Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Exkursionen ins Wellheimer Trockental
und die Umgebung

1973 20062014

 


Wer in das Wellheimer Trockental in der Südlichen Frankenalb fährt, der braucht keine "großartigen" Höhlen zu erwarten. Was hier zu sehen ist, das ist kleinräumig, kurz, wenig spektakulär. Der schaut diese Höhlen eher an, weil sie ein Stück Heimat für ihn sind, weil sie einfach da sind, weil es sie halt gibt.

Das Wellheimer Trockental liegt zwischen Rennertshofen und Dollnstein und ist der Überrest des früheren Urdonautales. Bevor bei Weltenburg der Donaudurchbruch den Weg für das Donauwasser freigab, floß das Wasser auf diesem Weg einmal nach Norden der heutigen Altmühl zu. Auf den 19 km Wegstrecke finden sich eine ganz Anzahl kleinerer Höhlenobjekte.

Schon von der Straße Rennertshofen - Dollnstein aus sind die Eingänge zu den Weinberghöhlen im Westhang des Tales zu sehen. Man durchfährt den kleinen Ort Mauern und kann ziemlich nah mit dem Fahrzeug hinfahren. Ein kleiner Trampelpfad führt zu diesem sehr bekannten Höhlenkomplex. Insgesamt sind es 5 kleinere Höhlen und das "Saazer Loch", eine kleine Naturbrücke.

Früher konnte jeder einfach die Höhlen besuchen und durchstreifen, was seit etwa 30 Jahren nicht mehr geht. Damals hat man große Eisengitter vor die Eingänge gesetzt und läßt keinen mehr rein. Als Hauptgrund werden auf den deutlich sichtbaren Schildern "Steinschlag" angegeben, was ziemlich weit hergeholt erscheint. Allerdings gings da schon hoch her früher. In einem alten Fahrtenbericht vom 1. Mai 1973, als ich zum ersten Male, damals mit Georg Kellerer, dort gewesen war, schrieb ich:.
"Sehr unangenehm ist der Gestank, der in den Höhlen den Aufenthalt bald unerträglich macht. Man fühlt sich an eine öffentliche Bedürfnisanstalt erinnert. Außerdem verwechseln auch viele die Höhlen mit einem Müllabladeplatz. Den Rest gaben uns 5 Jugendliche, die ihr Domizil dort aufgeschlagen hatten und uns mit alten "Kinks"-Rockplatten die Zeit vertrieben. Resümee: Wir waren froh, als, wir wieder weg waren."
Die Höhle hat schon viel mitgemacht mit den Menschen. Man wollte sie 1870 schon abbauen und die Steine für den Eisenbahnbau auf der Trasse Ingolstadt-Treuchtlingen verden. Das konnte nur durch das Engagement eines Dortbewohners, dessen Namen nirgends leider steht, vermieden werden. 1911 wurde mal der Boden in der Haupthöhle einfach um einen Meter herabgesenkt, um mehr Platz für ein Schützenfest zu haben. Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es mal Pläne, im Bereich der Weinberghöhlen eine unterirdische Munitionsfabrik in die Felsen zu sprengen und dort politische Häftlinge arbeiten zu lassen. Auch dieses Vorhaben wurde von engagierten Bürgern verhindert.

Am bedeutsamsten sind natürlich die Ausgrabungen in der Höhle. Aus dem Jahre 1874 stammen die ältesten Aufzeichnungen über Lesefunde von Scherben durch den Lehrer Geist. 1937 fanden dann die ersten systematischen Grabungen statt und bestätigten die Annahme, daß sich dort Menschen aus der Steinzeit aufgehalten hätten. Die frühesten Funde reichen ca. 70.000 Jahre zurück. Weitere Grabungskampagnen folgten und brachten reiches Fundgut. Bedeutsamster wurde ist die "Rote von Mauern", eine Venusstatuette aus einem mineralischen Material, die in einer roten Umhüllung während der Grabungskampagne 1948 geborgen werden konnte. Heute ist sie in der Prähistorischen Staatssammlung in München ausgestellt. Weitere Fundstücke werden im Schloß in Neuburg gezeigt.

