweigt. Ein Stufenweg kommt von der Schertelshöhle herunter und dort zeigt einem ein Schild, daß es nur noch 100 m zum Steinernen Haus sind. Eine der auffallenden Naturschutztafeln zeigt bereits von weitem, noch ehe man den großen Eingang selber sieht, wo es lang geht. 8 m breit und 4 m hoch ist das Eingangsportal schätzungsweise. Vor einem liegt eine 250 m² große Felshalle. Nach rechts zu verengt sie sich allmählich und geht in einen Gang über, der heutzutage im Winter abgesperrt wird aus Fledermausschutzgründen.
Sehr lohnend ist es oft, die Höhle im ausgehenden Winter aufzusuchen. Dann kann man an vielen Stellen herrlichste Eisfiguren bewundern. Es gibt sie aber nicht lange. So schnell wie sie kommen, so schnell gehen sie auch wieder.
Erwähnenswert ist noch, daß die Höhle früher von den Klosterfrauen von Wiesensteig überlieferterweise benutzt wurde als Unterkunft, wenn gerade wieder Not am Mann war in "stürmischen Zeiten".

2021 Die Höhlenphototechnik hat sich weiterentwickelt....

Vom Tal aus kann man auf einem Betonstufenweg hinaufsteigen und kommt direkt beim Führerhaus  der Schertelshöhle heraus. Der ursprüngliche Eingang ist nicht weit davon gelegen. Man kann ihn heute beim besten Willen nicht übersehen. Ein Gitterzaum ist ringförmig um die Schachtöffnung gezogen worden und, damit auch kein Autofahrer hineinfällt, richtige Leitplanken in Straßenhöhe zusätzlich angebracht worden. Ein gelbes Schild erzählt einem, was man vor sich hat, einen "Höhlentrichter 24 m tief".

Die Schacht ist schon altbekannt. 1470 wurde er erstmals in einer Wiesensteiger Chronik als "Schretzenloch" erwähnt. Dann hieß es mal "Kuhloch", weil man dort kranke Kühe "entsorgt" hat. Auf das Jahr 1820 wird die erste Befahrung des Schachts datiert, andere schreiben 1821. Ein Jahr später wird von Bergleuten erzählt, die auf der Suche nach Steinkohlevorkommen in den Schacht einfahren und die Höhle erforschen. 1829 treiben der Amtsnotar Scheuffele aus Wiesensteig und einige Naturfreunde einen kurzen Stollen in den Berg und machen so die Höhle auch anderen Leuten zugänglich. Ums Jahr 1860 benutzt ein anderen Pächter die Höhle als Bierkeller. 1900 wird der Ortsverein Westerheim des Schwäbischen Albvereins gegründet, der dann die Betreuung der Höhle übernimmt.

350 m unterhalb der Schertelshöhle gab es einmal eine Höhle, die Burkhardthöhle, heute nicht mehr. 1933 wurde dort mal von Riek Werkzeuge aus dem Magdalenien ausgegraben. Im Zweiten Weltkrieg hatte man dort Munition gelagert, was 1945 zur Folge hatte, daß sie von der Wehrmacht am Ende gesprengt wurde. Heute liegen nur noch Felstrümmer herum. 


