Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

"Grotten" und andere "höhlenähnliche Gebilde"
u.a. Grottenbahnen


Stourhead Grotto, Wiltshire, GB


Die Hotelgrotte im Sunrise Queen Hotel in Side, Türkei
Die
Grotte im Schloß Linderhof, Bayern, D
Die
Grotte im Schloß Neuburg an der Donau, Bayern, D
Crystal Caves in Atherton, Queensland / AUS
Die
"Steinzeithöhle" im Nationalpark Bayerischer Wald, Bayern, und weitere Höhlennachbildungen im "Haus der Wildnis"
Lourdesgrotten in Bayern und anderswo
Die
Neischlgrotte im Botanischen Garten in Erlangen
Die
"Therme" in Vals, Graubünden, Schweiz
Bauten im
Park Güell, Barcelona, Spanien
"Höhlenhügel" in Zell, Bayern, D
Grotten im Schloßpark Hellbrunn bei Salzburg, A
"Im Stein" im Wörlitzer Park, D


Was tut der Mensch, wenn er gerne ein Höhle oder eine Grotte um sich herum hätte? Er geht in eine, oder, wenn keine da ist, dann er baut sich eine!

Wenn man die Geschichte der Menschheit anschaut, dann war dieses Bedürfnis manchmal mehr, manchmal weniger offenbar da. Es gab schon mehrmals "Hoch"-zeiten des Grottenbaus: z.B. im Manierismus und HEUTE!

So gab es in den 90er Jahren in meinem Wohnort Gröbenzell im Wesen von München eine Kneipe, die sich "GROTTE" nannte. Wer sie betrat, der traf gleich auf ein paar Versatzstücke, die ihm ein "unterirdisches" Gefühl vermitteln sollten, Steinbrocken z.B.. Der Eindruck war so schauerlich, daß ich gleich wieder umkehrte, als dort einmal mit Michael Laentzsch den Versuch machte, das Etablissement kennenzulernen. Viel habe ich nicht versäumt.

Ein besonderes Designerstückchen (Dirk Obliers) gibt es in Pflaums Posthotel in Pegnitz / Franken / D. Dort ist im Fitneßcenter eine "Grotte" entstanden, in der man "Baden wie Orpheus in der Unterwelt" kann. Tausende von Lichtblitzen zucken an den Wänden und ein schwarzer Steinteppich umhüllt die beiden weißen Badewannen.

Das Bild stammt aus einem Prospekt für das PPP unter dem Titel "Die Oase"
In der Grotte im Schloß von Neuburg an der Donau, Bayern
Photo Willi Adelung
"Die Muschelgrotte von Australien", IV. Abteilung des Elysiums
in Wien, 1833 eröffnet
In der Eremitage von Arlesheim, CH
Grotte des Bacchus
in Schloß Amras bei Innsbruck. Früher soll hier ein umlaufender Tisch in der Mitte um die große Säule gestanden haben, an dem "Wettsaufen" ein wichtiges Rital gewesen sei

Ganz moderner "Grottenbau" - die Kristallwelten von André Heller in Wattens
Die Gelübde-/Lourdesgrotte im parco Sigurtà, Valeggio sul Mincio, Provinz Verona, I
April 2012

Ein besonders feines Beispiel einer modernen Badegrotte scheint das Hotel Adler in St. Ulrich in Südtirol aufzuweisen. Jedenfalls berichtete die Süddeutsche Zeitung am 18. November 2003 darüber. Die Worte dazu: "Im Hotel Adler kann man auch allerlei seltsame Naturburschen kennen lernen. Solche, die sich zu Bergkräutern in die Wanne legen...So manche bleiben dann ganz in der Pool-Grotte hängen."

Das Parkhotel Burgmühle in Fischen im Allgäu ist stolz darauf, vom "Deutschen Wellness-Verband" 2006 mit einem Premiumzertifikat seine Leistungen bestätigt bekommen zu haben. Wer da Entspannung sucht, der kann sich auch in Wannen mit heißem Wasser legen, die in ein Tropfsteingrottenamibiente eingelassen sind (Allgäuer Zeitung 17.10.2006, Reise & Urlaubsbeilage).

Andere Seitenwege dieses Themas führen zu den vielen Lourdesgrotten und zur Blauen Grotte.

Wirtschaftlich besonders erfolgreich war der Bau einer künstlichen Grottenwelt durch André Heller in Wattens bei Innsbruck. Inzwischen soll sie Österreichs zweitmeistbesuchtes Touristenziel überhaupt sein, nach dem Schloß Schönbrunn in Wien.

