Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Höhle von Tham Pha Chan im Pha Soung, Thakek-Region, Khammouane, Laos


Pha Soung

Die Tham Tammakan und andere Höhlen im Pha Soung


Die große Tham Pha Chan (auch Tham Phachan) heißt auch die "Höhle des Sandelholzbuddhas". "Mai Chan" ist das Wort für "Sandelholz". Sie liegt 26 km nördlich von Thakek und ist auf staubigen Straßen nur mit einem entsprechend robusten Fahrzeug gut zu erreichen. 

Das Tourismusbüro von Khammouane bietet organisierte Besuche dorthin an ( www.khammouanetourism.com ), auf der Webseite von www.tourismlaos.org wird davon abgeraten, selbst die Höhle zu suchen (It is not recommended that you try to find this cave yourself"), der Loose-Reiseführer beschreibt den Weg so: "Der abenteuerliche Weg zur Tham Pha Chanh über Trampelpfade, Reisfelder und Flüsse ist selbst mit Karte schwer zu finden." (Loose 403). Auf dem MAPS.Me ist sie eingetragen als "Buddha Cave" und entsprechend leicht zu finden. Für die Einheimischen stellt das überhaupt kein Thema dar, denn sie fahren mit ihren Fahrzeugen bis zur Parkfläche in der Höhle, wo sie die Fahrzeuge stehen lassen, die Höhle dann zu Fuß durchqueren und ihrer Arbeit auf der anderen Bergseite dann nachgehen können. Licht braucht man, wenn man sich auskennt, zur Passage nicht.

Am Westeingang liegt etwa 20 m über der Höhlensohle ein Buddhaschrein. Er ist über eine Betontreppe leicht erreichbar. Oben ist eine Plattform, auf der man alles findet, was zu so einem kleinen Heiligtum gehört: eine Buddhafigurengruppe, Matten, Fahnen, sogar ein Holzbett steht da. Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Namensgrafittis und schwarzen Zeichnungen an der Höhlenwand.

Ich hatte mir einen Tag im Februar 2017 frei genommen von der "Höhlenexpedition" in Ban Na und startete alleine eine Umwanderung des Pha Soung, des "Hohen Berges". Das sind etwa 20 km Fußmarsch, die sich aber absolut lohnen. Dabei kommt man zwangsläufig mit dieser Höhle in Berührung, stellt sie doch den Schlüsselpunkt für die Umrundung dar. Der Pha Soung steht vollkommen isoliert von den anderen Bergzügen der Umgebung in der ebenen Sohle der früheren Polje - mit einer einzigen kurzen Ausnahme. Ganz im Norden zieht sich ein einziger kurzer Bergzug hin zu den Bergen der Umgebung. Und genau der ist durchhöhlt mit der Tham Pachan. Gäbe es diese Höhle nicht, dann würde sich das Wasser aus der höher gelegenen Gegend an den Wänden stauen und ganz anderswo hin ablaufen müssen. So dringt es durch den Berg und kommt auch der anderen Seite als Nebenarm des Nam Don wieder zum Vorschein. 

Kommt man von der Nam Don-Seite her, dann sieht man vor sich eine abweisende Felsmauer immer höher vor sich aufragen, die zwar niedriger ist als die Berge links und rechts davon, aber immerhin wohl noch 150 m hoch. Wie soll man da noch weiterkommen? Nun, die Antwort sieht man gleich vor sich. Da ist ein großes Loch drinnen, durch das man blicken kann bis auf die andere Seite, wo es schon wieder hell herscheint. Ein Flüßlein zieht sich am Wandfuß entlang, fließt durch eine weitere kurze Strecke der Felswand entlang. Dann knickt es ab und fließt hinaus in die "Nam Don-Ebene". 

Man kann zwar durch das riesige Portal blicken, bloß wie da weiterkommen? Das Wasser nimmt die ganze Gangbreite ein und scheint so tief zu sein, daß man fast schwimmen muß. Seitlich an der Felswand zieht sich erst in etwa 10 m Höhe ein sehr schmales Felswand entlang, das eines geschickten Kletterers würdig ist. Wieder: Wie also weiterkommen? Dem prüfenden Blick zeigte sich gleich, daß es vom vielen Betreten schon ganz glatte Felsstücke gibt. Da war ich wirklich nicht der erste Mensch. Die Lösung schien in einem Höhleneingang seitlich zu liegen. Ich holte die Lampe heraus und ging hinein. Zuerst war alles nur dunkel, tatsächlich war da eine kleine Höhle, sogar eine Tropfsteinsäule und dann, da, ein Lichtschimmer. Da gab es einen zweiten Eingang, der absteigend leicht erreichbar war. Ich stand jenseits der schwierigen Passage und konnte auf einem breiten Felsband nun absteigen wieder zum Flußufer. Well done. 

Nun war alles nur noch ein Kinderspiel, wenn auch nicht ganz wasserfrei. Zweimal muß man mindestens bis zum Knie durch Wasserstrecken, die anders wohl nicht zu passieren sind - bei Trockenheit. Bei Hochwasser hat man hier als Mensch nichts verloren. Im feinen Sand am Boden fanden sich immer wieder kleine Häufchen und beim genauen Hinschauen zeigte sich, daß da Flußmuscheln waren, die hier offenbar ihr Domizil haben. Im Wasser im Höhlenausgang, wo das Wasser wieder zu Tage tritt, tummeln sich Fische, im Loose-Führer steht, daß "etwa auf halber Strecke, in einem kleinen Gang rechter Hand" Langohrfledermäuse in Felsspalten schlummern würden. Ich habe da nur einen großen geräumigen Gang gesehen und dort rührte sich erst einmal nichts. 

Die Höhle wird von den Einheimischen gut besucht. Mehrmals gingen an mir Leute vorbei, die entweder bald wieder umkehrten oder nicht mehr wiederkamen, während ich da war. Im oberen Höhleneingang war ein richtiger Höhlenparkplatz, wo mehrere Mofas und ein Transportfahrzeug abgestellt waren. 

     
     

Am anderen Ende führen viel befahrene Pisten in Richtung auf die Dörfer der Umgebung. Schaut man den Felswänden entlang, dann sieht man, daß sich auch hier die typischen kleinen Höhlchen am Wandfuß bilden. Ob auch vielleicht tiefer in den Berg führen, das müßte erst noch untersucht werden.

Literatur:

Düker, Jan, u.a. Laos, Stefan Loos-Verlag, Berlin, 4. Auflage

Links:

Karst und Höhlen in der Provinz Khammouane, Laos


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