Um den Weinberg kreisen auch ein paar Sagen, die noch überliefert sind, so die von dem Hirten aus Rohrbach, der sich in einer Christnacht aufmachte und die Höhlen besuchte. Der Berg öffnete sich gegen Mitternacht mit einem "knarrenden Geräusch" und ließ ihn ein in die Schatzkammern voller Gold und Edelstein. Am Ende war er doch froh überhaupt sein Leben gerettet zu haben.

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts soll man die Schulkinder am Prüfungstag in das Loch geführt haben. Einmal soll es passiert sein, daß das "Wilde Gejage" aus dem Gang herausgezogen sei. Das habe die Kinder in solchen Schrecken versetzt, daß sie vor Schrecken davon gelaufen seien, worauf man diesen Höhlenbesuch eingestellt habe.

 

     

Im Neuburger Museum
Die "Rote"
Prähistorische Staatssammlung München
 
Zuchthausatmosphäre
     

Das selbe Schild, Jahre später, mit einer
Ergänzung: "Typisch deutsch"
Das Schild hat wohl schon viel mit
"Aggressionen" zu tun gehabt! Man sieht es
ihm an!

 
 

Kleine Wandzeichnung:
ein weibliches Symbol

Kaum zu erkennen und doch da:
ein Hakenkreuz
 
 
Ganz modern: ein Jakobsweg führt jetzt
auch daran vorbei
   
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
     

"Nur der vernünftige Mensch paßt sich der Natur an, der unvernünftige möchte die Natur an den Menschen anpassen - darum hängt jeder Fortschritt von den Unvernünftigen ab." (Joesi Prokopetz)


Ein nächstes Ziel könnte die Höhle bei den Wielandshöfen sein.

 

Über beide Höhlen gibt es Beschreibungen und Pläne in der "Ergebnismappe der Höhlenaktion im Kartenblatt 7132 Dollnstein vom 01./02.06.1996". Deshalb spare ich mir ein ausführlicheres Eingehen darauf.

Einen Aspekt möchte ich aber aufgreifen. Im "Felsentor in der Riederleite L 31" ist mir etwas aufgefallen, was offenbar der Ersteller des Höhlenplanes überhaupt nicht gemerkt hat. Ich will die drei Personen, die am 1. Juni 1996 den Plan aufgenommen haben und der dann von Helmut Miedaner gezeichnet worden ist, überhaupt nicht angreifen. Für mich ist das nur ein sehr anschauliches Beispiel dafür, daß wir, so hat das Saint-Exupery im "Kleinen Prinzen" unvergleichlich längst formuliert, nur mit dem "Herzen" wirklich sehen. Für mich, Anfang 1999, war einfach das Thema "Baum und Höhle" sehr virulent, und so habe ich überall in den Löchern nach Zusammenhängen und Verbindungen gesucht - und gefunden.

In der "L31" gibt es z.B: eine sehr große Wurzel, die sich aus einem Höhlenspalt zwängt, abwinkelt und irgendwo wieder im Boden verschwindet. Die Wurzel scheint nicht mehr lebendig zu sein, macht einen abgestorbenen Eindruck, aber wer weiß das bei "Wurzeln" schon so genau. Ich habe mich draufgesetzt, Willi hat ein Foto davon gemacht. Und das ist etwas gworden. Deshalb steht es hier auch im INTERNET.Hier seht ihr einen Ausschnitt aus dem Höhlenplan, wo nichts, aber auch gar nichts, von dieser Wurzel zu sehen ist.

   
Foto Willi Adelung
 

Sind "Höhlenpläne" wirklich "realistische" Wiedergaben der "Realität/Wirklichkeit"?

Sie sind nur die Widerspiegelung dessen, was wir gerade für "wichtig" halten. Durch die Verwendung eines Maßbandes machen wir sie etwas nachvollziehbarer, aber das ist auch schon alles. Der Einmaligkeit eines Ereignisses, Erlebnisses werden auch sie nicht gerecht. Deshalb sollten auch die Höhlen ruhig mehrmals vermessen werden - "Doppelarbeit", "Dreifach- arbeit".... prima! Wir lernen einfach dadurch die kaleidoskopische Struktur unserer Wahrnehmung von dem, was die "Erde" ist, oder sein könnte, ein bißchen besser kennen. Eine Chance, die "Augen" zu öffnen, "wirklich" sehend zu werden. Und wie wäre es mit "Soundkarten", oder "Riechkarten"......