Eine heiße Nummer ist das Thema "
Grottenbahn". Erst durch meine Internetrecherchen kam ich darauf, daß es in Linz so etwas geben sollte. Ein prima Internetlink informierte und machte Lust, dort auch einmal hinzufahren. Angeblich ist es die meistbesuchte Örtlichkeit in Linz und das einzige gewinnbringende Unternehmen der Linzer Stadtwerke. Inzwischen weiß ich über das Internet, daß es auch in Graz und auf dem Wiener Prater "Grottenbahnen" gibt. Die Geisterbahnen auf unseren Volksfesten sind einfach mobile Nachbauten dieser Idee. Am 21. Mai 2000 war es soweit....

Die "Venusgrotte" im Park von Schloß Linderhof in der Nähe von Oberammergau hat eine höchst interessante Baugeschichte und so manche Geschichte rankt sich um sie. Und in Schloß Neuschwanstein gibt es eine Grotte, die sich Ludwig II dort hineinbauen ließ.

Nach den Plänen von Niki de Saint Phalle wurde in den Herrenhäuser Gärten bei Hannover eine neuer Grotte gebaut. Es ist bereits von einem neuen "Publikumsmagneten" die Rede....

In der Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe, dem Schloss Veitshöchheim, in Franken, steht das "Grottenhaus", "das wunderlichste Werk des Würzburger Bauamtsmannes Johann Philipp Geigel: Ein mit Muschelwerk verziertes Gebäude, an dessen Decke verschiedenstes Getier ein recht sonderbares Wesen treibt".

In Schönau an der Triesting, NÖ., gibt es auch eine Grotte, deren Vorbilder noch von den Fachgelehrten diskutiert wird.

Am Stadtrand von Bueonos Aires wurde der "Tierra Santa"-Themenpark errichtet. Man wirbt mit dem Slogan: "Besuchen Sie Jerusalem in Bueonos Aires während des ganzen Jahres. Dort gibt es auch eine "Höhle der Jungfrauen und Heiligen", "eine Grotte mit den akkumulierten Gips-Marien der Religionsgeschichte. Nicht nur die weltweit bekannten Marienwunder aus Lujan, Lourdes und Guadalupe erscheinen ihren Betrachtern an diesem Ort pausenlos. Aus eine obskure mit "Nuestra Senora de Knotenlöserin" beschriftete Figur findet sich hier." (Prenner Seite V2/8)

Eine moderne Version einer Grotte stellt die "Therme" in Vals in Graubünden/CH dar. Die romantisierenden Verzierungen sind der Konstruktion mit rechten Winkeln gewichen, aber durch die Reduktion auf Fels und Wasser ist ein kleiner architektonischer Wunderbau entstanden.

Auf der Isola di Garda im Gardasee, Italien, gibt es von der Familie Lechi erbaute künstliche Grotten. Mehr dazu gibt der Internetlink nicht her. http://www.lagodigarda.nl/index.php?artikel_ID=121&sub_categorie_ID=149&categorie_ID=1&taal_ID=3

"Das als Grotte gestaltete Heilige Grab in der Hofmarkkirche Heiliges Kreuz in Schönbrunn (Landkreis Dachau) befindet sich in einem der nördlichen Nebenräume." Aus WIKIPEDIA-Beitrag zum Thema "Heiliges Grab"

Schloss Stolzenfels, dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm 1823 von der Stadt Koblenz geschenkt, wurde bis 1847 umgebaut. Es entstand "der bis heute wohl schönste und bedeutendste Baukomplex der preußischen Rheinromantik", hoch über dem westlichen Rheinufer gelegen. Der Park, von Lenné geschaffen, sollte "als Schöpfung der Natur wirken und so vergaß man nicht "Grotten, Teiche und Wasserfälle" anzulegen. Seit 2012, zur Bundesgartenschau, wurde die ganze Anlage renoviert und in altem Glanz wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Im Parco Sigurtà in Valeggio sul Mincio (VR), südlich von Peschiera am Gardasee gibt es eine Gelübdegrotte. Sie wurde 1792 von der Familie Maffei, zusammen mit einem neugotischen Tempel und einem Schlößchen in dem großen Landschaftspark errichtet, um auch einen "Englischen Garten" zu haben.