63 km lang ist das Filstal. 2 km nach der Quelle stößt man auf Wiesensteig. Die moderne Geißel des Verkehrs ist hier voll wirksam, denn am Hang zieht sich eine Fahrspur der Autobahn Stuttgart-Ulm zieht sich an der Talflanke entlang nach oben. Mühlhausen im Tale wird passiert. Bei Gosbach ist die neue große Eisenbahnbrücke über die Fils unübersehbar. Der Lärm der anderen Autobahnspur ist unüberhörbar. Bad Ditzenbach wird erreicht, Deggingen, Hausen a.d. Fils, Bad Überkingen, schließlich Geislingen, wo die Fils nach Norden abknickt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte eine starke Industrialisierung des Tals ein, was zu einer starken Belastung des Wassers durch das Abwasser der Haushalte und noch mehr durch die chemische und lederverarbeitende Industrie kam. Zwischen den 1940er Jahren bis Mitte der 1980er Jahre wurde das Abwasser weitgehend ungeklärt, was, man möchte das heute kaum glauben, das Wasser immer wieder rot, blau oder violett daherkam. In der Zeit von 60er und 70er Jahre so sehr, daß in der Fils kein Leben mehr existiert haben soll. Das Wasser zu nutzen war verboten, man durfte es weder "betreten" noch trinken. Die Situation hat sich inzwischen gebessert, weil es nun Kläranlagen gibt, allerdings sind die Ufer und der angrenzende Grund noch immer mit Schwermetallen belastet.

Heute führt ein beliebter Radweg neben der viel befahrenen Landstraße duerch das Tal, bei Bad Ditzenbach hat man einen prachtvollen Obstgarten entlang des Flusses angelegt, in Bad Überkingen wird man mitten durchs gepflegte Ortszentrum geleitet. Viel wird getan, um die Region zu entwickeln.

Höhlenkundlich gibt es entlang des Flusses einiges. Der ausgezeichnete "Höhlenführer Schwäbische Alb" von Binder und Jantschke zählt einige Dutzend Objekte auf. Will man sich informieren, dann zeigt sich, daß das gewählte System, nämlich der Blatteinteilung der 1:50000 Schwäbische Alb, auch eine Schattenseite hat. Es werden dabei 3 verschiedene relevante berührt: 7522 Bad Urach, 7524 Blaubeuren und 7324 Geislingen an der Steige. Deshalb muß man dann von Blattgebiet zu Blattgebiet wechseln, um alle zu erfassen. Neben diesen veröffentlichten Höhlen gibt es noch eine Reihe weiterer, meist kleinere, die nur in Spezialveröffentlichungen stehen.

Ich kenne das Gebiet nur wenig, aber habe hier einmal zusammengetragen, was sich so bei mir angesammelt hat im Laufe der Jahre.

Die längste Höhle des Gebiets ist die Brunnensteighöhle am Abschluß des Autals, wo eine Quelle austritt. Auf 876 m Länge ist diese ab 1965/66 von Jochen Hasenmayer und A. Wunsch erforschte Wasserhöhle. Ein Streckenteil trägt den Namen "Schlammwalzensiphon" was sehr anschaulich beschreibt, worauf man sich hier gefaßt machen muß. Nach dem 20. Siphon wurde immer noch kein definitives Ende erreicht. 


Auf den Eingang zu dieser "Höhle" stieß ich beim Aufstieg von Geislingen zum Hungerberg im Mai 2021. Keine Ahnung, wie das Loch heißt, noch was sich dahinter "verbirgt". Ich war zu müde vom Radschieben, um auch da noch hineinzukriechen.

 

 


Literatur:

Binder, Hans Höhlenführer Schwäbische Alb, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1977
Binder, Hans, Jantschke, Herbert Höhlenführer Schwäbische Alb, DRW, Leinfelden-Echterdingen, 7. Auflage, 2003
Hagel, Jürgen Das Filstal. Natur, Kultur, Geschichte, Orte, Siberburg-Verlag, Tübingen 2003
o.V. Schertelshöhle bei Westerheim seit 175 Jahren Schauhöhle, Laichinger Höhlenfreund 2007, S. 142
Striebel, Thomas Höhlen im Brunnental bei Bad Ditzenbach, Mitteilungsheft der Höhlenforschungsgruppe Blaustein, Jg. 3 Nr. 1, Tuttlingen 1980, S. 8-18
Striebel, Thomas Die Höhlen im Gebiet der Oberbergfelsen,  Mitteilungsheft der Höhlenforschungsgruppe Blaustein, Jg. 5 Nr. 2, Tuttlingen 1982, S. 71-89

Links:

 


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