Fotographen machen ständig ein "Extraauge" auf. Durch ihre Kamera. Weil die Bilder etwas geworden sind, gibt es hier etwas zu sehen. Diese Bilder entstanden anläßlich eines Ereignisses, das sicherlich einmalig bleiben wird, einer Tagung von Höhle-Religion-Psyche im Naturfreundehaus Konstein.

26. Februar 2005
 
 

Am 14. Oktober 2001 waren wir zwei noch mal hier unterwegs. Es gibt ja soviele kleine Höhlen hier links und rechts in den Talhängen und den kleinen Seitentälern, daß man da mehrmals herkommen muß. Diesmal besuchten wir die Buchschlagschlaghöhle bei Rohrbach und und das Felstor im Schloßberg bei Wellheim.

Im Tal der Buchschlaghöhle

> Eingang

Schloßberg bei Wellheim

< 2001

> 2016

< Naturbrücke bei Wellheim
1.3.1973 mit Georg Kellerer

> 2001

< 2016 >
Straßentunnels im 
Schloßberg 2016

 


19. Januar 2002 Bei unserer letzten Höhlentour hatte Willi ein paar Höhlenöffnungen westlich des oberen Parkplatzes bei der Burg von Wellheim gesichtet und ein paar Fotos von den Eingängen gemacht. Die wollten wir nun erkunden. Der Hang ist durchsetzt mit kleinen Jurafelspartien. Überall sieht man kleine Öffnungen. Ein paar davon sind sogar beschliefbar, andere enden gleich hinter der Eingangspforte.

Zwei dieser Höhlenöffnungen

 


17.März 2002 Auf einer Frühfrühlingstour ins Obere Altmühltal besuchen Willi und ich noch die Bärensimahöhle (ein Mann namens Sima soll dort der Sage nach wie ein Bär gehaust haben) und die Klufthöhle westlich der Bärensimahöhle im Spindeltal. Beide Höhlen sind nur bei stärkstem Lokalinteresse erwähnenswert. Irgend jemand scheint an der Bärensimahöhle noch Interesse zu haben. Im Eingang steckte ein geschnitzter Baumschwamm mit den Initialen FL und ein paar abgebrochene Äste in Felslöchern.

 

Eingang von außen und innen
Inneres der Bärensimahöhle


In einer Jahreszeit, wo ein rechter Fledermausschützer zuhause bleibt und damit seine Raubtiere (sie wurden uns schließlich schon als richtige "Insektenstaubsauger" anempfohlen - typisch anthropozentrische Weltsicht!) schützt, da war ich wieder einmal unterwegs. Ziel war eine Höhle, die schon früher Zufluchtsort verfehmter Menschheitsteile war, mindestens der Folklore nach. Aber wer weiß schon, was da früher schon los gewesen ist. Vielleicht hat da früher schon jemand soviel Angst gehabt, daß er "Todesschweiß" gerochen hat, weil er ihn selber ausgestoßen hat? Das Zigeunerloch. Wer weiß schon wirklich, was da vorher passiert ist? Ein verschwundenes Wäschestück vielleicht?

Kinder als unser Maßstab im Zigeunerloch 27.12.1983


In der Nähe von Aicha ist das Wellheimer Trockental besonders reizvoll. Sogar ein alter Zeugenberg ist da, der "Galgenberg" genannt wird. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf das breite Flußtal, in dem eigentlich kein Wasser mehr fließt, die bewaldeten Talflanken, aus denen weiße Felspartien hervortreten, auch die Ortschaften von Wellheim und Konstein sind zu sehen, noch ist daraus noch kein anonymer Häuserbrei geworden, dir Kirchtürme sind noch die Wahrzeichen, auch einen Burg ist noch in der Ferne auszumachen.