In der Eremitage Bayreuth gibt es mit der "Unteren Grotte" ein Landschafts-/Baukunstwerk, das zwischen 1749 und 1758 gebaut wurde, und der "Kunstform der "Wildnis"" Ausdruck verleiht. Man wollte sich wohl mehr "vom strikten Hofzeremoniell erholen", als etwa in religiöser Versenkung sich ergeben. Die Markgräfin Wilhelmine schrieb damals: "Wir führen hier ein stilles Landleben (was auch immer das sein soll, A.d.V. - es war wohl oft eher "hart" als "still" für die meisten Menschen), das für ich sehr reizvoll ist."
>Eremitage
>Inhaltsverzeichnis - Denkmalpflege Information 2014/11

Auf der Akropolis von Rhodos befinden sich mehrere Grottenanlagen, die 1928 bei Grabungsarbeiten an des Tempels der Athena Polias und des Zeus Polieus gefunden wurden. Insgesamt wurden 4 gefunden, wovon eine heute schon wieder zerstört ist. Die wohl bedeutendste von ihnen wird wie folgt beschrieben: "Sie besteht aus zwei in den Boden versenkten Raumkomplexen, die durch einen unterirdischen Tunnel miteinander verbunden sind. Der westliche Teil besitzt im Zentrum einen rechteckigen, nach oben hin geöffneten Hof. Etwa in der Mitte befindet sich ein gemauertes Wasserbecken." (Neumann, S. 75). Erwähnenswert sind vor allem die aus dem Fels der Raumdecke herausgehauenen tropfsteinartigen Gebilde. Wollte man eine Höhle nachbilden? Über den Zweck dieser Anlage besteht ganz einfach Unklarheit. War es ein Erholungsraum, eine Kultstätte?


Aus der GEORGICA CURIOSA von 1682:

"Die Grotten sind gleichesfalls eine schöne Gartenzierd / in der Hitz ein angenehmer Unterstand / mit ihrem verborgenem Wasserwerck eine erfrischende Zeitvertreibung / mit ihren finstern Einhölungen / und durch Kunst gemachte Drachen / Schlangen und Eyderen erchrecken sie zwar / aber allein die Unwissenden und Unverständigen; und ersetzen es den Unterrichteten mit vielfältiger Vergnügung; den auch benannte abscheuliche Thier für tödtliches Gifft / heilsames Wasser ansprengen / und zeigen diese Grotten in ihren Vertiefungen allerhand andere holdselige Meer-Gewächse / als Corallen / Muscheln / Schnecken / aus allerhand vom Wasser ausgefressenen Bergsteinen und Tufft / auch aus Bergen und Mineren seltsame und unzeitige Jaspis, Chalcedon, Archat, und anders Metallen-Ertz / wie auch aller Arten seltsame und unverwelckliche Naturwunder eingebracht und gesehen werden. Bald lässet sich eine selbst-lautende Orgel / bald hin und wieder auf den Corallen / Zincken und andern Stäucherwerk sitzende Vögel vernehmen; bald trifft man an allerley mit Bergwerck und Metallen gezierte Gebürge / darauf die Pygmaei und kleinen Spannen-Männer ihre unvermüdliche Arbeit verrichten; bald Apollo mit dem schönen Chor der neun Musen / eine Aufzug macht; blad der schlauhe Mercurius, den betrogenen Argus nach eingeschläfferten seinen hundertfachen Augen / den Kopf abhauet / aus welchem Wasser / an statt des Bluts / rinnet / das mehr abwäschet und säubert / als bemailet und verunreiniget; bald siehet man den Bockfüssigen Pan mit seiner gedoppelten Pfeiffen; hier einen trunckenen Silenum mit seinem drohenden Thyso, und dort einen Harffenspielenden Orpheus unter den Furcht-einjagenden Zuhörern der wilden und unbezeumten Thieren; hier eine mit ihrem Frauenzimmer badende Diana, die dem verwegenen Actaeon die Straff seines Fürwitzes ankündet; und dort ein Pegasus, der mit seinem fordern Huef den Tichterbronnen Hippocrene auf dem Berg Parnassus aufgräbt; und dergleichen unzähliche Veränderung ist allenthalben in unterschiedenen Grotten zu sehen."


Grotten haben auch so manchen Schriftsteller inspiriert.

Einer davon ist der Österreicher H.C. Artmann. Das Gedicht ICH STEH STABS STICHER STARK STEHEND beginnt:

huflattichgrotten meinerseits sicher
primula veris und vaccinia nigra
klarraschelnder effekt der sonne hier
vorkindliche wildnis der schatten dort
man sieht durch monokel s licht der welt..."