Dort gibt es ein paar kleine Felslöcher, fast schon "Höhlen", aber die Nase steckt man trotzdem hinein. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Natürlich sind sie schon vermessen, der Plan ist gezeichnet, veöffentlicht, im Boden wurden Funde gemacht. Geheimnisse sind hier nicht mehr zu lüften.


Die Schutter mündet in der Umgebung von Höfen in das Wellheimer Trockental. Dort gibt es ein paar kleine Höhlen in den Talhängen. Im Januar 2010 sind wir mal wieder dort gewesen...

 
 

452 m hoch ist laut Landkarte der "Gipfel" hoch, der an seinem Ausläufern zu höchst besuchenswerten steilen Felsen führt, von denen man einen Prachtblick auf das Wellheimer Trockental hat. Unterhalb im Felsgelände liegen noch die "Kränzelsteingrotte" und die "Feldmühlhöhle". Letztere wurde von einem Unbekannten mit einem Holzbalken "erschlossen", auf dem man Platz nehmen und zur Ruhe kommen kann.

 

Gegenüber von Ried liegt ein 54 Hektar großes Naturwaldreservat am Südosthang des Wellheimer Trockentales. Es umfaßt die Groppenhofer- und Riederleite mit ihren sehr reizvollen Felspartien. In der Nähe der Einmündung des Beckentals liegt eines Bilderbuchfelspartie mit einer kurzen Durchgangshöhle. Auch an ihr führt ein sehr reizvoller Wanderpfad vorbei, der wesentliche Teile des Gebiets dem Naturliebhaber aufschließt. Ein wenig trittsicher sollte er manchen Stellen schon sein, denn da geht gelegentlich richtig steil hinunter.

 

 


Der Kalk des Juras reicht nach Süden bis an die Donau. Westlich von Neuburg reicht ein Stück davon bis ans Ufer. Dort ist unterhalb des Arcoschlößchens eine kleine Grotte ausgewaschen worden, die sogar unter Naturschutz steht. Bemerkenswert ist sie vor allem, weil dort eine kleine Betstelle eingerichtet ist mit Kniebank und Christuskreuz. Die muß immer wieder erneuert werden, da die Hochwässer der Donau da alles wieder fortschwemmen. An den Felswänden sind in unterschiedlicher Höhe jeweils die Maximalwasserstände markiert worden. Ganz hoch oben ist auch ein mit blauer Farbe gestaltetes Zeichen mit Fischen angebracht worden. Was bedeutet es. Aus der Felsnische heraus hat man einen hervorragenden Blick auf das Schloß von Neuburg und an dessen Sockel auf die schwarze Öffnung der außergewöhnlichen künstlichen Grotte, die es birgt.

Die Donau und die Grotte
Ein Baum steht am Eingang
und schlingt mit einer Wurzel
sich tief in den Grottenraum
Der Ausblick auf Neuburg
Bilder vom 14.04.2006

Die Landschaft

Bei Rennertshofen

Konstein mit dem Dohlenfelsen, Oktober 2012 2014

Hütting, Oktober 2012

Konstein 2014


Literatur:

Zecherle, Karl, Murböck, Toni sehenswerte Natur im Kreis Eichstätt, Landkreis Eichstätt 1982
Mikeska, Detlef Die Buchschlaghöhle bei Rohrbach, Der Fränkische Höhlenspiegel Heft 51, Dezember 2003, S. 50
Scharf, W. Zweiradexkursion 3: Wellheimer Trockental, Altmühltal, Mitteilungsblatt der Höhlengruppe Frankenkarst Nr. 5, 1995, S. 25ff.

Links:

http://www.bingo-ev.de/~ks451/region/schutt-1.htm

http://www.uok.bayern.de/static/GEOTOPE/GEOTOPE_318.html

https://www.bavarikon.de/object/bav:ASM-OBJ-0000000000000073 Rote von Mauern

Landschaft und Höhlen im Oberen Altmühltal

Weinberghöhlen

Zigeunerloch

Hitler-Abbild sorgt für Wirbel - Bayern - Aktuelles - tz-online.de Höhle bei Hütting / Fränkische Alb

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