In dem Gedicht "Die beiden Tauben" von Heinrich von Kleist geht es um zwei sich in "zarter Liebe" zugetane Täubchen. Der Tauber wird aber unruhig, nachdem er der "weichen Ruhe überdrüssig" wird. Er sinnt auf eine Reise und macht sich tatsächlich auf den Weg. Er gerät allerdings in ein schweres Gewitter, "ergrimmte Winde brechen los" usw.. Am Ende heißt es nach der Rückkehr dann:

"Ihr Sel'gen, die ihr liebt; ihr wollt verreisen?
O laßt es in die nächste Grotte sein!
Seid euch die Welt einander selbst und achtet,
Nicht eines Wunsches wert, das übrige!.."

Aus: "Talking to a Tree Fern" von Dinah Hawken (Brown)
"....
Once I saw you at a Marist Centre
stiff and brittle like an empty erection,
no fronds, no flow.
Mary was cramped into a grotto nearby
totally into pleasing God.

..."
Grotte in dem Schaufenster eines Juweliers in Venedig, 2011


Aus dem Internettext zum Giardino Giusti in Verona:

"Doch dieses Inbild der Vernunft wird vom Rumoren des wilden und widersetzlichen Geists der Spätrenaissance durchkreuzt: Von einem auf halber Höhe des Felshang gelegenen Punkt fällt ein Schatten einer riesigen steinernen Maske unheimlich und drohend über die Klarheit und Symmetrie des italienischen Gartens. Unterhalb der Maske ist eine künstliche Grotte in den Tuff gehauen, und in dieser Höhle, die bis ins tiefste, geheimste Innere der Erde zu reichen scheint, sah sich der Besucher durch ein raffiniertes Spiel von Spiegeln seinen beunruhigend verzerrten Konterfei gegenüber. Die Grotte mündete in ein lang gezogenes unterirdisches Gewölbe, das sich durch das Echo der von Wand zu Wand hallenden Stimmen in den orakelhaften Schlupfwinkel heidnischer Gottheiten zu verwandeln schien. In dieser Nachwelt der Renaissance erschütterten die Geheimnisse und Schrecken einer feindlichen Natur den festen Glauben an die Vernunft, hier war die Sicherheit dem Fatum anheimgestellt. An dieses blinde Geschick soll auch das im rechten Teil des Giardinos angelegte Labyrinth erinnern, ein Sinnbild für die Lage des Menschen, der sich physisch und im übertragenen Sinn in einer ausweglosen Zeit verloren weiß. "


Literatur:

Artmann, H.C. Sämtliche Werke, Salzburg und Wien 2003
Brown, James, edited by the nature of things - poems from the New Zealand Landscape, Nelson 2006
Georgica Curiosa Das ist Umständlicher Bericht und klarer Unterricht - von dem Adelichen Land- und Feldleben, Nürnberg / In Verlegung Johann Friederich Endters und Michael Endters Seel Im Jahr Christi 1682
Ilming, Heinz Der Stellung der Antonsgrotte bei Baden in der Grottenarchitektur, in: Mais, K., Schaudy, R., Höhlen in Baden und Umgebung aus naturkundlicher und kulturgeschichtlicher Sicht, Seibersdorf 1985
Kindler, Nina von, herausgeg. von Liebe - Liebesgedichte deutscher, österreichischer und Schweizer Autoren, Kindler-Verlag, München 1980
Miller, Naomi Heavenly Caves - reflections on the garden grotto, New York 1982
Neumann, Sabine Rhodos - Die rätselhafte Grotte auf der Akropolis, in: ANTIKE WELT 3/2012, 73-83
Niki de Saint Phalle La Grotte, Hatje Cantz Verlag Ostfildern
Prenner, Michael Ein Nachmittag bei Jesus - Christentum zum Anfassen: Am Stadtrand von Bueonos Aires befindet sich der bizarrste Themenpark der Welt, Süddeutsche Zeitung 13./14. April 2006, Nr. 87, Seite V2/8
Rice, E. E. Grottoes on the acropolis of hellenistic Rhodes: in: The Annual of the British School at Athens 90 (1995) 383-404
Rietzsch, Barbara Künstliche Grotten des 16. und 17. Jahrhunderts - Formen der Gestaltung von Außenbau und Innenraum an Beispielen in Italien, Frankreich und Deutschland, Beiträge zur Kunstwissenschaft - Band 17, scaneg Verlag, München 1987

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